Die Eisenbahnbrücken in der Stadt sind sanierungsbedürftig. Laut Einschätzung der Deutschen Bahn haben vier der Bauwerke "umfangreiche Schäden". Bei zwei Brücken schließt die Bahn sogar aus, dass man sie noch auf wirtschaftliche Weise instand setzen kann. Sie sollen deswegen mittelfristig durch neue Brücken ersetzt werden müssen. Eines der Bauwerke, bei denen das der Fall ist, ist die historische Rheinbrücke nach Koblenz.

Neben der Rheinbrücke ordnet die Bahn auch die Unterführung zwischen Frühmessweg und Ochsensteige in die schlechteste Zustandskategorie vier ein. Damit können sie als marode gelten – standsicher seien sie aber dennoch. Bahnsprecher Roland Kortz betont auf Anfrage: "Auch bei in Kategorie vier eingestuften Brücken besteht kein Sicherheitsrisiko, die betriebliche Sicherheit jeder einzelnen Brücke ist gewährleistet." Andernfalls müsste man die Brücke sofort sperren.

Die von der Bahn diagnostizierten "umfangreichen Schäden" an der Fahrradunterführung zwischen Robert-Gerwig-Straße und Eisenbahnstraße kann man teilweise mit bloßem Auge erkennen.
Die von der Bahn diagnostizierten "umfangreichen Schäden" an der Fahrradunterführung zwischen Robert-Gerwig-Straße und Eisenbahnstraße kann man teilweise mit bloßem Auge erkennen. | Bild: Dominik Dose

Fest steht jedoch bei den Brücken der Kategorie vier, dass sie nicht mehr saniert werden, sondern in absehbarer Zeit komplett ersetzt werden sollen. "15 bis 20 Jahre" nennt die Bahn als längstes Zeitfenster, in dem Ersatz für die Rheinbrücke und die Unterführung her muss. In die ebenfalls schlechte Zustandskategorie drei, bei der zu prüfen ist, ob eine Instandsetzung sich noch rechnet, fallen derweil zwei Bauwerke. Zum einen die 1937 errichtete, jetzt vor allem für Radfahrer bestimmte Unterführung am Bahnhof zwischen Robert-Gerwig- und Bundesstraße sowie die Bahnüberführung über den Seltenbach.

Weder bei der über 70 Jahren alten Unterführung am Frühmessweg noch bei der vor 158 Jahren errichteten Rheinbrücke äußert sich die Bahn genauer dazu, wie sie die Bauwerke ersetzen will. Mit der Brücke nach Koblenz ist ein herausragendes Baudenkmal bedroht. 1859 nach Plänen von Robert Gerwig errichtet, gilt sie als erstes Brücke, die unterhalb des Bodensees den Rhein überspannte. Der deutsche Teil der Brücke ist in der Denkmalliste des Landes Baden-Württemberg gelistet und genießt damit einen besonderen Schutz vor baulichen Veränderungen. Ähnlich verhält es sich mit dem Schweizer Teil des Bauwerks. Die Mitte des Rheins teilt die Brücke in den jeweiligen Landesbesitz. Im Laufe der Jahrzehnte musste sie immer wieder verstärkt werden. Zuletzt gab es 2011 Probleme, als die Schweizerischen Bundesbahnen neue Triebwagen einsetzte, die zu schwer für die Konstruktion waren. Nur mit reduziertem Tempo und Passagieren bloß in bestimmten Wagenteilen durfte diese über die Brücke fahren. Durch eine Gleis-Sanierung wurden die Probleme abgemildert. Eine Zukunft hat die Brücke nach Einschätzung der Bahn in ihrer heutigen Funktion dennoch nicht.

Marode ist auch die Unterführung zwischen Frühmessweg und Ochsensteige. Das stark angerostete Bauwerk ist für die Bahn ein Abrissobjekt.
Marode ist auch die Unterführung zwischen Frühmessweg und Ochsensteige. Das stark angerostete Bauwerk ist für die Bahn ein Abrissobjekt. | Bild: Dominik Dose

Zustandskategorien

Die Bahn erfasst ihre Brückenbauwerke in vier Zustandskategorien. Kategorie eins ist die beste, in sie fallen neue Brücken und solche mit geringen Schäden. In Kategorie zwei haben die Bauwerke bereits größere Schäden, in Kategorie drei umfangreiche. Bei Kategorie vier sind die Schäden derart groß, dass es sich nicht mehr lohnt, die Bauwerke zu sanieren und nur ein Neubau in Frage kommt. Die Standsicherheit aller Brücken nimmt die Bahn jedes Jahr mit einer Begehung in Augenschein. Alle drei Jahre werden die Bauwerke genauer inspiziert.