Waldshut-Tiengen "Ich kann gut davon leben": Musik dominiert das Leben von Aljosha Konter

Auf einen Kaffee mit... Aljosha Konter, der im April mit seiner Musik wieder auf Deutschland-Tour geht und am Hochrhein vor allem durch 'Der Joshi und seine Crew' bekannt ist. Im Interview verrät er, wie sein Tour-Alltag aussieht und wie es mit seiner Band weitergeht.

Herr Konter, mehrmals im Jahr gehen Sie auf Tour. Wissen Sie, wie viele Konzerte Sie bereits gespielt haben?

Nein, ich weiß nur, dass es mittlerweile über 200 sind. Vielleicht knacke ich dieses Jahr auch die 300, aber da muss ich noch einmal nachzählen. Eigentlich wollte ich dieses Jahr 100 Konzerte spielen, aber habe gemerkt, dass das mit dem Studium ein bisschen zu viel wurde, deswegen werden es wie im vergangenen Jahr wieder 70 oder 80. Aber nächstes Jahr dann, wenn das Studium fertig ist.


Ist man mit all der Erfahrung noch nervös, wenn man die Bühne betritt?

Das ist eigentlich kein Thema mehr bei mir. Wirklich nur, wenn ich hier in der Region spiele. Wenn meine Mutter, mein Vater oder meine Schwestern da sind, dann bin ich schon aufgeregt, aber sonst eigentlich gar nicht mehr. Aber ich freue mich immer drauf, die Bühne zu betreten. Besonders wird auch der Auftritt in der SWR Fernsehsendung Kaffee oder Tee im nächsten Monat.


Was ist für Sie spezieller: vor 3000 Menschen im Dortmunder Stadion, was Sie mit Ihrer Band schon erlebt haben, oder vor 50 Personen hier in der Heimat in einer Kneipe?

Das ist schwer zu sagen. Das eine ist mega cool, weil es so viele sind, auch vor 400 oder 500 in einer Stadthalle. Aber auf der anderen Seite ist es auch lässig, vor 30 Leuten zu spielen, weil es dann so total intim ist. Dann schaut man jedem in die Augen und sieht dann, dass sie peinlich berührt weggucken. Aber ich glaube, schöner für das Publikum sind die kleineren Konzerte. Auf der Tour, die jetzt startet, ist das größte in Stuttgart mit rund 200 Plätzen, das kleinste in Gladbeck ist mit 25 Besuchern ausverkauft, und das ist jetzt schon fast der Fall. Lieber weiß man als Musiker, die Plätze ist voll, als wenn man in einer Halle für hunderte Leute spielt und nur 20 da sind.


Wie würden Sie die Musik, die Sie machen beschreiben?

Schön. Deutsche Liedermacher-Musik mit viel Pop-Einflüssen vielleicht. Es kommt bei mir ganz viel auf die deutschen Texte an. Es ist bei mir nicht so, dass die Leute sagen, der hat aber eine krasse Stimme.


Sie schreiben alle Texte selbst – wo finden Sie die Inspiration dafür?

Immer öfter aus dem was mir wiederfahren ist, aber auch viel, was mir so im Kopf herumschwirrt, was nichts damit zu tun hat, was ich erlebt habe. Wenn ein 17-Jähriger von Liebe und den großen Dramen singt, nimmt man ihm das nicht unbedingt ab. Mittlerweile kann ich schon mehr über meine Erfahrung singen als früher, wobei man es natürlich auch damals ernst gemeint hat.


Wie geht es Ihnen, wenn Sie Lieder des 17-jährigen Aljosha Konter hören?

Manche sind echt cool und bei manchen denke ich: 'Oh man, das kann ich echt nie mehr singen.'


Wäre es für Sie nie in Frage gekommen auf Englisch zu singen?

Ein Lied habe ich mal auf Englisch gemacht, dann wurde mir aber relativ schnell klar, das es nichts für mich ist. Mit meinem Schul-Englisch könnte ich den Humor oder Witz auch gar nicht so rüberbringen, wie ich es auf Deutsch kann.


Wie lang dauert es bis ein Lied fertig ist?

Es gibt welche, an denen schreibe ich über ein Jahr. Dann hole es immer wieder raus, schreibe weiter, finde es gut und am nächsten Tag lese ich es durch und werfe es weg. Bei anderen geht es eine Stunde und es läuft einfach. Aber auch fertige Lieder verändere ich mit der Zeit immer wieder.


Klischees vom Musikerleben kennt man – wie sieht Ihr Tour-Alltag wirklich aus?

Morgens aufstehen, in die nächste Stadt fahren, im Club den Soundcheck machen und dann oft warten bis das Konzert anfängt. Dann ist das gut gelaufen, oder auch nicht, und dann Abbau, wieder ins Hotel und am nächsten Tag wieder los. Aber es gibt auch oft genug Abende an denen man voll versackt und dann nicht so fit zum nächsten Konzert fährt. Deswegen sind Tour-off-Dates, also freie Tage wichtig, um mal ausschlafen und regenerieren zu können.


Mit wem sind Sie auf Tour denn unterwegs?

Eigentlich wollte ich dieses Mal allein gehen, aber dann dachte ich auf Dauer wird es doch langweilig. Oft bin ich mit Toni Hoffmann, der auch als Waldshut-Tiengen kommt, unterwegs. Dieses Mal ist Philipp Marx dabei. Wir sind zwar nur zu zweit, aber haben ein Harmonium dabei, ein Klavier, Schlagzeug, E-Gitarre und eine normale Gitarre und wechseln dann durch. Das macht dann echt Spaß.


Wie viele Instrumente spielen Sie denn?

Eigentlich nur eins, nur Gitarre. Der Rest ist einfach nur so dahin gespielt. Aber für mich reicht es.


Sie haben jeden Tag mit Musik zu tun, studieren auch Musikpädagogik. Was sind Ihre weiteren Pläne?

Im September bin ich endlich fertig mit dem Studium, dann ist mein Abschlusskonzert. In Ludwigsburg arbeite ich einmal die Woche als Gitarrenlehrer, wenn das Studium fertig ist, an zwei Tagen die Woche. Das reicht um Miete und Essen zu bezahlen, den Rest will ich durch die Konzerte verdienen und das geht auch ganz gut. Davon kann ich gut leben.


Wie wichtig ist es denn, auf Plattformen wie dem Musikstreaming-Dienst Spotify vertreten zu sein, wo man Ihr Album ja auch findet?

Finanziell gar nicht wichtig, da kriege ich im Monat so 3,80 Euro. Aber es ist relativ wichtig, vertreten zu sein, damit man gefunden oder von anderen vorgeschlagen wird.


Wann war für Sie klar, dass Sie mit Musik Ihr Geld verdienen wollen?

Vor ungefähr vier Jahren. Ich habe in Lauchringen fünf Jahre in einer Spielothek gearbeitet und hatte nebenbei meine Band und dachte dann irgendwann, das kann es nicht sein. Toni Hoffmann hat mir dann die Musik-Akademie empfohlen, ich habe meine Sachen gepackt und tschüss.


Wie hat Ihre Familie darauf reagiert?

Mega gut. Mein Vater hat nur gesagt: 'Mach dein Abi und mach den Rest wie du willst.' Meine Eltern haben mich immer unterstützt und sind hier bestimmt meine größten Fans.


Neben der Leidenschaft Musik gibt es ja auch die Leidenschaft Tattoos – wie viele haben Sie mittlerweile?

(zählt) Neun oder zehn. Aber ich bin jetzt in Ludwigsburg in eine neue Wohnung gezogen, direkt neben einem Tattoo-Studio, also wahrscheinlich werden es demnächst noch ein paar mehr.


Eines der Tattoos ist ein WT-Autokennzeichen. Wie oft sind Sie noch in der Heimat?

Oft, mindestens einmal im Monat. Weil ich einfach noch viele Freunde hier habe. Ich versuche immer ein bis zwei Mal im Jahr hier im Landkreis aufzutreten. Und jetzt bin ich wieder ein bisschen öfter hier, weil wir mit der Band 'Der Joshi und seine Crew' wieder proben und nach zwei Jahren Pause im Mai wieder an einem Festival spielen.


Zur Person

Aljosha Konter ist ein Musiker vom Hochrhein. Der 27-Jährige ist in mehren Orten im Kreis Waldshut aufgewachsen, studiert Musikpädagogik in Stuttgart und lebt in Ludwigsburg. Seine Leidenschaft für Musik begann nach einem Konzert der Ärzte im Jahr 2003. Am Hochrhein kennt man ihn auch durch seine Band "Der Joshi und seine Crew". Seine erste Solo-CD "Unterwegs" erschien 2014. Während seiner Tour spielt er neben Konzerten in Stuttgart, Freiburg, Düsseldorf und Konstanz am 16. April auch im PurPur in Horheim.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Waldshut-Tiengen
Gurtweil
Waldshut-Tiengen
Dogern
Waldshut
Waldshut-Tiengen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren