Musik kann berühren, die Sinne öffnen, erweitern und fesseln. Diese Wirkung erzielte am Sonntag in der nahezu voll besetzten evangelischen Versöhnungskirche die Aufführung des Oratoriums "Die letzen Dinge" von Louis Spohr (1784 bis 1859) unter der Gesamtleitung von Bezirkskantor Matthias Flierl. Er, die Kantorei Hochrhein, die hochkarätigen Gesangssolisten Marie-Sophie Pollak (Sopran), Franziska Markowitsch (Alt), Marcus Ullmann (Tenor) und Raimund Nolte (Bass) sowie die Musiker des Münchner Orchesters L’arpa Festante, ließen eintauchen in biblische Welten.

Das Publikum bedankt sich mit lang anhaltendem Beifall für das gelungene Konzertereignis.<br />Bild: Ursula Freudig
Das Publikum bedankt sich mit lang anhaltendem Beifall für das gelungene Konzertereignis.
Bild: Ursula Freudig

Das Werk überträgt die Endzeitvisionen des Johannes im letzten Kapitel des Neuen Testaments in eine romantische Tonsprache. Tod, Ewigkeit, Gottes machtvolles Kommen am Ende der Tage wurden von den Sängern und Instrumentalisten ausdrucksstark, mit unter die Haut gehender Intensität vermittelt. Passagen voller Dramatik wühlten auf, lyrische voller Innigkeit beruhigten wieder. Die großen Stimmen der Solisten, das versierte Orchester, das nicht "nur" begleitete, sondern auch in den zwei Eröffnungssätzen alleine brillierte, und die Kantorei bildeten eine Einheit.

Minutenlanger Beifall

Gerade bei diesem Werk konnte die Kantorei überzeugend ihr Können unter Beweis stellen. Denn nicht lange, "vor dem Chor stehende" Solopassagen, stehen im Mittelpunkt, sondern eher kurze Solis, die fließend in ausgeprägte Chorpassagen übergehen. Nachdem ein jubilierendes "Halleluja Amen" den Schlusspunkt gesetzt hatte und Matthias Flierls Hände sich nach Sekunden der Stille langsam senkten, dankte das Publikum mit minutenlangen Beifall. Dies nicht nur für die Aufführung des Oratoriums, sondern auch für zwei Kantaten von Felix Mendelssohn Bartholdy, die zum Auftakt erklangen.

Mitreißende Aufführung

Das Publikum hat nicht "nur" eine künstlerisch beeindruckende und gefühlsmäßig mitreißende Aufführung erlebt, sondern konnte auch mit einer positiven, tröstlichen Grundstimmung nach Hause gehen: Nicht eine düstere, vom Zorn Gottes geprägte Endzeitstimmung beschwört Spohrs Werk, sondern die Güte Gottes. Möglich gemacht hat die auch finanziell hochkarätige Aufführung die Zusammenarbeit der evangelischen Kirchengemeinde mit dem Kulturamt der Stadt Waldshut-Tiengen und dem Förderkreis für Kirchenmusik Waldshut.