Auf der Bühne sieht man ein heruntergekommenes Haus, davor alte Gartenmöbel und Andeutungen eines nahen Gartens. Alles ist dunkel, bis ein verhülltes Wesen erscheint, das Geige spielt. Dazu gruselige Geräusche. Kurz: Krimistimmung in der Waldshuter Stadthalle: Hier wurde jetzt die neue Theatersaison mit dem Psychothriller „Falsche Schlange“ von Alan Ayckbourn eröffnet. Und gleich vorneweg: Die neue Bestuhlung mit den erhöhten Sitzplätzen wurde von den weit über 300 Besuchern begeistert aufgenommen.

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Es wurde ein Abend voll Frauenpower. Denn drei starke Frauen bestimmten die dramatische Handlung: Die beiden gegensätzlichen Schwestern Annabel (Gerit Kling) und Miriam (Mackie Heilmann) sowie Astrid Rashed als Krankenschwester Alice. Und auch die Regie lag bei Gerit Kling in Frauenhand. Und wer ist jetzt die „falsche Schlange“?

Spannung bis zur letzten Minute

Das bleibt bis zur letzten Minute spannend und voller Überraschungen: Annabel reist trotz gerade überstandenem Herzinfarkt aus Australien an, weil sie nach dem Tod des Vaters dessen Haus in England geerbt hat, obwohl ihre jüngere Schwester Miriam den Vater bis zum Schluss betreut hatte. Zuhause trifft sie aber auch auf die zwielichtige Krankenschwester Alice, die bis zu ihrem Rauswurf den Vater pflegte. Und die gegen Miriam schlimme Anschuldigungen erhebt: Diese habe den Vater umgebracht...

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Größer könnten die Kontraste nicht sein: Hier die schöne, hektische und schreckhafte Annabel, dort die unglaublich dicke, verbitterte Miriam („Papas kleiner Liebling“) und schließlich Alice als temperamentvolles, ausgekochtes Luder. Und im Lauf des Abends tauchen immer mehr Konflikte auf: vermisste Liebe in der Kindheit, Missbrauch und Schläge durch Männer, Alkoholprobleme, Angst und Rachsucht. Das alles wird von den drei Schauspielerinnen mit viel Dramatik und schlagfertigem Witz gespielt.

Vor allem Mackie Heilmann als Miriam überbietet sich als grandiose Ulknudel mit grandiosem Temperamentsausbruch. Doch oft war das Spiel auch übertrieben klamaukig und mit zu viel Geschrei. Doch das schmälerte nicht die Überraschungsmomente dieser Inszenierung mit ihren Gruseleffekten, mit der immer wieder völlig neue Zusammenhänge entstanden. Großer Beifall für diesen gelungenen Theaterstart!