Herr Zeitz, Sie haben als neu gewählter Stadtrat die ersten Sitzungen des Gemeinderates Waldshut-Tiengen erlebt. Haben Sie sich die Arbeit im Gremium so vorgestellt?

Ja durchaus. Es ist natürlich schwierig, wenn so viel neue Mitglieder im Gemeinderat sitzen. Da muss man sich erst einmal zurechtfinden. Der Kontakt zur Verwaltung ist gut, bei Fragen kann man den/die zuständige Mitarbeiter(in) erreichen und nachfragen. Angenehm finde ich, dass parteiübergreifend an einem Strang zum Wohle der Stadt gezogen wird, auch wenn natürlich diverse Seitenhiebe nicht ausbleiben. Es wird jederzeit fair diskutiert.

Warum haben Sie sich als Kandidat aufstellen lassen? Was war Ihre Motivation? Was wollen Sie in der Stadt bewegen? Haben sich Ihre Erwartungen bisher erfüllt?

Ich möchte mithelfen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Die Aufgaben die uns beschäftigen (werden), sind vielfältig. Es braucht neue Ideen und Konzepte. Meine Motivation ist, dass ich mein Wissen, meine Erfahrungen und meine Ideen in die Zukunft der Stadt einfließen lassen will. Besonders am Herzen liegen mir die Bewohner der ländlichen Ortsteile, die ganz andere Sorgen und Nöte haben als die Einwohner in Tiengen. Ich möchte allen zuhören und ihre Anregungen in meine Arbeit im Gemeinderat einfließen lassen. In der kurzen Zeit seit Mai ließ sich natürlich noch nicht allzu viel bewegen. Das braucht Zeit.

Was war bisher für Sie als Stadtrat die größte Herausforderung?

Das Lesen und Verstehen der ganzen Vorlagen zur Sitzung. Das sind teilwiese sehr viele Seiten Text. Zu Projekten wie dem Klettgau Caree fehlt mir auch das Hintergrundwissen, da ja viele Sachverhalte bereits vom vorherigen Gemeinderat vorbereitet wurden. Außerdem fällt es mir noch schwer, die ganzen neuen Gesichter aus der Stadtverwaltung passend zuzuordnen.

Welche Themen waren für Sie bisher besonders spannend und warum?

Die Klausurtagung am 9. November, wo es um den Haushalt 2020 ging. Zu sehen, wie komplex die einzelnen Aufgaben sind, welch‘ Zahlenwerk da jedes Jahr geschaffen wird und welche Kosten da teilweise dahinter stehen fand ich spannend.

Welches Thema/Projekt liegt Ihnen für die Zukunft am Herzen?

Die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs hier hat die Stadt durch Ihre Topografie große Herausforderungen. Es muss auch in den Dörfern möglich sein, das eine oder andere Mal ohne eigenen Pkw auszukommen. Es ist an der Zeit, dass im Bereich Heizung ein Umdenken hin zur Hackschnitzelheizung stattfindet, die sich im Nahwärmekonzept sehr gut eignet, um Häuser zu heizen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist die Nutzung der Ressource Holz, die im Stadtgebiet ja mehr als genug wächst.

Welche Herausforderungen kommen nach Ihrer Sicht noch auf den Gemeinderat zu?

Sinkende Einnahmen und hohe Ansprüche des Bürgers an die Aufgaben der Stadt. Da wird es in den nächsten Jahren noch viele lange Gesichter geben. Die Aufgaben beim Brandschutz, den Freibädern usw. sind teuer aber eine Investition in die Zukunft. Nur muss alles solide finanziert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie hoch ist der Zeitaufwand, um sich für die Sitzungen vorzubereiten?

Das Lesen der Vorlagen nimmt schon eine bis drei Stunden in Anspruch. Im Vorfeld findet noch die Fraktionssitzung statt, die je nachdem auch mehrere Stunden dauern kann. Ich nehme außerdem gerne Einladungen der Vereine und Institutionen war, um mich über das Geschehen in der Stadt zu informieren. Dafür investiere ich so etwa drei Abende im Monat.

Könnten Sie sich schon jetzt vorstellen, in vier Jahren erneut als Stadtrat zu kandidieren?

Das kann ich durchaus. Mein Anspruch ist es dann 500 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl zu bekommen. Dann habe ich das Gefühl vieles richtig gemacht zu haben.