Ist der Mörder immer der Gärtner, wie Reinhard Mey es vor langer Zeit besang? „Nein“, behauptet Krimiautorin Tatjana Kruse in ihrem Buch „Der Mörder war‘s nicht!“, das sie jetzt an höchst ungewöhnlichem Ort vorstellte – der Waldshuter Stadtgärtnerei. Oberbürgermeister Philipp Frank als Ideengeber und Kulturamtsleiterin Kerstin Simon eröffneten hier nicht nur die neue Kultursaison sondern auch eine neue Sparte im reichhaltigen Kulturprogramm – „Literatur und Poesie“. Die Krimi-Veranstaltung „Radieschen von unten“, bei der auch Radieschenbrote und Kräuter-Cocktails serviert wurden, kam jedenfalls bereits bei dieser ersten Veranstaltung bei den rund 60 Besuchern sehr gut an.

Das Gewächshaus erwies sich als idealer Krimiplatz: wuchernde Pflanzen, ab und zu quietschende Geräusche bei der Belüftung, dazu die quirlige, temperamentvolle Autorin Tatjana Kruse (59) aus Schwäbisch Hall, die sich augenzwinkernd als „Auftragskillerin“ und „Krimödienschreiberin“ vorstellte. Selbstbewusst verkündete sie: „Ich bin alt und schreibe für Alte.“

Sie las aus dem ersten und dritten Band ihrer Serie „Der Gärtner war‘s nicht“, „Meerjungfrauen morden besser!“ und „Manche mögen‘s tot“. Alle drei handeln von den beiden K&K-Zwillingsschwestern Konny und Kriemhild, die – bereits über 60 – in schwierigen Mordfällen ermitteln. Diese beiden Heldinnen nennt sie „Schnüffelschwestern“, die zum Lebensunterhalt eine Bed-and-Breakfast-Pension leiten. „Ich hoffe, Sie sind ein bisschen alkoholisiert“, begrüßt sie ihre Gäste vergnügt. „Das hilft!“

Vorlesen tut sie dann allerdings ziemlich wenig, und wenn dann nur kurze Passagen in Siebenmeilenstiefeln quer durchs Buch. Stattdessen genießt sie mit blitzenden Augen und großer Gestik den Kontakt zum Publikum, charakterisiert ihre beiden Heldinnen oder schildert sehr drastisch drei Bösewichte. Und schnell stellt sich heraus: Der liebenswürdige, leicht Schlaganfall geschädigte Gärtner Hirsch war‘s wirklich nicht!

Stattdessen erfährt man von der Sexpuppe Gabi aus Silicon, vom Nacktkater Amenhoteb, von Kriemhilds Ehemann Komodore, der nur noch in der Urne das Bett mit ihr teilt, von einer dramatischen Toilettenszene und einem Kampf „auf Leben und Tod“ im Senioren-Yogastudio. Und die Autorin schließt mit Eigenwerbung: „Sie müssen das Buch halt lesen!“ Dazu ließen sich die höchst amüsierten Zuhörer am Verkaufstisch gerne überreden.

Zur Schnüffelschwestern-Serie gehören die drei Bände „Der Gärtner war‘s nicht“, „Meerjungfrauen morden besser“ und „Manche mögen‘s tot“. Alle im Suhrkamp-Verlag erschienen, je 10,95 Euro.