Wer kennt sie nicht: die Drehständer mit den schönsten und bedeutsamsten Ansichten der Stadt. Scharen von Touristen tummeln sich hier. Die Suche nach den schönsten Motiven für die Lieben daheim? In den vergangenen Jahrzehnten quasi Pflichtprogramm aller Urlauber. Doch Moment – Scharen von Touristen an unzähligen Drehständern? Das stimmt in Waldshut und Tiengen so nicht mehr, denn Postkarten werden in der Doppelstadt am Hochrhein immer seltener.

Grüße aus Tiengen

Postkarten aus Tiengen bekommt man in Tiengen selbst unter anderem noch bei der Buchhandlung Kögel und im Spielwaren-Fachgeschäft Max Fritz. Der Verkauf ist in den vergangenen Jahren jedoch zurückgegangen und läuft nur noch nebenher. „Es wird aber immer noch verlangt“, sagt Klara Maier, Inhaberin von Max Fritz. Überwiegend von älteren Kunden. Aber: „Es sind auch vermehrt Jüngere. Es kommt wieder besser an als das Handyfoto. Es ist persönlicher“, sagt sie. Und: „Man freut sich ja auch darüber.“

Postkartengrüße aus Tiengen sind in den vergangenen Jahren weniger geworden.
Postkartengrüße aus Tiengen sind in den vergangenen Jahren weniger geworden. | Bild: Ann-Kathrin Bielang

Früher habe man die erhaltenen Postkarten sogar noch in Rahmen an die Wand gehängt, erzählt sie. Mit den heutigen Urlaubsgrüßen per Whatsapp ist das schwieriger. Dennoch ist Klara Maier optimistisch: „Viele Dinge von früher kommen wieder“, sagt sie und erinnert an die Schönschrift, die aktuell als Handlettering wiederbelebt wird. Beim Handlettering geht es darum, die eigene Handschrift kunstvoll darzustellen. Lettering bedeutet übersetzt so viel wie “kunstvolles Schreiben” oder “Schriftkunst”.

Der Verkauf von Postkarten ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen und läuft nur noch nebenher. „Es wird aber immer noch verlangt“, sagt Klara Maier, Inhaberin von Max Fritz in Tiengen.
Der Verkauf von Postkarten ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen und läuft nur noch nebenher. „Es wird aber immer noch verlangt“, sagt Klara Maier, Inhaberin von Max Fritz in Tiengen. | Bild: Duygu-D'Souza, Susann

Es brauche jedoch Zeit, bis Dinge wiederkommen. „Aber man darf sie nie ganz aufgeben“, erklärt Maier, warum sie die Postarten aus Tiengen dennoch weiterhin anbietet.

Grüße aus Waldshut

Postkarten aus Waldshut gibt es noch am Bahnhofskiosk, in der Tourist-Information und bei Foto Schilling in der Innenstadt. Thomas Schelb, Filialleiter von Foto Schilling in Waldshut, sieht den nachlassenden Trend zur Postkarte in seinem Tagesgeschäft nicht: „Es ist saisonal bedingt, aber nicht weniger geworden“, sagt Schelb. Als Erklärung fügt er an, dass er einer der wenigen Verkaufsstellen in Waldshut ist, die überhaupt Postkarten aus der Region anbieten.

So können sie aussehen, die Urlaubsgrüße per Postkarte aus Waldshut.
So können sie aussehen, die Urlaubsgrüße per Postkarte aus Waldshut. | Bild: Ann-Kathrin Bielang

Gekauft werden die Waldshuter Postkarten vor allem von der älteren Generation, aber auch wer mit Kindern unterwegs sei, greife häufiger zur Postkarte. Und: „Leute, die aus Waldshut weggezogen sind.“

Verkaufszahl der Tourist-Info: Nicht mal eine Karte am Tag

In der Tourist-Information in Waldshut wurden von Anfang des Jahres bis heute Tag 150 Postkarten verkauft. „Das ist nicht mal eine am Tag“, sagt Kerstin Simon, Leiterin des Kulturamtes der Stadt Waldshut-Tiengen. Früher seien deutlich mehr Postkarten verkauft worden, Zahlen aus den vergangenen Jahren liegen jedoch nicht vor.

Auswählen können die Besucher in der Tourist-Information zwischen zwei Fotomotivkarten und mehreren Zeichnungen des amerikanischen Künstlers Bruce Dykes, der, begeistert von den schönen Motiven in Waldshut-Tiengen, seine Zeichnungen der Stadt für Postkarten angeboten hat. Von diesen Karten seien im gleichen Zeitraum jedoch lediglich sechs verkauft worden, sagt Kerstin Simon.

Es gebe auch unter den jüngeren Urlaubern Nostalgiker: So wie Leute immer noch Langspielplatten hören, gebe es „immer auch Leute, die Postkarten schreiben“, sagt Kerstin Simon, Leiterin des städtischen Kulturamts Waldshut-Tiengen.
Es gebe auch unter den jüngeren Urlaubern Nostalgiker: So wie Leute immer noch Langspielplatten hören, gebe es „immer auch Leute, die Postkarten schreiben“, sagt Kerstin Simon, Leiterin des städtischen Kulturamts Waldshut-Tiengen. | Bild: Stadt Waldshut-Tiengen

Wer Postkarten schreibt, scheint also lieber zu Fotografien aus seinem Urlaubsort zu greifen. In Zeiten von Whatsapp und Facebook sei die Zahl der Postkartenschreiber jedoch insgesamt deutlich zurückgegangen und hauptsächlich der älteren Generation vorbehalten, sagt Simon. Aber es gebe auch unter den jüngeren Urlaubern Nostalgiker: So wie Leute immer noch Langspielplatten hören, gebe es „immer auch Leute, die Postkarten schreiben“, sagt Simon. Deshalb wird das Modell Postkarte in der Tourist-Information auch nicht auslaufen, allerdings mit begrenzter Auswahl.

Grüße aus Waldshut-Tiengen?

Bei der Recherche fällt auf: Es gibt Postkarten aus Waldshut und aus Tiengen. Wo sind die aus Waldshut-Tiengen? Nicht erhältlich, denn Postkarten aus der Doppelstadt gibt es bei Foto Schilling nicht. „Das ist getrennt“, sagt Thomas Schelb. Auch bei Max Fritz werden lediglich Postkarten mit Motiven aus Tiengen verkauft. Die 14,8 mal 10,5 Zentimeter großen Urlaubsgrüße muss man aus Waldshut und Tiengen also getrennt verschicken.