Ein Kapitel Tiengener Fasnachtsgeschichte geht demnächst zu Ende: Heidi Maier (75) legt nach 30 Jahren ihr Ehrenamt als Narrenmutter bei der Bürger- und Narrenzunft 1503 nieder. Bei der Fasnacht wird sie ein letztes Mal bei allen Anlässen der Zunft in Tiengen und auswärts ihre Qualitäten als Narrenmutter unter Beweis stellen. Mit ihrem strahlenden Lachen wird sie gewohnt herzlich zusammen mit dem Zunftmeister die Zunft repräsentieren. „Ich weiß nicht, wo die 30 Jahre geblieben sind, aber 30 ist eine gute Zahl, um aufzuhören und man sollte es tun, wenn es am Schönsten ist“, begründet sie ihren Rücktritt. Ihr besonderer Dank gilt ihrem Mann, der immer hinter ihr gestanden hätte.

Narrenmutter gesucht

1988 suchte die Zunft dringend eine Narrenmutter. Die Freude war groß, als die Friseuse und zweifache Mutter Heidi Maier sagte, dass sie es machen würde, wenn bis zum Narrentreffen im kommenden Jahr niemand anders gefunden wäre. Die „Zünftler“ packten die Gelegenheit beim Schopf, was heißt, Heidi Maier „durfte“ sofort in die Fußstapfen von Hilda Kaiser treten. Die Narrenmütter zuvor waren Lilo Husendörfer und in den Nachkriegsjahren, eine Frau Diehl.

Immer gut gelaunt, immer gern gesehen: Narrenmutter Heidi Maier bei einem Düengemer Obed mit Frank Brombacher, Vorsitzender der Stadtmusik Tiengen. Bild: Ursula Freudig (Archiv)
Immer gut gelaunt, immer gern gesehen: Narrenmutter Heidi Maier bei einem Düengemer Obed mit Frank Brombacher, Vorsitzender der Stadtmusik Tiengen. | Bild: Ursula Freudig

Als Heidi Maier mit 45 Jahren Narrenmutter wurde, gehörte sie schon fünf Jahre der Zunftgruppe der Schnurrewyber an. Sie und ihre Freundin waren dort Mitglied geworden, weil eine Tiengener Guggenmusik, zu der sie eigentlich wollten, damals noch keine Frauen aufnahm. Heute ist Heidi Maier froh über diese Wendung. Sie wurde Narrenmutter mit Leib und Seele und verbreitete 30 Jahre lang Freude und gute Laune. Fasnacht machen wurde Heidi Maier in die Wiege gelegt. Ihre Mutter war eine begeisterte „Fasnachtsnärrin“. An ihrer Seite hat Heidi Maier von Kindesbeinen an Fasnacht gemacht. Beste Voraussetzungen also für eine Laufbahn als vorbildliche Narrenmutter.

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In ihren 30 Amtsjahren hatte Heidi Maier viele wechselnde Beschützer: Günter Krüger, Karl Heinz Meier, Harry Hirschberger, Klaus-Dieter Ritz und Ralf Kögel waren als Narrenbolisei an ihrer Seite, aktuell ist es Oliver Stanik. „Der große Verschleiß ist aber nicht meine Schuld“, versichert sie. Zunftmeister waren es weniger: Kurt Benda, Albert Ebner und aktuell Ralf Siebold.

Aus alten Tagen (1990er Jahre): Zunftmeister Kurt Benda und Narrenmutter Heidi Maier. Bild: Rüdiger/Südkurier
Aus alten Tagen (1990er Jahre): Zunftmeister Kurt Benda und Narrenmutter Heidi Maier. | Bild: Rüdiger/Südkurier

Nicht nur personelle Veränderungen hat Heidi Maier in ihrer Amtszeit erlebt. Die Narrentreffen sind nach ihrer Aussage immer größer geworden, dies nicht unbedingt zu ihrer Freude. Schade findet sie es, dass in den Tiengener Wirtschaften keine Fasnacht mehr gefeiert wird und damit auch das dortige, sogenannte „schnurren“ der Schnurrewyber ein Ende gefunden hat. Der Spaß, den Heidi Maier an der lebendigen, traditionsreichen Fasnacht der Bürger- und Narrenzunft 1503 hat, ist aber unverändert groß. „Ich werde mein Ehrenamt als Narrenmutter noch einmal so richtig genießen und danach als Schnurrewyb präsent sein“, blickt sie nach vorne.

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