Der von Waldshut-Tiengens Oberbürgermeister Philipp Frank gerne benutzte Begriff „Mitmachstadt“ ist gekapert worden. Ein „kommunalpolitisches Forum“, das von Bürgern aus der Stadt gegründet wurde und regelmäßig zusammenkommen soll, trägt diesen Titel, und das gewiss nicht ohne ironischen Unterton: Schließlich gehören der Gruppe nach Informationen von suedkurier.de auch Mitglieder aus der Initiative an, die mit einem Bürgerbegehren die vom OB verteidigte Schließung des Waldshuter Freibads verhindert hat. In einem per E-Mail verteilten Flugblatt, das der Redaktion vorliegt, heißt es über die neue Bewegung: „Im parteiunabhängigen, generationenübergreifenden Zusammenschluss sind Frauen und Männer mit unterschiedlichen Professionen und Sichtweisen an der positiven Weiterentwicklung der Stadt mit allen Ortsteilen interessiert.“ Noch aber befindet sich die Gruppierung, was die Umsetzung der Idee von der Mitmachstadt betrifft, offenbar in der Lernphase. Denn ein Treffen, das laut dem Flugblatt für Dienstagabend in einem Gasthaus der Kreisstadt vorgesehen ist, trägt einen eher konspirativen Charakter: Auf Anfrage hieß es, dass weder eine Ankündigung des Termins in der Zeitung erwünscht sei noch eine Berichterstattung über den Anlass. So wird es also einem ausgewählten Kreis vorbehalten bleiben, was mit der als Gastrednerin eingeladenen langjährigen Stadträtin zum Thema „Gemeinderatswahlen Mai 2019“ besprochen wird. Ein Abend der Belanglosigkeiten wird es bestimmt nicht, denn immerhin sollen sogar bereits „angehende Gemeinderätinnen und Räte“ mit „viel Information aus erster Hand“ versorgt werden. In dem Papier, das der Redaktion ohne Unterzeichner vorliegt, heißt es zum Abschluss: „Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion und einen konstruktiven Meinungsaustausch.“ Eventuell interessierte Bürger, die nicht zum exklusiven Kreis der Eingeladenen zählen, dürften solche Worte mit eher gemischten Gefühlen vernehmen. Aber immerhin durften sie ja beim Bürgerentscheid für das Freibad unterschreiben und auf diese Weise auch ein bisschen mitmachen.

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