Die Tiengener Stadtpfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" ist nach 40 Jahren seit den letzten Reparaturmaßnahmen gleich in mehreren Bereichen dringend sanierungsbedürftig. Dies berichtete Pfarrer Ulrich Sickinger bereits Anfang des Jahres bei der Pfarrversammlung. Der kürzliche Ausfall der Orgel hat den angestrebten Zeitplan der Arbeiten nun aber zusätzlich durcheinandergebracht.

"Das große Ziel ist es, 2019 mit der ersten Etappe zu beginnen", sagt der mit der Planung der Arbeiten beauftragte Architekt Axel Völkle. Die erste Phase umfasse dabei die Sanierung der Außenfassade. Die vor vier Jahrzehnten, Ende der 1970er Jahre, durchgeführten Maßnahmen hätten zwar gut gehalten, mittlerweile herrsche aber Handlungsbedarf, da an mehreren Stellen eindringendes Wasser die Bausubstanz gefährdet, so Völkle.

Eine Abdichtung vor erneutem Eindringen von Wasser sei nur durch eine komplette Einrüstung des Gebäudes möglich. Statische Probleme gebe es zwar keine und die Standsicherheit von Gewölbe und Turm sei gegeben, allerdings werde man die Auflagepunkte der Deckenbalken durch zeitgemäße erneuern. Alleine die Außensanierung wird auf rund 2,1 Millionen Euro geschätzt. Nach Abzug von Zuschüssen und Rücklagen soll die insgesamt bis zu 900 000 Euro umfassende Finanzierungslücke durch Darlehen und Spenden geschlossen werden.

Eigentlich hätte die Restaurierung des Innenraums in den Jahren nach der Außensanierung beginnen sollen, aber "der kürzliche Totalausfall der Orgel hat unseren Zeitplan durcheinandergebracht", berichtet Pfarrer Johannes Gut. Die notwendige Neuanschaffung des 1957 gebauten und bereits seit Längerem als sanierungsbedürftig geltenden Instruments belaufe sich auf rund 600 000 Euro und ist ebenfalls für 2019 angedacht. Bis dahin wird auf eine Behelfsorgel zurückgegriffen. Um die Finanzierungslast zu stemmen, wurde bereits im April der Bauförderverein "Gemeinschaft zum Erhalt der Peter-Thumb-Kirche in Tiengen gegründet.

Peter-Thumb-Kirche

Die barocke Stadtpfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" wurde 1753 bis 1755 vom berühmten Vorarlberger Baumeister Peter Thumb erbaut. Sie besitzt sieben Glocken, die 1962 und 1963 gegossen wurden, die größte von ihnen, "St. Joachim", wiegt über vier Tonnen. Im unteren Turmgeschoss, in dem sich heute die Sakristei befindet, sind Reste von Wandmalereien und Teile eines Sakramentshäuschens vorhanden. Der sichere Nachweis einer kleineren Kirche an dieser Stelle geht auf die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück.

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