Wie war das damals eigentlich mit der Badischen Revolution? In einem spannenden Lieder- und Erzählabend ließ Roland Kroell vor einer kleinen Schar von Zuschauern die Geschichte Badens wieder aufleben. Er war stilecht in der Tracht der Revolutionäre gekleidet: Hut mit breiter Krempe – je breiter die Krempe desto größer die Freiheit – und Fähnchen in Schwarz-Rot-Gold an den Hut geheftet, sowie blau gestreiftem Hemd. Kroell schlug das Tamburin, bespielte einen irischen Dudelsack, ein „Hexenscheit“ (ein Saiteninstrument), und untermalte mit Gitarre und Mundharmonika die Lieder der Revolution.

Das Maß war voll

„Angefangen hat alles damit, dass Heinrich Heine aus Paris vom Bürgerkrieg und dem gestürzten König von Frankreich berichtet hatte. Diese Nachricht schlug in Köln wie eine Bombe ein – das Maß war voll“, berichtete Kroell. Die Zeit sei geprägt gewesen von Hunger und Arbeitslosigkeit. Österreich, Russland und Preußen hätten ein Militärbündnis geschlossen, das die Menschen nach 30 Jahren in eine soziale Krise gestürzt hatte. „1848 hat es einen Massenaufstand gegeben, die Zensur wurde aufgehoben, die schwarz-rot-goldene Fahne wurde gehisst, die Pressefreiheit war da.“

Hunderte von Liedern zur Revolution

In dieser Zeit seien Hunderte von Liedern entstanden, die zum Teil noch heute erhalten seien. Auch in Waldshut habe es ein Freiheitslied gegeben. Das Lied sei zum Tod des Freiheitskämpfers Robert Blum komponiert worden. Im Oberen Tor wiederum, das bis 1864 ein Gefängnis gewesen sei, hätten viele Revolutionäre ein jämmerliches Dasein gefristet. 1848 sei auch die Stunde von Friedrich Hecker gewesen – er wollte die Revolution, er sei sozusagen der badische Che Guevara gewesen. Indes sollte ihm und seinen Gefolgsleuten eine Niederlage beschert werden.

Preußen greift durch

1849 sei es zu einem letzten Aufstand gekommen. König Wilhelm IV. hatte sich zum Kaiser gekrönt und die Nationalversammlung aufgelöst. „Gegen Republikaner und Demokraten helfen nur die Soldaten“, soll er verkündet haben. Am 15. Juli 1849 sei dann ganz Baden von den Preußen besetzt worden. Hecker und seine Kameraden hätten längst ihr Glück in Amerika gesucht. Die Zuschauer, die den Ausführungen und Liedern gebannt gelauscht hatten, wollten am liebsten gar nicht mehr gehen und baten zum Abschluss um eine musikalische Zugabe.