Frau Rohrer, der Medienrummel beim Prozessauftakt war sehr groß. Haben Sie damit gerechnet?

Es war schon etwas überraschend und auch überwältigend, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass wirklich so viele Fernsehteams und Journalisten zum Prozessauftakt kommen. Aber ich freue mich auch, dass das Interesse groß ist. Denn es geht mir nicht darum, dass ich im Mittelpunkt stehe, sondern dass das Thema so breit wie möglich weitergetragen wird. Auch die Wochen vor dem Prozessbeginn gab es zahlreiche Anfragen von Medienvertretern. Ich habe versucht, alles an seriösen Interviews möglich zu machen, was ging.

Fällt Ihnen der Umgang mit der Presse leichter, weil Sie selbst in der Branche arbeiten?

Ich denke insofern, dass ich verstehen kann, dass es tagesaktuelle Anfragen gibt, die möglichst schnell beantwortet werden müssen. Die Maschinerie, die im Hintergrund läuft, verstehe ich gut. Ich sehe zu, dass ich auch immer Fotos zur Verfügung stelle oder die originale Pillenpackung für ein Bild zur Hand habe.

Sie haben Tiermedizin studiert, können aber aufgrund Ihrer schweren Erkrankung den Beruf nicht ausüben. Wo haben Sie die Kraft hergenommen, komplett neu anzufangen?

Nicht als Tierärztin arbeiten zu können und etwas Neues anzufangen, hat viel Kraft erfordert. Ich musste die Wahl treffen, entweder ich mache weiter, oder ich gebe auf. Aufgeben war zunächst keine Option, weil ich so dankbar war, dass die Ärzte mir das Leben gerettet haben. Es haben so viele Menschen mitgeholfen, dass ich dieses Leben jetzt so führen kann. Ich habe dann versucht, als Quereinsteigerin in den Journalismus reinzukommen, was nicht immer leicht war. Es gab auch einen Zeitraum, in dem ich gemerkt hatte, dass ich nicht so weit war. Ich bin dann wieder verstärkt zur Psychotherapie gegangen. Es war also kein leichter Einstieg in diesen Beruf. Es gab auch viel Trauer um das Leben, das ich nicht mehr führen kann. Aber umso glücklicher bin ich, dass ich es jetzt geschafft habe.