Wenn sich drei Musiker wie Martin Umrath, Benno Grupp und Matthias Beno zusammentun, kann man etwas Außergewöhnliches erwarten. Wenn dann in der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt minutenlanger Applaus den Künstlern entgegenschallt, kann man sagen, dass sich der Aufwand für die monatelangen Proben gelohnt haben.

Dabei waren die Organisatoren ein gewisses Risiko eingegangen. Das Werk „The Armed Man“ des walisischen Künstlers Sir Karl Jenkins sorgte in der Vergangenheit für hitzige Diskussionen. Weil während des Oratoriums unter anderem ein Muezzin zum Gebet ruft, gab es in der Vergangenheit bei verschiedenen Aufführungen des Öfteren Kritik.

Pfarrer Ulrich Sickinger betonte bei seiner Begrüßungsrede vor den 350 Zuhörern, dass das Werk unter dem Eindruck des Kosovo-Krieges entstand, und somit seinen Opfern gewidmet wurde: „Diese Friedensmesse wirbt für Frieden und Ausgleich. Deshalb diene der Ruf des Muezzins, zum Gesamtverständnis dieses Werkes bei.“ Die Friedensmesse „The Armed Man“ thematisiert den Krieg, die Zerstörung, beklagt das Leid und schöpft am Ende Hoffnung für ein Umdenken der Menschheit.

Pfarrer Ulrich Sickinger konnte am Samstag rund 350 Gäste in der Tiengener Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt zur Friedensmesse „The Armed Man“ begrüßen.
Pfarrer Ulrich Sickinger konnte am Samstag rund 350 Gäste in der Tiengener Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt zur Friedensmesse „The Armed Man“ begrüßen. | Bild: Rolf Sprenger

Die Aufführung begann mit dem Titelstück. Die Stadtmusik Tiengen, die durch Streicher ergänzt zu einem 65 Musiker starken Orchester angewachsen war, zog das Publikum klanggewaltig in ihren Bann. Dirigent Matthias Beno, der auch für die Gesamtleitung des Werkes verantwortlich war, dirigierte mit seiner enthusiastischen Art durch das anspruchsvolle Stück.

Fast noch beeindruckender war der Chor des Klettgau-Gymnasiums unter der Leitung von Martin Umrath. Verstärkt wurden die Schüler von einem Projektchor, welcher von Benno Grupp geleitet wurde. Rund 100 Sänger sorgten für einen imposanten Klangkörper in der barrocken Stadtkirche.

Dank an das applaudierende Publikum (von links): Sabine Schagudo, ChiKondano Daza, Paul Kreher, Fabiano Cedrola, Matthias Beno und Birgit Knab.
Dank an das applaudierende Publikum (von links): Sabine Schagudo, ChiKondano Daza, Paul Kreher, Fabiano Cedrola, Matthias Beno und Birgit Knab. | Bild: Rolf Sprenger

Selbst ohne ein Programmheft konnte man die Intention des Stückes erfühlen. Schmetternde Trompeten, donnernde Trommeln und fast weinerliche Streicher hinterließen einen bleibenden Eindruck. Besonders berührend war das Stück „Angry Flames“ (Zornige Flammen). In diesem Lied schildert ein überlebender Augenzeuge den Abwurf der Atombombe über Hiroshima.

Der Komponist Karl Jenkins schafft es dabei, die unterschiedlichen Stilrichtungen in seinem Werk zu vereinen. Folklore, Gregorianik, Fanfaren und Marschmusik werden zu einem Gesamtkunstwerk vereint. Noch lobenswerter, wie das Orchester, die Chöre und die Solisten dieses umsetzten. Den Abschluss des rund 90-minütigen Konzertes war ein Aufruf zum Frieden. Bei „Better Is Peace“ (Besser ist Frieden) verschmolz das Orchester und der Chor nochmals zu einer Einheit.

Die 17-jährige ChiKondano Daza war eine der Solistinnen.
Die 17-jährige ChiKondano Daza war eine der Solistinnen. | Bild: Rolf Sprenger

Das musikalische Kooperationsprojekt war der krönende Abschluss der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Klettgau-Gymnasiums Tiengen. Ein Großteil der Eintrittsgelder kommt der Renovierung der Peter-Thumb-Kirche in Tiengen zu Gute.