Antonia Fügen war gerade 17 Jahre alt, als sie sich entschieden hat, nach ihrem Abitur für ein paar Monate nach Ecuador zu reisen. Nicht, um dort herumzureisen, sondern um Kinder, Jugendliche und Erwachsene ehrenamtlich in Musik zu unterrichten. Weil sie selbst seit über zehn Jahren Klavier spielt, unterrichtet sie vor allem dieses Instrument. Seit Ende September arbeitet die heute 18-jährige Waldshuterin im Rahmen des ehrenamtlichen Projektes „Musiker ohne Grenzen“ in der ecuadorianischen Stadt Playas mit gut 34 000 Einwohnern. Dort wohnt die junge Frau bei einer Gastfamilie und hat mittlerweile viele Menschen kennengelernt und einige Einblicke in die Kultur bekommen. „Für mich ist das eine Erfahrung mit vielen tollen Momenten, die ich nie vergessen werde.“

Antonia Fügen mit einem ihrer Schüler, der eine Urkunde erhalten hat, weil er schon seit längerer Zeit Klavier spielt.
Antonia Fügen mit einem ihrer Schüler, der eine Urkunde erhalten hat, weil er schon seit längerer Zeit Klavier spielt. | Bild: privat

Musikunterricht als Zufluchtsort

Für das Projekt „Musiker ohne Grenzen“ hat sich Antonia Fügen nach ihrem Abitur entschieden. „Für mich war klar, dass ich ehrenamtlich etwas mit Musik und Kindern machen will.“ Ende September ist Antonia Fügen dann nach Ecuador, das im Nordwesten Südamerikas liegt und rund 17 Millionen Einwohner hat, geflogen und unterrichtet dort nun rund 17 Schüler in Einzelunterricht, von denen die meisten Kinder sind. „Der Musikunterricht ist für viele Menschen dort der einzige Zufluchtsort, den es gibt. Zu uns kann jeder kommen, der Lust auf Musik hat. Der Unterricht ist fast das einzige Freizeitangebot, das es dort gibt. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit dort sehr hoch und viele Menschen sitzen den ganzen Tag vor dem Fernseher, weil sie nichts zu tun haben. Durch das Musikprojekt gibt es für sie eine Abwechslung, und sie können aus dem tristen Alltag entfliehen.“ Auch die für Südamerika bekannte Folklore spiele dort keine Rolle.

Musik überwindet Grenzen

Dass Musik tatsächlich Grenzen überwindet, hat Antonia Fügen gleich zu Beginn ihres Aufenthalts erlebt. „Ich konnte kein Spanisch, aber Musik hat ihre eigene Sprache. Und das reicht für den Unterricht.“ Zusammen mit sechs weiteren Ehrenamtlichen, die aus Deutschland und Österreich kommen, arbeitet sie an der von der Organisation „Musiker ohne Grenzen“ eingerichteten Musikschule. „Wir haben alle ein sehr gutes Verhältnis zueinander und unternehmen auch immer etwas, wenn wir frei haben. Wir sind wie eine Familie und mittlerweile ist auch mein Spanisch so gut, dass ich mich verständigen kann.“

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Weil das Projekt ehrenamtlich ist, bekommt Antonia Fügen für den Musikunterricht kein Geld. Finanzielle Unterstützung gibt es von ihren Eltern. „Aber die Lebensunterhaltungskosten sind hier relativ niedrig, zumal wir alle in Gastfamilien leben. Wir gehen für sie zwar einmal im Monat einkaufen für rund 70 Euro, brauchen dafür dann aber keine Miete zu bezahlen.“

Ein anderes Leben als in Deutschland

Dass das Leben in Ecuador, das nach der Äquatorlinie benannt ist, weil diese durch den nördlichen Teil des Landes verläuft, ganz anders ist als in Deutschland, hat Antonia Fügen schnell festgestellt. „Wenn hier ein Termin angesetzt wird, findet er meistens erst zwei Stunden später statt. Auch ist die Kriminalität hier höher, aber die Menschen vor Ort passen auf uns auf, deshalb habe ich auch keine Angst. Und wenn wir abends nach Hause gehen, werden wir begleitet.“

Ein Blick auf den Hof des Kulturzentrums, an dem die Waldshuterin Antonia Fügen in Ecuador unterrichtet.
Ein Blick auf den Hof des Kulturzentrums, an dem die Waldshuterin Antonia Fügen in Ecuador unterrichtet. | Bild: privat

Antonia Fügen, die ihr ganzes Leben schon Musik macht – seit zehn Jahren spielt sie Klavier und seit fünf Jahren Geige – sagt: „Musik war immer Teil meines Lebens, schon seit dem Kindergarten. Deshalb ist es für mich so schön, dass ich an diesem Projekt in Ecuador teilnehmen kann.“ Und wenn sie dann spätestens Anfang Mai wieder nach Waldshut zurück kehrt, will sie studieren gehen. „Musik natürlich“, verrät sie. „Doch jetzt genieße ich erst einmal die Zeit in Playas und freue mich, wenn die Menschen das Projekt weiter so gut annehmen , und sie Freude daran haben. Und das ist auch der schönste Lohn für mich.“