Für die Erstklässler aus Waldshut-Tiengen beginnt diese Woche der Ernst des Lebens. Ob in Waldshut an der Heinrich-Hansjakob-Schule, der Theodor-Heuss-Schule und der Christlichen Schule Hochrhein oder in Tiengen an der Johann-Peter-Hebel-Schule und der Schule am Hochrhein oder in Gurtweil an der Grundschule – überall in der Großen Kreisstadt fiebern Mädchen und Jungen ihrem ersten Schultag entgegen. Eines haben alle Abc-Schützen gemeinsam: Auf dem Rücken tragen Sie einen Schulranzen oder einen Rucksack und im Arm eine bunte Schultüte.

Schultüten gibt es übrigens seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals wurde Schulanfängern in Sachsen und Thüringen der Weg in die Schule versüßt, indem die Schultüten mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken wie Buntstiften oder anderem Schulmaterial gefüllt wurden. Deshalb werden die Tüten in manchen Gegenden heute noch Zuckertüten genannt.

Während sich die Schulranzen in den vergangenen Jahrzehnten von der ledernen Mappe in kunterbunte Plastiktornister verwandelten, haben sich die Schultüten im Laufe der Zeit kaum verändert, wie der Blick ins Fotoalbum von vier prominenten Persönlichkeiten zeigt.

Auf dem Bild von 1969 ist Rita Schwarzelühr-Sutter links mit ihrer Freundin Andrea Herzig zu sehen.
Auf dem Bild von 1969 ist Rita Schwarzelühr-Sutter links mit ihrer Freundin Andrea Herzig zu sehen. | Bild: privat

Rita Schwarzelühr-Sutter

Rita Schwarzelühr-Sutter
Rita Schwarzelühr-Sutter | Bild: Susie Knoll SPD

Rita Schwarzelühr-Sutter ist SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Bevor die heute 55-jährige gebürtige Waldshuterin in die große Politik nach Berlin ging, fing sie klein an: Die Grundschule besuchte sie in Waldshut, wo sie am 9. September 1969 an der Heinrich-Hansjakob-Schule eingeschult wurde. Auf dem Bild ist sie links mit ihrer Freundin Andrea Herzig zu sehen, die später Redakteurin beim SÜDKURIER wurde.

Helmut Maier mit Schultüte vor seinem Elternhaus im April 1956.
Helmut Maier mit Schultüte vor seinem Elternhaus im April 1956. | Bild: privat

Helmut Maier

Helmut Maier
Helmut Maier | Bild: privat

Helmut Maier ist CDU-Stadtrat in Waldshut-Tiengen und pensionierter Schulleiter der Realschule Tiengen. Auf dem Foto ist er mit Schultüte vor seinem Elternhaus in der Kalvarienbergstraße in Waldshut zu sehen. Maier erinnert sich: "Ich wurde im April 1956 in der Hansjakob-Schule in Waldshut eingeschult und besuchte diese bis zu meinem Wechsel ans Hochrhein-Gymnasium 1960. Das Schulhaus hat sich bis heute äußerlich nicht verändert. Die Ausstattung der Klassenzimmer ist heute nur noch im Museum zu sehen. Drei Reihen aneinander angehängter Holztische und Bänke, jeweils mit einem Tintenfass in der Mitte. Ich hatte einen schönen Lederschulranzen mit Schiefertafel, auf die wir mit Griffel schrieben. Eine Seite war liniert, die andere kariert. Hausaufgaben waren also von vornherein begrenzt auf eine Seite Schreiben und eine Seite Rechnen. Diese wurden im Unterricht kontrolliert und dann wieder gelöscht. Man brauchte ja wieder Platz für Neues. Trotzdem hat es bis zum Abitur gereicht."

Christine Senser mit ihrer Schultüte 1961 in Niederbexbach im Saarland.
Christine Senser mit ihrer Schultüte 1961 in Niederbexbach im Saarland. | Bild: privat

Christine Senser

Christine Senser
Christine Senser | Bild: Juliane Schlichter

Christine Senser ist Leiterin der Stadtbücherei Waldshut. „Das ist mein Einschulungsfoto, wie es sich gehört in schwarzweiß und mit Zöpfen und dicker Strumpfhose“, schreibt Senser, die nach den Osterferien 1961 in Niederbexbach im Saarland, einem Dorf mit 1000 Einwohnern, eingeschult wurde. „Die Schule hatte drei Klassenzimmer, zwei für die evangelischen Klassen 1 bis 4 und 5 bis 8, eins für die katholische Klasse 1 bis 8. Es gab sogar zwei Pausenhöfe, streng konfessionell getrennt. Mein Vater war damals der Dorfpfarrer und so ging ich am Einschulungstag als erstes brav in den Schulgottesdienst. Alle anderen waren schlauer und belegten zuerst die guten Plätze im Klassenzimmer und gingen dann erst in die Kirche. Ich fand das damals sehr ungerecht!“, erinnert sich Christine Senser.

Claudia Jarsumbek, Vizepräsidentin des Landgerichts Waldshut-Tiengen, bei ihrer Einschulung 1979 im sächsischen Coswig.
Claudia Jarsumbek, Vizepräsidentin des Landgerichts Waldshut-Tiengen, bei ihrer Einschulung 1979 im sächsischen Coswig. | Bild: privat

Claudia Jarsumbek

GUB-Fraktionssprecherin Claudia Jarsumbek hört auf. Bild: Roland Sigwart
GUB-Fraktionssprecherin Claudia Jarsumbek hört auf. Bild: Roland Sigwart | Bild: Roland Sigwart

Claudia Jarsumbek, ist Vizepräsidentin des Landgerichts Waldshut-Tiengen. Das Foto zeigt sie bei ihrer Einschulung am 1. September 1979 im sächsischen Coswig. „Ich erinnere mich, dass ich an diesem Tag unglaublich aufgeregt und zugleich neugierig war auf all das, was mich erwarten würde. Ich weiß noch, dass ich mich total über meine Schultüte mit dem roten Fuchs gefreut habe, die aus meiner Sicht die schönste und größte Tüte von allen war.“