Wer in diesen Tagen am Rheinufer in Waldshut entlang läuft, hört die Vögel zwitschern, die jetzt schon sehr aktiv sind. Sie stecken ihr Revier ab, sind auf Partnersuche, sammeln Material für den Nestbau.

Wie sind die Nistkästen im Stadtgrün belegt?

Rund 90 Nistkästen für Höhlenbrüter, Eulen, Baumläufer und Fledermäuse betreut die Stadtgärtnerei Waldshut-Tiengen und diese sind mit 87 Prozent aktuell fast "ausgebucht". Erst kürzlich wurden sie gereinigt und kontrolliert. Dabei wurden die alten Nester herausgeholt, um Parasiten zu vermeiden und Platz zu schaffen, berichtet der Leiter der Stadtgärtnerei Bernd Kramm bei einem Vor-Ort-Termin. Jetzt beginnt wieder die Brutzeit, nun können hier wieder neue Vögel ihr Nest bauen und ihre Jungen aufziehen. Kramm und Yonca Thurner, Vorsitzende des Ortsvereins Waldshut des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verraten, was Sie auch im eigenen Garten für die Vögel tun können.

Welcher Kasten für welchen Vogel?

Es gibt Nistkästen mit verschieden großen Einfluglöchern, erklärt Kramm. Bevorzugt die Blaumeise eher Einfluglöcher mit 26 Millimeter Durchmesser, brauchen Kohlmeise und Klaiber 32 Millimeter. Hausrotschwanz oder die Amsel fliegen nur ovale Löcher an und Zaunkönig und Rotkehlchen brüten in kugelförmigen Nistkästen.

Warum braucht es Nistkästen?

Sie seien deshalb so wichtig für die Vögel, weil ihr eigentlicher Lebensraum immer mehr zurückgehe, so Kramm. Im Wald ließen die Förster auch mal tote Bäume stehen, wo Vögel gerne brüten. "Aber wir können das im öffentlichen Grün nicht machen", sagt Kramm. Auch Yonca Thurner sagt, dass die naturbelassenen Bereiche immer weniger würden, auch in Waldshut. Dies sei ein Grund, warum es immer weniger Vögel gebe. Auch für die Stadt sei das Aufhängen der Nistkästen eine Ausgleichsmaßnahme gewesen, als vor fünf Jahren 80 Pappeln am Rheinufer gefällt wurden, erklärt Kramm. Da dort auch ein Fledermaus-Bestand festgestellt wurde, empfahlen Fachleute auch für diese Tiere spezielle Kästen aufzuhängen.

Bernd Kramm, Leiter der Stadtgärtnerei, zeigt auf einen Nistkasten für Fledermäuse.
Bernd Kramm, Leiter der Stadtgärtnerei, zeigt auf einen Nistkasten für Fledermäuse. | Bild: Verena Wehrle

Was sollten Sie beim Nistkasten-Bau für den eigenen Garten beachten?

Die Stadtgärtnerei kaufte Nistkästen aus einer Holzbetonmischung. "Dies halten mindestens 20 Jahre", so Kramm. Für den heimischen Garten kann man aber auch Nistkästen aus Holz selbst bauen (eine Bauanleitung gibts zum Beispiel auf der Seite des Naturschutzbundes). Um den Austritt von giftigen Farbstoffen zu vermeiden, sei es wichtig, unbehandeltes Holz zu verwenden, so Thurner. Zum Schutz vor Fressfeinden sollte man sie auf zwei Meter Höhe aufhängen, einen weiteren Schutz brauche es ihrer Meinung nach nicht. Aufhängen sollte man die Kästen in Richtung Osten, nicht in Wetterseite. Man sollte nicht zu viele Kästen auf engsten Raum hängen, sonst entstehe Nahrungskonkurrenz, erklärt Thurner.

Wie können Sie sonst noch den Vögeln und anderen Tieren helfen?

Yonca Thurner verrät, was man im eigenen Garten sonst noch für Vögel und andere Tiere tun kann, denn dort sieht sie noch großes Potential. "Das oberste Gebot ist kein Gift im Garten", sagt Yonca Thurner. Gründe für immer weniger Vögel seien das Fehlen des Lebensraumes, aber auch das Insektensterben. Allein in den letzten 27 Jahren seien die Insekten um 75 Prozent zurückgegangen, so Thurner. Deswegen sollte man Insektizide und Pestizide vermeiden. Sie setzt auf einheimische Plfanzen und betont, dass vor allem Sträucher wichtig sind für Vögel. eine abwechslungsreiche Gartenstruktur wäre vorteilhaft: Eine Hecke, eine Blumenwiese. "Kurzgeschorener Rasen und ein Kiesbett außenrum, welches Tier soll da leben?", fragt sie etwa provokativ. Ganz wichtig sei auch eine Vogeltränke und kleinere Gewässer, von denen auch andere Tiere profitieren.

Außerdem sollte man nachts nicht alles beleuchten, eine Außenlampe zieht Fledermäuse und Insekten an, so dass diese um das Licht schwirren und zu nichts mehr anderem fähig sind und schlussendlich sterben.

Um die Vögel in der Brutzeit zu schützen, gibt auch Hauke Schneider vom NABU Waldshut-Tiengen noch einen Tipp: "In der Brutzeit sollte es keine Störung durch Fressfeinde geben. Wenn Jungvögel ausfliegen, sollte man Katzen im Haus behalten."

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