Knapp vier Jahre ist es her, als Stadt, Bürger und Gäste 2016 im Waldshuter Kornhauskeller das 20-jährige Bestehen eben dieser Räumlichkeiten als Veranstaltungsort feierte. Heute steht fest: Das jahrhundertealte Gewölbe steht für weitere Veranstaltungen nicht mehr zur Verfügung. Weder Konzerte noch Führungen oder Ausstellungen wird es dort künftig geben.

Als Grund nennt Oberbürgermeister Philipp Frank die hohen Sanierungskosten in Höhe von einer Million Euro, da der Kornhauskeller permanent Feuchtigkeit ausgesetzt war. „Angesichts der finanziellen Lage der Stadt und der – unter dem Strich – doch eher wenigen Veranstaltungen, die im Kornhauskeller bislang stattfanden, erscheint eine Sanierung desselben für uns derzeit als nicht darstellbar“, so OB Frank auf Nachfrage.

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Doch wieso konnte der Keller 20 Jahre lang für Veranstaltungen genutzt werden? Dazu OB Frank: „Zu vermuten stand der bauliche Zustand des Kornhauskellers – infolge der permanenten Feuchtigkeit – schon lange. Im Zuge der vorbereitenden Untersuchungen für die Kornhaussanierung ist er dann aber traurige Gewissheit geworden.“ Zu diesem Zeitpunkt lag die letzte Veranstaltung schon fast zwei Jahre zurück, informiert Frank.

Der Rathaus-Chef: „Der bauliche Zustand des Gewölbekellers hatte sich seither noch einmal weiter verschlechtert. So muss mittlerweile damit gerechnet werden, dass sich Steinbrocken aus der Kellerdecke lösen – was für die Besucher von Veranstaltungen ein nicht kalkulierbares Sicherheitsrisiko darstellen würde. Wir mussten nach Kenntnisnahme dieser Sachlage also die Nutzung des Kornhauskellers für Veranstaltungen sofort untersagen.“

Toni Hoffmann (Mitte) und Aljosha Konter bei einem Konzert im Kornhauskeller.
Toni Hoffmann (Mitte) und Aljosha Konter bei einem Konzert im Kornhauskeller. | Bild: Alicia Lüber

Doch es gibt noch Hoffnung für den Kornhauskeller. OB Frank: „Wenn es für die Nutzung des Kornhauskellers eine relevante Nachfrage sowie eine Möglichkeit geben sollte, die auch umsetzbar ist, würde ich mich dem nicht verweigern. Allerdings muss man hier auch dazu sagen, dass es in der Vergangenheit ein Kornhaus-Team aus Jugendlichen gab, das das Programm für das Kornhaus eigenständig auf die Beine gestellt und umgesetzt hat.

Das Kulturamt stand hierbei lediglich beratend zur Seite. Ob es diese Bereitschaft, etwas Vergleichbares eigenständig zu schaffen und dafür auch Verantwortung zu übernehmen, aktuell gibt, kann ich nicht einschätzen. Sollte sich aber morgen ein Team junger Leute mit einer überzeugenden Idee und eben solcher Einsatzbereitschaft bei uns melden, wird es vom Kulturamt die gleiche Unterstützung erhalten wie das Kornhaus-Team der alten Zeit.“

Geöffnet sind auf diesem Foto die Tore des Waldshuter Kornhauskellers. Während das darüber liegende Gebäude gegenwärtig saniert wird, ist eine Nutzung des Gewölbes bis auf Weiteres nicht mehr vorgesehen.
Geöffnet sind auf diesem Foto die Tore des Waldshuter Kornhauskellers. Während das darüber liegende Gebäude gegenwärtig saniert wird, ist eine Nutzung des Gewölbes bis auf Weiteres nicht mehr vorgesehen. | Bild: Gerard, Roland

Hochkarätige Veranstaltungen im Kornhauskeller

Ins Leben gerufen wurde der Kornhauskeller als Veranstaltungsort 1996 von den Musikern der Waldshuter Rock-Gruppe Mitho Kanywa und der damaligen Kulturreferentin Adelheid Pohl. Mitho Kanywa war auch die erste Band, die in dem Gewölbe ein Konzert gegeben hatte. Ab diesem Zeitpunkt traten Dutzende Künstler im Keller des historischen Kornhauses auf.

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Einer der prominentesten davon war der Waldshut-Tiengener Sänger Max Mutzke, der dort 2006 einen Auftritt hatte. International bekannt wurde Mutzke nach seiner Teilnahme zum Eurovision Song Contest. Auch Florian Boger, bekannt durch seine Teilnahme an der Castingshow „The Voice of Germany“, trat im Kornhauskeller auf. Zahlreiche weitere Gruppen und Einzelkünstler gastierten im Rahmen von Konzerten und Festivals in dem Gewölbe.

Das letzte Weinfass im Kornhauskeller

Weil der Kornhauskeller von 1930 bis 1994 von der Familie Walde als Weinlager genutzt wurde, gab es bis zur Schließung dort auch immer wieder Wein-Stadtführungen mit Raimund Walde, dem Sohn des Firmengründers.

Auch diverse Ausstellungen gab es im Kornhauskeller. Renommierte Künstler der Region zeigten dabei ihre Arbeiten. Ein Höhepunkt war auch 2011 die hochkarätige Präsentation „Tra le briccole di Venezia“ (zu deutsch: Zwischen den Pfählen Venedigs). Besucher konnten damals auf Initiative des Einrichtungshauses Seipp Objekte und Möbelstücke anschauen, die aus ausgemusterten Holzpfählen der Lagunenstadt hergestellt wurden.