Die weltweite Bewegung "Fridays for Future", an der Schüler freitags für mehr Klimaschutz demonstrieren, ist nun auch in Waldshut-Tiengen angekommen. Constantin Berger, Schülersprecher des Kollegs St. Blasien, ruft die Waldshuter Schulen heute zur Kundgebung auf.

"Ich habe im Radio von der Bewegung gehört und wolle nun selbst etwas bewegen", erzählt der 16-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Gemeinsam mit den Schülersprechern des Hochrhein-Gymnasiums Felix Stauber und Leon Straub, habe er dann in allen sozialen Medien sowie mit Plakaten kräftig die Werbetrommel gerührt und weitere Waldshuter Schulen ins Boot geholt.

Vom Viehmarktplatz ziehen die Schüler heute um 11 Uhr durch die Innenstadt, beim Rathaus wollen sie mit einer Kundgebung Präsenz zeigen. Dort werden dann mehrere Schüler sprechen. Berger rechnet mit weit über 600 Teilnehmern, denn allein von der Robert-Schumann-Realschule haben sich 500 Schüler angekündigt. Doch wie sehen es eigentlich die Schulen, dass während des Unterrichtszeit demonstriert wird? Und welche weiteren Vorkehrungen braucht es seitens der Stadt für eine solche Veranstaltung?

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"Ich finde es mehr als richtig, dass die Schüler für ihre Zukunft auf die Straße gehen", sagt Lisa Bosch, Leiterin der Robert-Schumann-Realschule. "Unser Bildungsziel ist die Schüler zu interventionsfähigen, couragierten und aktiven Bürgern zu erziehen". Wenn sie es gut begründen und ein ehrliches Interesse zeigen würden, werde ein Antrag auf Freistellung auch genehmigt. Auch sei es im Fall der Robert-Schumann-Realschule möglich, mit der ganzen Klasse und der Lehrkraft hinzugehen. Ausgenommen seien die zehnten Klassen, die am Freitag Klausuren schreiben.

In der Kaufmännischen Schule wusste man überhaupt nichts von der geplanten Demo, wie Schulleiterin Isabella Schlipphack sagt. Ursprünglich sei geplant gewesen eine solche Demo in Waldshut gleichzeitig mit jener in Bad Säckingen vergangenen Freitag zu veranstalten. Einige ihrer Schüler hätten dort schon letzte Woche teilgenommen. "Es geht nicht, dass jede Woche so etwas stattfindet", so Schlipphack.

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Frank Decker, Leiter der Gewerblichen Schulen, ist der Demo gegenüber grundsätzlich sehr positiv eingestellt. In seiner Rolle als Schulleiter wolle er einerseits, dass der Unterricht stattfindet, andererseits sei er aber auch der Meinung, dass die Schüler durch ihr Handeln Bürgerpflichten wahrnehmen, die im Einklang mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule stehen. Er freue sich darüber, dass sich junge Menschen wieder vermehrt für Politik interessieren.

Der Leiter der Justus-von-Liebig-Schule, Thomas Gehr, wusste bis zur Anfrage unserer Zeitung noch nichts von der anstehenden Demo. "Die Schule ist kein Gefängnis und jeder kann gehen, wann er will", sagt Gehr. Allerdings würden die Schüler nicht extra vom Unterricht freigestellt und müssten daher mit Sanktionen rechnen. Persönlich finde er das Engagement der Schüler für die Umwelt gut.

"Die Eltern wurden vorab in einem Brief über die Thematik informiert", sagt Markus Funck, stellvertretender Leiter des Hochrhein-Gymnasiums. "Ihnen steht es jetzt offen, ihre Kinder für den Zeitraum der Demo zu entschuldigen", so Funck. Dies gelte zwar immer noch als unentschuldigtes Fehlen, werde aber nicht sanktioniert, sofern die Anzahl der Fehltage durch diese Demos im Rahmen von zwei bis drei Tagen bleibe. Persönlich befürwortet Funck als dreifacher Familienvater die Demo. Er sagt aber auch: "Irgendwann muss man da auch einen Punkt setzen. Die Sache kann nicht monatelang so weiter gehen, da sonst der Lehrauftrag darunter leidet".

Fünftausend Schüler streiken in Freiburg für den Klimaschutz.
Fünftausend Schüler streiken in Freiburg für den Klimaschutz. | Bild: Ingo Schneider

Bodo Masuhr, Leiter der Christlichen Schule Hochrhein, ist etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite könne man die Schüler nicht einfach so freistellen, und es müsse ja auch ein gewisser Unterrichtsplan eingehalten werden. Auf der anderen Seite findet er es super, dass sich die Schüler für ihre Zukunft engagieren. Deshalb handhabe die Christliche Schule die Sache so, dass die Eltern ihre Kinder ganz normal für diese Zeit entschuldigen können. "Unsere heutige Gesellschaft ist es einfach nicht mehr gewohnt, dass Leute demonstrieren", sagt Masuhr. "Es ist etwas Wertvolles, dass die Schüler dieses Mittel für sich entdecken und sich somit politisch engagieren".

Geänderte Route

Eine Demonstration muss gemäß Paragraph 14 des Versammlungsgesetzes angemeldet werden. Dies hat Constantin Berger, weil er noch minderjährig ist, gemeinsam mit seiner Mutter beim städtischen Ordnungsamt Waldshut-Tiengen erledigt. Dabei wurde als Sicherheitsauflage die ursprünglich geplante Route des Demonstrationszugs geändert, erklärte Jürgen Wiener, Leiter der Ortspolizeibehörde.

Fridays for Future in Lörrach: Bei einer Schweigeminute für das Klima liegen 730 Schüler auf dem Marktplatz.
Fridays for Future in Lörrach: Bei einer Schweigeminute für das Klima liegen 730 Schüler auf dem Marktplatz. | Bild: Ansgar Taschinski

Eigentlich wollten die Schüler an den Schulen starten, womit es aber im Bereich Friedrich- und von-Kilian-Straße zu Vollsperrungen gekommen wäre, was wiederum zu einer großen Verkehrsbelastung geführt hätte. Die Gefahr für die Teilnehmer der Demonstration sei einfach zu groß gewesen, so Wiener. Als Ergebnis ziehen die Schüler nun vom Viehmarktplatz bis zum Rathaus und weiter zum Oberen Tor. Mit dem Zug durch die Innenstadt komme es nun nur zu kurzzeitigen Sperrungen.

So berichtete diese Zeitung am 21. März 2003 über die Schülerdemo in Waldshut.
So berichtete diese Zeitung am 21. März 2003 über die Schülerdemo in Waldshut. | Bild: SK-Archiv

Vor 16 Jahren gingen Schüler gegen den Irak-Krieg auf die Straße

Nicht zum ersten Mal demonstrierten Schüler in Waldshut für ein Thema, das ihnen am Herzen liegt. Ein Blick zurück auf das Frühjahr 2003.

Gegen den am gleichen Tag begonnenen Irak-Krieg gingen am 20. März 2003 mehr als 1000 Schüler in Waldshut auf die Straße. "Wir sind gegen Krieg" skandierend und mit Anti-Kriegs-Transparenten zogen die Jugendlichen aus Waldshut und Tiengen durch die Waldshuter Innenstadt. Vor dem Rathaus fanden sich die Demonstranten zu einer einstündigen Kundgebung zusammen. Schülervertreter riefen zu Gewaltlosigkeit bei der Lösung des Irak-Problems auf und zur Achtung der Menschenrechte. Am selben Tag hatten die USA die irakische Hauptstadt Bagdad bombardiert und den sogenannten Dritten Golfkrieg begonnen, der bis zum 1. Mai 2003 andauerte. Zu der Friedensdemonstration unter dem Motto "Jugend gegen Krieg" hatten Schüler des Waldshuter Hochrhein-Gymnasiums, der Justus-von-Liebig-Schule, der Realschule, der Gewerblichen und der Kaufmännischen Schulen sowie des Klettgau-Gymnasiums Tiengen aufgerufen. Den ausgefallenen Unterricht mussten die Jugendlichen, nach einer Weisung des Kultusministeriums von Baden-Württemberg später nachholen. (jsc)