Jeder Mensch hat ein Geheimnis, das im Hinterstübchen schlummert. Dort fühlt es sich wohl, dort sollte es bleiben. Mit der Fasnacht in Waldshut-Tiengen bricht für mich eine Zeit an, in der das Geheimnis meines Stübchen gelüftet werden muss. Ich gestehe: In meinen 25 Lebensjahren habe ich noch nie einen schmutzigen Donnerstag in der alemannischen Fasnacht erlebt. Ich habe noch nie einen bunten Abend erlebt. Ich habe noch nie den Klang einer Guggenmusik gehört.

In meiner Heimatstadt, die nördlich von Stuttgart liegt, ist die Fasnacht schlicht kein Thema. Wer sind also die weiß gekleideten Figuren mit dem roten Halstuch, die lärmend in Schulen einmarschieren, um die Klassen vom Unterricht zu befreien? Ich habe noch nie einen Geltentrommler gesehen.

Das müsste mich in den Augen der Waldshuter Narren zur persona non grata machen. Groß war die Unruhe, als ich zum Pressehock in das Allerheiligste der Narren eingeladen wurde. Doch die Narren schätzen Offenheit und Ehrlichkeit, auch wenn ich "noch" ein Unwissender bin. Sie werden sich mir annehmen, sie werden einen Zugezogenen zum Narren machen. Bald werde ich in aller Hergottsfrühe in weißen Leinenhemd und mehlbestäubten Gesicht trommelnd durch Waldshut laufen. Dabei rufe ich: „Hüt goht d'Fasnet a mit de rote Pfiife." Aus einem ahnungslosen Narr ist ein hoffnungsvolles Neumitglied der Narro-Zunft Waldshut geworden.julian.kares@suedkurier.de

 

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