Kabarettistin Anny Hartmann (49) aus Köln freut sich: „Ich bin begeistert, dass Sie da sind, obwohl Sie wissen, dass es politisches Kabarett gibt.“ Sie präsentierte an diesem Abend in der Waldshuter Stadthalle ihr drittes Soloprogramm „NoLobby is perfect!“ Und man musste schon ein Käpsele in Steuerfragen sein an diesem Abend. Denn die studierte Diplomvolkswirtin versteht ihr Fach: Da geht es vor allem um den Einfluss der Lobbyisten und die Macht der Wirtschaft Sie stellt und beantwortet Fragen wie „Warum haben die Lobbyisten diesen Einfluss?“ „Wie kommen sie an die Politiker ran?“ Und „Was kann man machen gegen Lobbyismus?“

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Ihre Politikerschelte bringt sie in rasendem Sprechtempo, steht da mit ihren roten Haaren, der Brille und frechen hellblauen Schuhen – nicht mehr ganz jung, nicht ganz schlank. Dafür scharfzüngig, bitterböse, ironisch und respektlos. Dabei bewegt sie einzig die Hände und Arme, selten die Mimik. Auf Ursula von der Leyen oder Friedrich Merz schießt sie sich ein, und überhaupt haben die Politiker bei ihr kein gutes Ansehen: „Die SPD? Die Älteren unter Ihnen erinnern sich vielleicht noch?“

Schlagertige Wortspiele

Nach der Pause dann kommt zu ihrer wortgewaltigen „Schnellfeuerwaffe“ auch mehr Witz, mehr schlagfertige Wortspiele. Sie wird lebhafter und lacht öfter. Spätestens nach dem Witz von Bush, Obama und Trump kommt Stimmung auf. Und ihr Häschenwitz ist der absolute Höhepunkt, um ihre Botschaft zu vermitteln: „Ich will Ihnen Mut machen! Denken Sie anders, nichts ist alternativlos!“ Denn ihre Denkanstöße sind ernsthaft: „Wir leben nicht über unsere Verhältnisse. Wir leben über die Verhältnisse der Andern. Und unsere Probleme werden von Reichen gemacht, nicht von Armen.“

Sie schimpft gegen SUVS und KO-Tropfen, plädiert für Barzahlung und engagiert sich für bedingungsloses Grundeinkommen. Und beschwört ihre Zuhörer: „Wir müssen den Neoliberalismus eindämmen und die Banken abschotten!“ Das Publikum ist beeindruckt und spürbar offen für die vielen Botschaften. Und wieder freut sie sich: „Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben!“ Und lässt ein kleines Plastikhäschen hochspringen: „Das Häschen hat auch überlebt!“

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