Genau 670,63 Kilometer Luftlinie liegt die Hamburger Reeperbahn von der Waldshuter Grieshaberhalle im Ziegelfeld entfernt. Nach den beiden Kappenabenden der Narro-Zunft Waldshut ist eines klar: Die sündige Meile mit ihren schillernden Figuren liegt näher an Waldshut als man denkt. Das Gesicht verführerisch geschminkt, ein glitzerndes kurzes Kleid, dazu schwarze Netzstrümpfe. Die Zuschauer im ausverkauften Saal mussten schon genau hinschauen, um Zunftmeister Joe Keller und Vize-Zunftmeister Stephan Vatter auf der zur Reeperbahn umdekorierten Bühne zu erkennen.

Narren lassen kein Thema aus

Die Hafenstadt mit ihrem Vergnügungsviertel aus dem Norden war in den elf Programm-Punkten allgegenwärtig: Angefangen bei der Tanz-Einlage der Jung-Matrosen zum Seemanslied „What shall we do with the drunken Sailor“ bis zum akrobatischen Höhepunkt des Abends, als die Kiez-Kicker des Narrenrats die gewonnene Meisterschaft zelebrierten.

Zwischen all dem nordischen Trubel ging nie der regionale Bezug verloren, dafür sorgten die Junggesellen als Zuhälter und die Ehemaligen der Junggesellenschaft als Prostituierte und Freier. Die Suche nach einem Spital-Standort, der neue Dogener Bürgermeister Fabian Prause oder die Insolvenz des Waldshuter Hofs – das Publikum lachte ausgiebig über die verbalen Scherz-Salven der Narren.

Gleichberechtigung auf der Bühne

Eines muss man den Narren bei ihrer Auftritts-Planung hoch anrechnen: Auf die Gleichberechtigung wurde penibelst geachtet. Die Anzahl der Männer und Frauen hielt sich auf der Bühne die Waage. Wobei bei einigen Damen überraschend maskuline Waden unter den Strumpfhosen hervortraten.

Für die geforderte Gleichstellung waren im Programm außerdem die „Marktwiieber“ zuständig, die bei ihrem gelungenen Auftritt die Männer im Saal humoristisch in Schutt und Asche legten. „Wir trinken auf die Männer, die wir lieben, und auf die Penner, die wir kriegen“, lautete der Trinkspruch des Trios. Das Publikum nahm es gerne an.

Sprechchöre für Lukas Podolski

Bei der Fernsehsendung „Ina’s Nacht“ durfte sich Daniel Philipp als Lukas Podolski mit Sprechchören feiern lassen und bedankt sich artig „bei meiner Mutter, meinem Vater und meinen Eltern.“

Mit dem Klassiker „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, im Orginal von Hans Albers, verabschiedeten sich die Narren von ihren zufrieden schunkelnden Gästen. Dabei ließen sie eine Frage offen: Wozu hunderte Kilometer nach Hamburg fahren, wenn in Waldshut das gleiche sündige Spektakel geboten wird?

Die elf Auftritte

1. Die Youngsters als Matrosen2. Die Marktwiieber3. Die Lumpenhunde als Marktschreier 4. Benni Marder als Polizischt5. Der Zunfttanz zum Musical "Rocky"6. Die Junggesellen als Zuhälter7. Die Ehemalige Junggesellenschaft als Nutten & Freier8. Die Hanseltrommler mit Reklame9. Die 6 vom Hochrhy als Heilsarmee10. Zu wie ä Handbrems mit Ina's Nacht11. Der Narrenrat als Fußballer

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