Schon von weitem hört man in der Mittagshitze Kettensäge und Schleifmaschine. Doch das Open-Air-Atelier des englischen Künstlers Keith Pettit, aus dem die Geräusche dringen, ist eher versteckt: Er arbeitet in dieser Woche tagsüber im Innenhof vor dem Storchenturm in Tiengen, um seine Ausstellung vorzubereiten. Sie wird am kommenden Samstag in den Schwarzenbergsälen im Schloss Tiengen eröffnet.

Interessierte Passanten schauen dem englischen Künstler Keith Pettit (links) in seinem Freilichtatelier in Tiengen zu, darunter auch sein Städtepartner Martin Meier aus Schmitzingen (Mitte).
Interessierte Passanten schauen dem englischen Künstler Keith Pettit (links) in seinem Freilichtatelier in Tiengen zu, darunter auch sein Städtepartner Martin Meier aus Schmitzingen (Mitte). | Bild: Rosemarie Tillessen

Keith Pettit (48) stammt aus Lewes. Durch die Städtepartnerschaft mit Waldshut-Tiengen entstand 2014 nicht nur eine enge Freundschaft mit seinem Gastgeber Martin Meier aus Schmitzingen sondern auch der Kontakt zum damaligen Kulturamtsleiter Hartmut Schölch, der ihn spontan zu einer Ausstellung nach Waldshut einlud. Bereits 2015 beteiligte sich Pettit mit einer Skulptur am Pappel-Holzbildhauer-Symposium am Rheinufer. Jetzt freut er sich hier auf seine erste Einzelausstellung.

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Und er freut sich auch über die vielen Begegnungen und Besucher, die ihm jetzt bei der Arbeit zuschauen können: „Wenn nur mein Deutsch besser wäre,“ bedauert er. „Dann könnte ich mich besser unterhalten!“ Doch mit viel gutem Willen gelingt auch diesmal die Verständigung, und er erklärt seine Arbeit. Vor allem freut er sich über die viele Hilfe durch seinen Schmitzinger Gastgeber Martin Meier: Der ist nicht nur Zimmermann von Beruf sondern arbeitet auch beim Bauhof. So konnte der ihm nicht nur Holz aus unserer Region beschaffen sondern auch alle nötigen Arbeitsgeräte wie Arbeitsböcke, Schleifmaschine, Hohlaxt, Leinöl oder Benzin. „He ist my guardian angel (Schutzengel)“, sagt er dankbar.

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Was ist das nun für ein Holz? Zum einen eine Rubinie aus Schmitzingen, zum andern ein Zwetschgenstamm aus der Nähe der Waldshuter Rheinfähre: „Das Holz ist mindestens schon fünf Jahre alt und teils im Innern verfault“, so Meier. Daraus erarbeitet Keith Pettit jetzt drei abstrakte Skulpturen: „Ich suche Holz mit Charakter. Den versuche ich darzustellen. Wichtig ist mir, auch Alter und Verfall darzustellen, so wie bei meiner Skulptur am Rhein, die inzwischen verwittert und bemoost ist. Diese Veränderungen sind mir wichtig“.

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Dafür schleift und schmirgelt er jetzt das Holz, wird es anschließend schwarz abflammen und dann mit der Hohlaxt das helle Naturholz teilweise wieder hervorheben und einölen. Die fertigen Skulpturen werden anschließend in das Schloss transportiert. „Vielleicht werden sie ja von der Stadt gekauft?“ meint er vergnügt. In den Schwarzenbergsälen stellt er sie zusammen mit Drucken aus, die er aus Holzscheiben aus den Wäldern in Sussex hergestellt und jetzt aus England mitgebracht hat. Diesen interessanten Druckvorgang wird er auf der Vernissage demonstrieren.

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Ist er nun Grafiker oder Holzbildhauer? Er lacht: „Ich bin Künstler. Und Autodidakt.“ Nach der Schule hat er zunächst Schilder bemalt, aber das hat ihn nicht befriedigt. Durch Zufall entdeckte er die Drucktechnik, die er sich an einer Abendschule erarbeitete. Seit 2011 hat er die Kunst zu seinem Beruf gemacht und ist glücklich. Man darf auf seine Ausstellung gespannt sein.