Zum Abschluss der 24. internationalen Orgelwoche in der evangelischen Versöhnungskirche Waldshut trat das Ehepaar Michel Bouvard und Yasuko Bouvard aus Toulouse auf. Michel Bouvard konnte dem Publikum erfreut berichten, dass er erst vor wenigen Tagen den Orgelbauer Marc Garnier mit Frau Elisabeth in Japan getroffen hat: „Seit 30 Jahren habe ich ihn nicht mehr gesehen, er lebt in Japan. Die Orgel in Japan ist unglaublich schön, auch die Orgel hier in der Versöhnungskirche ist sehr schön.“ Um die Klänge auszuloten und die passenden Register zu bestimmen, hatte das Ehepaar zwei Tage an der Orgel verbracht.

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Bereits bei den sieben Tänzen von Erasmus Widman (1572-1634) spielte das Paar wie ein Musiker mit vier Händen, denn die Artikulation war exakt gleich. Selbstverständlich durften die „Nachtigall“ beim Tanz Euphrosina und zum Abschluss der „Zimbelstern“, beides besondere Spielhilfen der Marc-Garnier-Orgel, beim Tanz Maria nicht fehlen. Tänzerisch und heiter (erste drei Tänze), erhaben und majestätisch (Anna), kraftvoll und in tiefen Lagen (Rosina) sowie flott und mit leichten Fingern (Maria) stimmten die beiden Organisten das Publikum auf einen besonderen Konzertabend.

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Die nicht ins Programmheft gedruckten Werke von Giuseppe Guani und Giovanni Gabrieli aus dem 17. Jahrhundert auf Hauptorgel und Orgelpositiv erklangen in gewollter Echowirkung. Dabei dufte die „kleine“ Orgel auch mal dominieren, ohne aus dem Zusammenklang herauszutreten. Was ein Komponist aus einem Thema in vier Teilen zaubern kann, stellte das Ehepaar mit der „Fantasia super „Io son ferito lasso“ von Samuel Scheidt (1587-1654) mit erklärenden Worten vor: „Nur damit schreibt Scheidt.“ Als besonderen Höhepunkt des Konzertes spielte Yasuko Bouvard gefühlvoll und kostete die Töne zunächst voll aus.

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Michel Bouvard konterte mit dem „Magnificat Secundi toni“ von Matthias Weckmann (1616-1674) in vier Sätzen/Versen in (maß)voller Lautstärke. Im Anschluss an die Pause, die durch den „Zimbelstern“ beendet wurde, folgten Werke von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart. Denn Bachs „Air“ aus der dritten Orchestersuite BWV 1068 wurde besonders locker und fließend von Michel Bouvard gespielt. Den Choral „O Lamm Gottes, unschuldig“ BWV 656, spielte Yasuko Bouvard dagegen wieder heiter, auch hier eine ruhige Sicherheit bei den weiten Intervallsprüngen. Nach dem Präludium und Fuge BWV 1001, einem Original für Solo-Violine, bearbeitet von André Isoir (Präludium) und Johann Sebastian Bach (Fuge) für Orgel folgte zum Abschluss mit dem Divertimento in B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart ein „kleines“, weltliches Stück. Auch in der Bearbeitung, deren Original für ein Holzbläsersextett geschrieben wurde, gewann die „Königin der Instrumente“, die alles kann, was andere Instrumente können und mehr, ohne wuchtig zu wirken. Besonders im frechen dritten Satz wurde das Fagott lebendig und erinnerte an Mozarts Humor. Besonders erfreut nahm das Publikum auch die beiden Zugaben auf: Antonio Vivaldis beliebtes „Adagio“ aus den Vier Jahreszeiten und als zweite Zugabe spielten die Organisten das Prelude aus dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier. Bravo.