Der Waldshuter Kreistag soll aus erster Hand über die Sicherheitsprobleme des Atomkraftwerks Leibstadt informiert werden. Die Grünen im Kreisparlament fordern, dass der Landrat einen Vertreter der Schweizer Atomaufsicht ENSI oder der Kraftwerks-Gesellschaft einlädt, um dem Kreistag vor der Sommerpause "die aufgetretenen Brennelementschäden darzulegen und die Gründe für das Auftreten von Schäden und deren Ursachen genauer zu erläutern", so der Antrag der Grünen-Fraktion.

2016 waren Schäden an Brennelementen im Kernkraftwerk Leibstadt festgestellt und die Anlage ein halbes Jahr stillgelegt worden. Am 17. Februar fuhren die Betreiber den Reaktor mit verminderter Leistung wieder hoch, ohne dass die Ursache für die Verfärbungen und den Rost an den Brennelement-Hüllrohren geklärt war. Die Oxidation der Rohre ist laut Grünen weltweit einmalig.

Vor dem Besuch eines Schweizer Experten fragen die Grünen, ob bei laufendem Betrieb überhaupt nach den Ursachen geforscht werden kann. Weiterhin möchte die Fraktion wissen, wie 2014 der Korrosionsschaden am Brennstab entdeckt wurde, warum trotz der 2015 ergriffenen Maßnahmen im Jahr 2016 sogar stärker oxidierte Stellen an Brennstäben entdeckt wurden und was es für die Sicherheit bedeutet, wenn Brennstäbe wegen des Lecks nicht mehr von einem Wasserfilm bedeckt sind.

"Für die kritischen Siedezustände, also die mangelhafte Kühlung im Reaktor, fehlt eine belastbare technische Erklärung! Vor einer Wiederinbetriebnahme des KKL hätte die Bevölkerung und ihre gewählten Vertreterinnen und Vertreter – auch auf deutscher Seite – deshalb Anspruch auf eine überzeugende Erläuterung gehabt", schreibt die Fraktion der Grünen in ihrem Antrag.

Nach Auskunft des Landratsamts soll das Thema am Mittwoch, 28. Juni, im Bau- und Umweltausschuss oder in einer der nächsten Kreistagssitzungen behandelt werden.