In der Debatte um das umstrittene Wohnbauprojekt in der Tiengener Klausenstraße konnte aus Sicht der Betroffenen offensichtlich ein Fortschritt erzielt werden. Die Planung ist nach Einsprüchen etwa um die Hälfte reduziert worden.

Seit Ende 2015 schwelt ein Konflikt zwischen dem Privatinvestor und Anwohnern im Gebiet Gaisäcker am östlichen Ortsende Tiengens. Das ursprüngliche Konzept für 22 Wohnungen sah vorne drei Doppelhäuser für jeweils zwei Parteien und dahinter drei Mehrfamilienhäuser vor. Im weiteren Verlauf wurde der Umfang auf 20 Wohnungen reduziert. Dies hielten die Anwohner immer noch für „überdimensioniert“ und „von der Gestaltung her unpassend“.

Nun wurde der Bebauungsvorschlag nochmals umfassend nachgebessert und in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses des Gemeinderats vorgestellt.

In der neuen Fassung werden zehn Doppelhaushälften und ein Einzelhaus in Aussicht genommen. Insgesamt bieten die Gebäude Platz für elf Wohnungen, was einer Schrumpfung des Bauvolumens um 50 Prozent entspricht. Die fünf Doppelhäuser bestehen jeweils aus einem Dach- und einem Sockelgeschoss und verfügen über eine Garage und einen Stellplatz.

Des Weiteren werden Satteldächer anstelle von Flachdächern angebracht, um eine bessere Anpassung an die Umgebungsgestaltung zu gewährleisten. Laut Stadtplanungsamtsleiterin Margit Ulrich fand kürzlich ein Treffen mit zwei Vertretern der Interessengemeinschaft Gaisäcker statt, die dem Vorschlag in wesentlichen Teilen zugestimmt hätten.

Einer dieser Vertreter ist Richard Gärtner. Er attestiert der Thematik einen Fortschritt, äußert aber weiterhin Bedenken: „Wir sind über die vorgesehene Höhe noch nicht erfreut.“ Diese liegt aktuell bei ungefähr acht Metern. Trotzdem spricht Richard Gärtner bereits jetzt von „einem großen Erfolg“, der erzielt werden konnte. Sobald die Interessengemeinschaft über die ausgearbeiteten Pläne verfügt, werde darüber nochmals beraten.

Nur die drei direkten Anwohner des Baugrundstücks Klausenstraße 27/29 haben ein Stimmrecht und können während einer vierwöchigen Frist Widerspruch einlegen. Dem würde Immobilieninvestor Dieter Weiß gelassen entgegen sehen: „Die Planung ist nun endgültig und hält jedem Rechtsstreit stand.“ Er rechnet mit einer Baugenehmigung im dritten Quartal diesen Jahres und einem darauffolgenden Beginn der Abrissarbeiten im Oktober/November.

Baugesetzbuch

Da für die Klausenstraße kein Bebauungsplan besteht, entscheidet das städtische Baurechtsamt über das Bauvorhaben auf Grundlage des Baugesetzbuchs (BauGB). Demzufolge ist ein Bauvorhaben laut Paragraf 34 zulässig, wenn es sich „in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“. Diese Voraussetzung sah das Baurechtsamt der Stadt auch für die ursprüngliche Planung mit sechs Häusern und rund 20 Wohnungen erfüllt. Der damalige Bürgermeister Martin Gruner erklärte im Dezember 2015: „Das Bauvorhaben ist absolut genehmigungsfähig.“ Nach Protesten und Einwendungen der Anwohner und Konsultation des Regierungspräsidiums musste die Stadtverwaltung diese Einschätzung korrigieren. Konsequenz war die jetzt um etwa 50 Prozent reduzierte Planung.