Für die diesjährige Mitgliederversammlung hatte sich die Heinrich-Kaminski-Gesellschaft in Tiengen etwas ganz besonderes ausgedacht: Sie hatte für 25 angemeldete Mitglieder und einige Gäste einen Bus nach Winterthur gemietet. Dort konnte sie in den würdigen Bibliotheksräumen der Villa Rychenberg ihre alle zwei Jahre stattfindende Versammlung abhalten.

Der Musiker Heinrich Kaminski (1886 bis 1946) wurde im Tiengener Schloss geboren.
Der Musiker Heinrich Kaminski (1886 bis 1946) wurde im Tiengener Schloss geboren. | Bild: Kaminski-Archiv

Das gab Sinn, denn gerade dort besuchte Kaminski selber zu Lebzeiten (1886 bis 1946) häufig seinen Freund und Mäzen, den Industriellen Werner Reinhart, der berühmt für sein kulturelles Engagement war. Kultureller Höhepunkt für die Gäste aus Waldshut-Tiengen war dann aber abends im Stadthaus ein Konzert mit dem Musikkollegium Winterthur unter der Leitung von Professor Jan Schultsz aus Basel.

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Doch zunächst zur Mitgliederversammlung in der Villa im herrlich angelegten Park: Zur Begrüßung führte die dortige Archivarin des Musikkollegiums, Gertrud Muraro, in die Geschichte der Villa Rychenberg ein, in der so namhafte Komponisten wie Igor Strawinsky, Bela Bartok oder Paul Hindemith verkehrten – und eben auch Heinrich Kaminski.

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Herbert Müller-Lupp, Vorsitzender der Gesellschaft gab anschließend in seinem Jahresbericht einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Ereignisse im vergangenen Jahr, dankte dem Vorstand für die konstruktive Zusammenarbeit und konnte stolz behaupten: „2019 war das bedeutendste Jahr für unsere Gesellschaft und wir haben das musikalische Werk Kaminskis weitergetragen.

Ein Eintrag von Heinrich Kaminski ins Gästebuch der Villa Rychenberg.
Ein Eintrag von Heinrich Kaminski ins Gästebuch der Villa Rychenberg. | Bild: Archiv Kaminski

Zusätzlich zu einigen Spenden haben wir eine fünfstellige Spende von der Vita-Stoll-Stiftung erhalten, um das Notenwerk von Kaminskis Oper „Jürg Jenatsch“ zu drucken und konnten neue Vitrinen fürs Archiv im Tiengener Schloss anschaffen!“ Nach der Entlastung des Vorstands wurden alle wieder einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

Solo-Altistin erkrankt

Doch nun zum Höhepunkt, dem Abendkonzert mit vier Werken von Kaminski: Hier gab es einen bitteren Wehrmutstropfen, angekündigt vom Dirigenten Jan Schultsz selber: Zum einen war die vorgesehene Solo-Altistin für Kaminskis Werk „in memoriam Gabrielae“ erkrankt. Zum andern sah sich das Orchester trotz intensivster Proben nicht in der Lage, die zum Teil äußerst kompliziert notierten und damit unspielbaren Noten von Kaminskis Klavierkonzert in der kurzen Zeit zu bewältigen: „Wir haben das unterschätzt,“ so der Dirigent.

CD in Bearbeitung

Daher kamen an diesem Abend „nur“ zwei Werke zur Aufführung: das Frühwerk „Suite für großes Orchester“ (1914) und das „Tanzdrama – Symphonische Ballade“ (1942). Aber was für eine Musik! Wohl niemand im Saal konnte sich dieser ungewöhnlich dramatischen, leidenschaftlich gespielten Musik entziehen, dem Zauber intimer Passagen im Wechsel mit furiosen Einschüben. Stehende Ovationen des Publikums und der Wunsch nach mehr Hörerlebnissen von Kaminski. Wie tröstlich, dass eine CD in Bearbeitung ist – trotz aller Schwierigkeiten!