Elf neue Stolpersteine wurden im Kreis Waldshut verlegt, sieben in der Waldshuter Kaiserstraße, einer in der Tiengener Priestergasse, einer in Albbruck-Unteralpfen und einer in Laufenburg. Obwohl es den ganzen Tag über in Strömen regnete, war das Interesse der Bevölkerung groß. Allein in Unteralpfen hatten sich mehr als 40 Personen unter dem Vordach des Hauses Leiterbachstraße 12 versammelt, in dem eines der Opfer lebte. Auch in Waldshut und Tiengen waren jeweils rund 30 Menschen dabei, als Gunter Demnig die Steine verlegte.

In der Waldshuter Kaiserstraße wurden sieben Stolpersteine zum Gedenken an die Familie Schwarzkopf verlegt, die im Haus Nr. 59 ihr Zuhause hatte.
In der Waldshuter Kaiserstraße wurden sieben Stolpersteine zum Gedenken an die Familie Schwarzkopf verlegt, die im Haus Nr. 59 ihr Zuhause hatte. | Bild: Manfred Dinort

Oberbürgermeister Philipp Frank erklärte: Ich bin stolz darauf, Oberbürgermeiste in einer Stadt zu sein, die ein klares Ja zu den Stolpersteinen sagt.“ Die Steine seien ein wichtiges Mahnmal an ein schreckliches Kapitel der deutschen Geschichte. Er freue sich, an dem Gedenktag auch Gäste aus den USA und der Schweiz begrüßen zu dürfen, Nachkommen der jüdischen Familie Schwarzkopf, die in der Kaiserstraße 59 ihr Zuhause hatte.

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In Unteralpfen stellte Bürgermeister Stefan Kaiser die Frage: „Wie konnte das passieren?“ Heute sei das kaum noch zu begreifen, was damals ablief. Jedenfalls sei es wichtig, aus der Vergangenheit zu lernen, „damit sich die schrecklichen Zeiten nicht wiederholen können“. Jörg Gantzer, erster Landesbeamter im Landratsamt, bezeichnete die Steine als bedeutsames Mahnmal, wachsam gegenüber jeglicher Form von Fremdenhass und Menschenverachtung zu sein.

In Albbruck-Unteralpfen wurde ein Stolperstein für Augusta Jehle verlegt, die in der Leiterbachstraße 12 zu Hause war. Im Vordergrund des Bildes, von links, Bürgermeister Stefan Kaiser, Jörg Gantzer vom Landratsamt und Initiator Hans Göppert.
In Albbruck-Unteralpfen wurde ein Stolperstein für Augusta Jehle verlegt, die in der Leiterbachstraße 12 zu Hause war. Im Vordergrund des Bildes, von links, Bürgermeister Stefan Kaiser, Jörg Gantzer vom Landratsamt und Initiator Hans Göppert. | Bild: Manfred Dinort

Hans Göppert, Initiator der Aktion in Unteralpfen, berichtete über seine eigenen Recherchen und das tragische Schicksal der Unteralpfener Bürgerin Augusta Jehle, die ihre fünf Kinder und ihr zwei Monate altes Baby zurücklassen musste und im KZ Ravensbrück starb. Waldshuts Stadtarchivar Ingo Donnhauser erklärte, der Stein sei eine Mahnung, dem Bösen keinen Raum zu geben. Sich einzureden, so etwas könne sich nicht wiederholen, sei falsch.

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Bei der Verlegung der Steine in Waldshut sagte Kreisrätin Rita Mosel als Vertreterin des Landrats: „Es ist wichtig, dass mit der Aktion auch an die ehemaligen jüdischen Gemeinden in Waldshut und Tiengen erinnert wird.“ Landrat Martin Kistler habe sich bereit erklärt, die Patenschaft für zwei Steine zu übernehmen. Auch die jüdischen Nachfahren, die aus den USA und der Schweiz angereist waren, dankten dem Freundeskreis für seine Bemühungen, das Wissen um die Vergangenheit wachzuhalten. „Wir hoffen, dass es niemals wieder passieren wird“, sagte Martina Bucher-Nezirovic vom Freundeskreis aus Englisch.

Gunter Demnig Mitte), der Initiator der Stolpersteinaktion, im Gespräch mit Martina Bucher vom Freundeskreis Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen und Oberbürgermeister Philipp Frank).
Gunter Demnig Mitte), der Initiator der Stolpersteinaktion, im Gespräch mit Martina Bucher vom Freundeskreis Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen und Oberbürgermeister Philipp Frank). | Bild: Manfred Dinort

Der Waldshuter Journalist Thomas Preiser war extra in die USA gereist, um im Fall der Familie Schwarzkopf zu recherchieren. Die Ergebnisse fasste er in einem Buch zusammen, das er nun an David Schwarzkopf überreichte. In Tiengen erinnerte Roswitha Klotz-Birk an Fritz Birk und an das einstmals blühende Leben der jüdischen Gemeinde in Tiengen.

In seinem Buch „Begegnungen“ greift der Waldshuter Journalist Thomas Preiser (links) die Problematik der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus auf. Ein Exemplar überreicht er an David Schwarzkopf, einem Nachkomme der jüdischen Familie Schwarzkopf aus Waldshut, der anlässliche der Verlegung von sieben Stolpersteinen für seine Vorfahren nach Waldshut gekommen war.
In seinem Buch „Begegnungen“ greift der Waldshuter Journalist Thomas Preiser (links) die Problematik der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus auf. Ein Exemplar überreicht er an David Schwarzkopf, einem Nachkomme der jüdischen Familie Schwarzkopf aus Waldshut, der anlässliche der Verlegung von sieben Stolpersteinen für seine Vorfahren nach Waldshut gekommen war. | Bild: Manfred Dinort
In Waldshut wurden sieben Stolpersteine für die Familie Schwarzkopf verlegt, die in der Kaiserstraße 59 ihr Zuhause hatte. Von links: David Schwarzkopf, der aus Philadelphia angereist war, OB Philipp Frank, Erika Gideon (Nachfahrin aus der Schweiz) und Martina Bucher-Nezirovic vom Freundeskreis Jüdisches Leben.
In Waldshut wurden sieben Stolpersteine für die Familie Schwarzkopf verlegt, die in der Kaiserstraße 59 ihr Zuhause hatte. Von links: David Schwarzkopf, der aus Philadelphia angereist war, OB Philipp Frank, Erika Gideon (Nachfahrin aus der Schweiz) und Martina Bucher-Nezirovic vom Freundeskreis Jüdisches Leben. | Bild: Manfred Dinort