„Wir sind verpflichtet, diese Kirche in die Zukunft zu tragen, ich bin zuversichtlich, dass wir die Renovation hinkriegen“, sagt Werner Dörflinger. Für den 78-jährigen Ex-Bundestagsabgeordneten der CDU ist die Peter-Thumb-Kirche viel mehr als ein Meisterwerk des Spätbarock, das mit millionenschwerem Aufwand saniert werden muss. Sie ist für ihn Herz und historisches Zentrum Tiengens und wie er es nennt, eine Brücke zu dem, was neben dem Irischen wichtig ist.

Auch wenn man es ihr nicht ansah – die Peter Thumb Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt war dringend sanierungsbedürftig.
Auch wenn man es ihr nicht ansah – die Peter Thumb Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt war dringend sanierungsbedürftig. | Bild: Peter Rosa

Kirche weckt Erinnerungen

Und vor allem ist sie für ihn samt Kirchplatz ein Stück Heimat, ein Ort prägender Erlebnisse und bleibender Erinnerungen. „Ich liebe diese Kirche“, fasst er seine Verbindung zur Peter-Thumb-Kirche zusammen. Nur wenige Meter von der Kirche entfernt wuchs er auf. Da wo heute die Sparkasse steht, war sein Elternhaus, die ehemalige Zehntscheuer Tiengens.

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Dass sie abgerissen wurde, schmerzt ihn noch heute. Kirche und Kirchplatz waren ihm und seinen Freunden, allen voran Franz Söffge, beliebter Aufenthaltsort: „Wir spielten Fußball auf dem Kirchplatz, er war allgemein Treffpunkt für viele junge Leute.“ Und wie es sich für echte Lausejungen gehörte, waren sie auch Streichen nicht abgeneigt.

Einmal, erzählt Dörflinger, hätten sie auf dem Kirchplatz den Auspuff des dreirädrigen Goliaths eines Kaplans mit Kastanien zugestopft und so seine Fahrt vor der Sakristei zum Erliegen gebracht. Unvergessen sind Dörflinger auch die riesigen Osterfeuer seiner Kindheit. Drei, vier Meter hoch hätten die Flammen auf dem Kirchplatz gelodert, sodass die Nachbarn Angst vor Funkenflug gehabt hätten.

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Werner Dörflinger war nach seiner Erstkommunion knapp zehn Jahre lang Ministrant. Über 100 Jungs waren sie nach seiner Aussage damals und auch bei den Hochfesten kaum je zu wenige. Und wenn doch einmal, sei er der Ministranten-Notnagel gewesen, weil er nur ein paar Meter bis zur Kirche hatte. Achim Bucher, heutiger Messner, sei damals ihr hochgeschätzter Oberministrant gewesen: „Er war uns eine unbestrittene Autorität und Beispiel für uns alle und für den Dienst an dieser Kirche.“

Neue Glocken in den 50ern

In guter Erinnerung ist Werner Dörflinger auch das Jahr 1950, weil in diesem Jahr neue Glocken angeschafft wurden, um die zu ersetzen, die im Dritten Reich abgehängt und eingeschmolzen wurden. Zuvor hätte die eine verbliebene nur ein jämmerliches Gebimmel von sich gegeben, was den damaligen Pfarrer Eugen Fürstos auf die Idee gebracht hätte, ein volles, wohlklingendes Geläut auf Tonband aufzunehmen und zur Einstimmung auf die Christmette abzuspielen. Mitte der 1970er Jahre wurde die Peter-Thumb-Kirche restauriert.

Innenansicht der Peter-Thumb-Kirche Tiengen. An verschiedenen Stellen zeigten sich seit langem zahlreiche Rissbildungen, das Gewölbe sei aber noch absolut sicher, sodass keine Gefahr bestehe, erläuterte Architekt Axel Völkle.
Innenansicht der Peter-Thumb-Kirche Tiengen. An verschiedenen Stellen zeigten sich seit langem zahlreiche Rissbildungen, das Gewölbe sei aber noch absolut sicher, sodass keine Gefahr bestehe, erläuterte Architekt Axel Völkle. | Bild: Herbert Schnäbele

Werner Dörflinger wurde 1975 Bürgermeister von Waldshut-Tiengen und erinnert sich gut an die Debatten, die das mit der Restaurierung verbundene Ersetzen der Fenster auslöste. Was für die einen Barbarei gewesen sei, wäre für die anderen eine nötige Anpassung an den Barockstil der Kirche gewesen. Heute hängen Teile der ersetzten Fenster im katholischen Gemeindesaal als Schmuck an der Wand. Die damalige überschaubare Sanierung ist nach Aussage Dörflingers, mit der heutigen Generalsanierung nicht zu vergleichen.

Die Sanierungsarbeiten an der Peter-Thumb-Kirche in Tiengen sind im Gange.
Die Sanierungsarbeiten an der Peter-Thumb-Kirche in Tiengen sind im Gange. | Bild: Gregor Müller

Ein Symbol für Beständigkeit

Aber auch damals hätte die Pfarrgemeinde Anteil an den Maßnahmen tragen müssen, nur sei eben alles viel billiger gewesen. Seine über die persönliche Geschichte hinausgehende Verbundenheit mit der Peter-Thumb-Kirche spürt Werner Dörflinger besonders deutlich, wenn er von der Straße nach Breitenfeld aus von oben auf Tiengen und seine Kirche blickt: „Sie ist für mich auch ein Symbol für Dauer und die Kirche insgesamt, die trotz ihrer Fehler Orientierung gibt und Dinge vermittelt, die sonst niemand geben kann.“

Aktionen rund um Mariä Himmelfahrt

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ ist das Thema des Tages des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September. Die katholische Pfarrgemeinde Tiengen veranstaltet in Kooperation mit der Stadt Waldshut-Tiengen, der Aktionsgemeinschaft, der Heinrich-Kaminski-Gesellschaft, der Freunde Schloss Tiengen, der Stadtmusik, der Bürgerzunft und dem Freundeskreis Jüdisches Leben spannende Aktionen am Tag des offenen Denkmals. Von 12 bis 17 Uhr gibt es rund um Kirche, Schloss und Storchentum ein abwechslungsreiches Programm.

Auf dem Kirchplatz: 12.15  bis 13 Uhr: Platzkonzert der Stadtmusik Tiengen; 12.30 bis 16.30 Uhr: Kirchenpuzzle mit 550 Teilen; 14.45 bis 15.30 Uhr: Platzkonzert der Stadtmusik Tiengen; 16 bis 17 Uhr: Bastelwettbewerb „Wer baut die schönste Kirche“.

Bewirtung: Von 12 bis 17 Uhr: wird auf dem Kirchplatz gewirtet, von süß bis herzhaft.

Schloss Tiengen: 12 bis 17 Uhr: „Texte, Töne, Bilder, Worte“: Das Heinrich-Kaminski-Zimmer ist geöffnet; Klettgau-Museum und Jüdisches Zimmer sind ebenfalls geöffnet.

Katholische Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt: 11 bis 12 Uhr: Gottesdienst, 13 bis 13.20 Uhr Bauführung; 13.30 bis 14.15 Uhr: Kirchenführung; 14.20 bis 14.40 Uhr: Bauführung; 15.30 bis 16.15 Uhr: Kirchenführung; 16.30 bis 17 Uhr: Kirche musikalisch erleben.

Jüdisches Leben in Tiengen: 14.30 bis 15.30 Uhr: Führung zu den Stolpersteinen; 14.30 bis 15.30 Uhr: Führung auf dem jüdischen Friedhof.

Der Storchenturm ist für Besichtigungen von 12 bis 17 Uhr geöffnet. In dieser Zeit steht Stadtführer Roland Landwehr mit seinen historischen Kenntnissen interessierten Besuchern zur Verfügung. Im Innenhof des Storchenturms werden historische Szenen schauspielerisch dargestellt. Stadtführer Hubert Baumgartner ist von 12.30 bis 14.30 Uhr dabei. Der Storchenturm ist der einzige erhaltene der ehemaligen fünf Wehrtürmen der früheren Stadtmauer der Stadt Tiengen und ist ein Wahrzeichen der Stadt.

Für Kinder und Familien: 12.30 bis 16 Uhr: Kirchenrallye in der katholischen Stadtpfarrkirche; 13.20 bis 16.30 Uhr Kirchenpuzzle auf dem Kirchplatz; 16 bis 17 Uhr: „Wer baut die schönste Kirche?“, Bastelwettbewerb auf dem Kirchplatz.