„Ich war erst einmal hier – wegen eines Verkehrsunfalls“, plaudert Rita Schwarzelühr-Sutter beim Besuch des Waldshuter Polizeireviers. „Ich war aber unschuldig“, fügt die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin lachend hinzu. Die Politikerin ist auf Stippvisite bei der Polizei, um, wie sie sagt, den Polizeibeamten ihre Wertschätzung entgegenzubringen und sich über die Herausforderung in diesem Beruf zu informieren.

Polizistenjob liegt bei Jenna Blömeke in der Familie

„Ihr macht einen tollen Job“, sagt Rita Schwarzelühr-Sutter an Revierleiter Domenik Reichelt gewandt. „Rund um die Uhr verlassen wir uns auf die Polizei – auch jetzt in der Sommerzeit“, fährt sie fort. Und in der Tat sind einige Büros wegen Urlaub verwaist, als Reichelt die Abgeordnete durch die Gänge führt. In einem der Flure kommt ihnen eine junge Beamtin entgegen. „Darf ich fragen, wie Sie zur Polizei gekommen sind?“, fragt Schwarzelühr-Sutter die Frau mit dem blonden Pferdeschwanz interessiert. „Klar“, antwortet Jenna Blömeke: „Der Beruf wurde mir quasi in die Wiege gelegt: Bereits mein Opa, Uropa und Ururopa waren Polizisten“, erzählt die 24-Jährige, die den Dienstgrad der Obermeisterin hat.

Nicht lange hält sich die Politikerin bei den Gewahrsamszellen auf. Unmöbliert und mit braunen Fliesen ausgestattet, wirken die engen Zellen nicht gerade einladend. „Schlicht und der Zimmerservice hält sich in Grenzen“, meint Domenik Reichelt mit einem Schmunzeln zu diesem ungemütlichen Bereich des Polizeireviers.

Verspiegelten Scheiben gibt es nur im Fernsehkrimi

„Das sind die guten Damen des Reviers“, stellt Domenik Reichelt die Schreibkräfte Ute Wienke und Monika Kuttler dem Besuch aus Berlin vor. Die Frauen bringen unter anderem die Protokolle der Vernehmungen, die auf Tonband aufgenommen werden, zu Papier. Die Vernehmungen finden in einem großen Raum statt, der auch als Besprechungszimmer der Ermittlungsgruppen dient, und nicht etwa in einem kleinen, abgedunkelten Raum mit verspiegelter Scheibe, wie man ihn aus vielen Krimis kennt. „Die Realität stimmt nicht unbedingt mit dem Fernsehen überein“, sagt Reichelt.

In einem Büro sitzt Michael Wirz vom Ermittlungsdienst. Seine Aufgabengebiete umfassen unter anderem häusliche Gewalt und Jugendschutz. Zum Thema Gewalt in der Partnerschaft sagt die Staatssekretärin: „Es zieht sich durch alle Schichten.“ Michael Wirz entgegnet: „Traurig ist, dass die Opfer oftmals zu ihren Tätern zurückkehren.“

Domenik Reichelt berichtet Rita Schwarzelühr-Sutter von der Ermittlungsgruppe IuK (Information und Kommunikation), die sich mit Cyberkriminalität wie Internetbetrug und Beleidigungen in sozialen Netzwerken befasst. Die Politikerin hat als Person des öffentlichen Lebens bereits Beleidigungen per E-Mail erhalten, „aber nie so schlimme, dass ich die Polizei einschalten musste“, erzählt sie.