Die Bühne steht voller Pappkartons mit Aufschriften wie „Klamotten„, „Bücher“ oder „Behalten“. In diesem Umfeld erscheint Olaf Bossi (48), deutsch-italienischer Kabarettist, Musiker und Liedtexter aus Stuttgart: sehr lässig und lausbubenhaft, mit hochgestylten Haaren, Jeansjacke, T-Shirt und Turnschuhen. Er tritt im restlos ausverkauften Tiengener Schlosskeller mit seinem brandneuen Programm „Endlich Minimalist! Aber wohin mit meinen Sachen?“ auf. Olaf Bossi – frei nach Einsteins Motto „Nur kleine Geister halten Ordnung“ – hat an diesem Abend nur ein Thema: Wie man sein Leben ausmistet.

Das tägliche Chaos

Er erzählt im vergnügten Plauderton, wie er das zusammen mit seiner Frau versucht. Überhaupt erfährt man an diesem Abend viel über seine Familie, seine Frau und seine beiden kleinen Kinder. Und über ihr tägliches Chaos etwa beim morgendlichen Aufbruch sowie den Beschluss, endlich die Wohnung auszumisten. Dann seine gespielte Verzweiflung: „Man sieht nichts!“. Das kommt beim Publikum auf Anhieb an. Denn Bossi trifft schnell den Ton, hat witzige Wortspiele und Formulierungen parat, die dem Publikum aus der Seele sprechen.

Vom täglichen Wahnsinn des modernen Lebens

Systematisch handelt er so Punkt für Punkt das Ausmisten ab: Erst Klamotten und Bücher – „Das war noch am leichtesten“ – dann die Küche, das Bad, Schallplatten und Kassetten und schließlich die emotionalen Dinge: „Das sind die unwichtigen Dinge von wichtigen Menschen. Da wird‘s richtig schwierig!“ Und zwischendrin schweift er beim Plaudern (“Ich labere gern!“) genussvoll vom Thema ab, redet über Kindererziehung, den Supermarktdschungel oder seine Flugangst. Und vor allem über unsere Vernetzung und den täglichen Wahnsinn des modernen Lebens mit Handy, Netflix oder Amazon.

Parodie auf Handynutzer

Vor allem seine Parodie auf Handynutzer ist köstlich. Da bringt er mit Gitarre und Gesang das Publikum begeistert zum Mitsingen. Ein leichter, amüsanter, lockerer Abend über die Widrigkeiten des Alltags und des Lebens. Höhepunkt schließlich seine gesangliche Zugabe in dramatischen Variationen: „Schlaf mein Kindchen“, das er zur Geburt seines ersten Kindes komponiert hat!