Ab dem Jahr 2019 sollen 226 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Dieses Ziel verankerte der Gemeinderat von Waldshut-Tiengen im ausgearbeiteten Klimaschutzkonzept. Seit dem Beschluss zur Umsetzung sind zwei Jahre vergangen, vier Maßnahmen sollten kurzfristig umgesetzt werden. Wo steht die Stadt mit diesen Klimazielen heute?

 

1. Straßenbeleuchtung: 116 neue LED-Lichtquellen sind seit 2016 in den Straßenlampen eingebaut worden – vornehmlich im Gebiet zwischen der Maria-Theresia-Straße und der Albrecht-Rudolf-Straße. In den nächsten 20 Jahren sollen damit rund 723 Tonnen CO2 eingespart werden. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf 133 633 Euro. "Es ist eine schnelle und effektive Art, um CO2 und Stromkosten zu sparen“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter. 

Die Parlamentarische Staatssekretärin überreichte im Rathaus ein Zertifikat über die Einsparung von Treibhausgasemissionen an Bürgermeister Joachim Baumert. Es ist das zweite Zertifikat nach der Sanierung der Innenbeleuchtung in der Tiengener Stadthalle. In diesem Jahr sollen 330 Straßenbeleuchtungen auf die Energiesparlampen umgerüstet werden. Das Bundesministerium für Umwelt, Bau und Reaktorsicherheit stellt dafür einen Zuschuss in Höhe von 26 733 Euro bereit.

 

2. Energiekonzept Liedermatte: Laut Stadtplanungsamt liegt das Grundproblem im Waldshuter Stadtteil Liedermatte in den relativ maroden Straßen und dem Leitungssystem. Die Stadt beauftragte das Energieunternehmen Badenova mit einem Quartierskonzept. 130 Seiten misst die Ausarbeitung über den Stadtteil, die 2017 vom Gemeinderat gebilligt wurde. Die Badenova zeigt Potenziale zur Energieeinsparung, Erhöhung der Energieeffizienz und zum Einsatz nachhaltiger Energiesysteme im Wohngebiet auf. Zehn mögliche Klimaschutzmaßnahmen gehen aus der Studie hervor. Die CO2-Einsparung soll dadurch in der Liedermatte rund 295 Tonnen CO2 im Jahr betragen. 

Erik Böffgen vom Stadtplanungsamt: „Je nach Haushaltssituation wird der Tiefbau zunächst mit einer Untersuchung der Infrastruktur beginnen, bevor wir über eine zusätzliche städtebauliche Planung in den Dialog mit den Anwohnern einsteigen.“ Beabsichtigt seien umfangreiche Baumaßnahmen im Zentrum des Viertels, der Zeitraum der Realisierung steht laut Stadtplanungsamt noch nicht fest. Das bereits vorhandene Wärmenetz soll im Zuge dessen erweitert werden.

 

3. Elektromobilität: Im gleichen Jahr wie der Beschluss des Klimakonzeptes wurde die Elektromobilität auf den Weg gebracht. Die Stadtwerke Waldshut-Tiengen bieten seit Mai 2016 eine Flotte von fünf Elektrofahrzeugen an. Bisher werden die Autos besonders von Mitarbeitern des Landratsamts, der Caritas, der Stadtwerke, der Arbeiterwohlfahrt und des Deutschen Roten Kreuzes genutzt. 

Oliver Schmelz von den Stadtwerken: „Uns ist bewusst, dass wir im ländlichen Gebiet angesiedelt sind und das Thema E-Mobilität hier noch nicht ganz angekommen ist. Wir sind aber der Überzeugung, dass das Modell in der Zukunft Fuß fassen wird.“ Der Leasingvertrag endet 2021, danach soll auf ein Nachfolgeauto umgestiegen werden, mit dem eine Reichweite von 400 Kilometern möglich ist. Derzeit bereitet die Stadt mit der Badenova und den Stadtwerken einen Einstieg in ein Mobilitätskonzept vor. Dabei sollen weitere E-Ladestationen entstehen und E-Bikes im städtischen Raum angeboten werden.

 

4. Sanierung städtischer Gebäude: Alle städtischen Liegenschaften mit hohem Verbrauch, insbesondere Schulen, sollen auf Energieeinsparungen unter die Lupe genommen werden, so Erik Böffgen vom Stadtplanungsamt. In der Vergangenheit wurden laut Böffgen einige energetische Maßnahmen realisiert, jedoch sei das Thema Brandschutz der Stadt in die Quere gekommen. Böffgen: „Die Abarbeitung diesbezüglicher gesetzlicher Defizite bindet nicht nur personelle Kapazitäten, sondern engt mit den zu erwartenden Kosten in auffälliger Millionenhöhe den Spielraum für Klimaschutz-Ambitionen ein.“

Das Potenzial für die vollumfängliche CO2-Einsparung lässt sich laut Böffgen kaum prognostizieren. Das habe einen positiven Grund: Immer mehr Bürger würden in energetische Optimierung wie moderne Heizungen investieren. Ebenso treiben die Stadtwerke den Ausbau ihrer Nahwärmesysteme – mehrere Gebäude werden durch eine Heizzentrale versorgt – weiter voran. Böffgen: „Vor diesem Hintergrund startet die Stadt gewissermaßen schon auf einem hohen Energiesparniveau in die Zukunft.“