Die Planung der Brandschutz-Sanierung nimmt wieder Fahrt auf. Nachdem das Projekt, wie Architekt Kai Flender in der Sitzung des Waldshut-Tiengener Gemeinderats am Montag sagte, seit März 2016 schläft, hat das Gremium nun beschlossen, den Brandschutz des markanten Gebäudes zu sanieren. Auf Antrag der CDU wurde der Beschluss dahin gehend angepasst, dass die Zustimmung nur vorbehaltlich der Zusage von Fördergeldern erfolgt. Dies wurde mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung beschlossen.

Laut Planung von Architekt Kai Flender wird die Sanierung rund 2,5 Millionen Euro kosten. 1,07 Millionen Euro Fördergelder seien bereits zugesagt, die Stadt versuche nun, weitere drei Prozent aus einer anderen Förderquelle zu erhalten. Hier wird zu Jahresbeginn mit einer Entscheidung gerechnet, sodass die Stadt auf Zuschüsse von 1,1 Millionen hofft. Die eigenen Mittel wurden im städtischen Haushalt bereits mit einem Sperrvermerk eingetragen, stehen also zur Verfügung. Eine Baugenehmigung liegt laut Antrag seit März 2016 vor.

Die Brandschutz-Sanierung sieht unter anderem ein neues Treppenhaus mit Aufzug zwischen den beiden Gebäudeteilen, eine Rampe am Eingang, eine neue Haustechnik und einen eigenständigen Eingang zum Kornhauskeller vor. Der Großteil der Arbeiten könne laut Architekt Flender während der Nutzung geschehen. Die Fertigstellung wird für 2020 anvisiert.

"Der Brand- und Denkmalschutz lässt uns eigentlich keine Wahl mehr", fasste CDU-Fraktionssprecher Helmut Maier zusammen. Seine Partei sei von der Entwurfsplanung überzeugt und stimme dieser vorbehaltlich der Fördergelder zu. Dieser Meinung waren auch die SPD, die Freien Wähler und die Grünen. SPD-Sprecher Gerhard Vollmer lobte: "Es ist gut, dass das Konzept so angelegt ist, dass es nicht auf die jetzige Nutzung festgelegt ist." Harald Würtenberger, Sprecher der Freien Wähler, erklärte für seine Partei: "Die Vorstellung der Planung hat uns auch überzeugt." Auch Axel Knoche (Grüne) fand positive Worte für das Konzept: "Vor allem der externe Zugang zum Kornhauskeller gefällt uns gut." Eine Gegenstimme gab es von Bernhard Boll (AfD). Er merkte an, dass mit dem Sperrvermerk für die Mittel zur Sanierung im Haus geplant war, dass man habe sehen wollen, ob es bessere Möglichkeiten gebe. Daher sollte man abwägen, ob es sinnvoller ist, die Mittel zum Beispiel in den Neubau des Feuerwehr-Gerätehauses zu investieren, sagte Boll.

Wie Oberbürgermeister Philipp Frank erklärte, führt die Stadt für den Gerätehaus-Neubau nach wie vor Gespräche über ein sogenanntes Blaulichtzentrum auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal. Hier gebe es, wie auch beim Kornhaus, einen "unglaublichen Handlungsdruck". Eine Möglichkeit sei es, den Bau modular anzugehen. "Also erst das Feuerwehrgerätehaus zu bauen, ohne andere Nutzungen aus den Augen zu verlieren", sagte Frank.
 

Wie geht es mit der Stadtbibliothek weiter?

Die Zukunft der Stadtbibliothek im Kornhaus wurde in der Gemeinderatssitzung mehrfach angesprochen. Die derzeitige Größe der Räumlichkeiten schränkt die Nutzung deutlich ein, Lesungen sind beispielsweise nicht möglich.

  • Was sieht die aktuelle Planung für die Bibliothek vor?
    In der Planung von Architekt Kai Flender ist die Stadtbibliothek, wie auch jetzt schon, im ersten Obergeschoss vorgesehen. Durch das neu dazu kommende Treppenhaus verliert die Bibliothek etwas Fläche, durch eine anderweitige Unterbringung des Arbeiterbildungsvereins im Gebäude gewinnt die Bibliothek Fläche – letztlich flächenmäßig eine Nullrechnung, wie der Architekt auf Nachfrage von CDU-Stadträtin Rita Mosel erklärte.
  • Was wurde diskutiert?
    Mehrfach wurde die Auslagerung der Stadtbibliothek ins Spiel gebracht. „Die Bibliothek ist sehr beengt, im Moment kann da gar nichts stattfinden“, sagte Mosel. Auch Gerhard Vollmer (SPD) befürwortete einen Umzug. SPD-Stadträtin Sylvia Döbele brachte den Vorschlag ins Spiel, die Bibliothek auf zwei Etagen zu erweitern und durch eine Wendeltreppe zu verbinden. „Das Gebäude hat Flair und die Bibliothek ist eine wichtige kulturelle Einrichtung“, betonte sie. Architekt Kai Flender entgegnete, dass das Jugendcafé und die Bibliothek zwar mehr Raumbedarf angemeldet hätten, dies aber zu Verdrängungsmechanismen zu Lasten anderer Nutzer führen würde. Sinnvoller sei es für ihn, die Nutzungsdichte zu vergrößern und Nutzungen zu kombinieren.
  • Was wären mögliche Alternativen?
    Ein mögliches Ziel für einen Umzug der Bibliothek wären Räume auf dem Sedus-Stoll-Areal. Hierzu gab es bereits Gespräche, es seien jedoch noch weitere nötig, erklärte OB Frank. „Geht die Stadtbibliothek raus, wird niemandem die Nutzung verbaut“, sagte er. Auch die Unterbringung im angedachten Blaulichtzentrum auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal wäre eine Alternative. (dc)

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