Waldshut-Tiengen Prozess um Babytod: Angehörige hörten Laut

In der Verhandlung wegen Totschlags gegen eine 23-Jährige wurden in Waldshut am zweiten Prozesstag weitere Details zum Tod eines Neugeborenen im Juli vergangenen Jahres bekannt.

Der Beschuldigten wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, nach ihrer verheimlichten Schwangerschaft den Tod des Neugeborenen bewusst in Kauf genommen zu haben. In einer Schwarzwaldgemeinde brachte die Auszubildende ein Mädchen in der Nacht zum 22. Juli 2016 im Keller eines Wohnhauses zur Welt, ohne jegliche medizinische Versorgung starb es wenig später. Die Angeklagte soll die Leiche in einer Sporttasche versteckt haben, welche die Mutter am 1. August 2016 beim Aufräumen im Zimmer ihrer Tochter fand. Zu diesem Zeitpunkt lag die Auszubildende bereits in lebensbedrohlichem Zustand in der Uniklinik, da sich ihre körperliche Verfassung in den Tagen nach der Entbindung rasant verschlechterte. Noch ist unklar, ob die Geburt natürlich oder vorzeitig ausgelöst wurde, zum Zeitpunkt der Geburt befand sich die Frau im achten Monat der Schwangerschaft.

Blutspuren im Keller

Zwei nähere Bekannte der Angeklagten sagten am zweiten Prozesstag aus, dass sie einen Tag nach der Geburt des Kindes zusammen mit Angehörigen der Familie im Keller Blutspuren gefunden hatten. Nach dem Fund kam in Familienkreisen der Verdacht auf, dass die Angeklagte eine Fehlgeburt hatte. Verstärkt wurde der Verdacht durch den Schrei eines Neugeborenes in der vorherigen Nacht, welcher von Mitgliedern der Familie wahrgenommen wurde. In einer Konfrontation mit der Schwester, so eine Zeugin, entkräftigte die Angeklagte diesen Vorwurf. Weder den Angehörigen noch den Bekannten fiel auf, dass die Angeklagte schwanger war.

Durch die weiteren Aussagen zeichnete sich ab, dass sich die Frau in den vorherigen Monaten emotional von ihrer Familie und ihren Freunden entfernt hatte. Schuld an der Isolation der Angeklagten, die als lebensfroher Familienmensch beschrieben wurde, sei ihr damaliger Freund und Vater des Opfers. Er soll die Angeklagte zum Gebrauch von Drogen verleitet haben, so die Bekannten.

Psychiatrisches Gutachten folgt

Der ehemalige Partner erschien ebenfalls im Landgericht in Waldshut. Er gab unumwunden zu bis zu vier Gramm Cannabis am Tag zu konsumieren. Seiner Aussage zufolge gab es in den letzten acht Monaten keinen Hinweis auf eine Schwangerschaft seiner Ex-Partnerin. Die Beziehung zur Angeklagten hätte sich in den letzten Wochen vor der Geburt verschlechtert, insgesamt sei ihr der körperliche Zustand der Angeklagten gleichgültig gewesen, so die Aussage. Am Montag, den 16. Oktober, verhandelt die große Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Martin Hauser um 10 Uhr weiter. Dann wird unter anderem ein psychiatrisches Gutachten der Angeklagten vorliegen, das darüber Aufschluss geben soll, in welcher psychischen Verfassung sich die junge Frau während der Geschehnisse befand. Ob die Familienangehörigen bis dahin weiter von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen, ist noch unklar.

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