Erst knallen die Sektkorken, dann kommen die guten Vorsätze. Abnehmen möchte man – und fitter werden. Wenn da nicht noch fast der ganze Winter bevorstünde – dunkel, nass und kalt. Was in den ersten Stunden des neuen Jahres noch unumstößlich herausposaunt wird, scheitert oft an der Ausrede, dem Bewegungsdrang doch noch ein wenig zu widerstehen. Bis es etwas wärmer ist – nächsten Montag. Fitnessstudio? „Ich zahl doch nicht, um auf der Stelle zu laufen“, sagen viele.

Laut einer von der Techniker Krankenkasse im Jahr 2012 in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage verzichten zwei von fünf Deutschen im Winter gänzlich auf sportliche Betätigung. Dabei ist Bewegung im Freien besonders während der kalten Jahreszeit unter den richtigen Voraussetzungen nicht nur gesund, sie trägt auch wesentlich zum Wohlbefinden bei. In Waldshut-Tiengen sind viele Menschen unterwegs, die dem Frost die kalte Schulter zeigen.

Ein Mittwochmorgen im Winter: Das Thermometer zeigt -7 Grad Celsius. Dennoch joggt der Waldshuter Jürgen Hilpert seine tägliche Runde zwischen Waldshut und Gippingen. „Wenn man die richtige Ausrüstung hat, ist das kein Problem“, sagt der begeisterte Langstrecken-Läufer.

Jürgen Hilpert, 37, aus Waldshut, ist leidenschaftlicher Langstreckenläufer und hält sich fast täglich durch Joggen, Mountainbiken und das Fitnessstudio fit. "Wenn die Kleidung stimmt, dann macht mir auch der Frost nichts aus. Es ist mir wichtig fit zu bleiben und die Bewegung macht einfach Spaß."
Jürgen Hilpert, 37, aus Waldshut, ist leidenschaftlicher Langstreckenläufer und hält sich fast täglich durch Joggen, Mountainbiken und das Fitnessstudio fit. "Wenn die Kleidung stimmt, dann macht mir auch der Frost nichts aus. Es ist mir wichtig fit zu bleiben und die Bewegung macht einfach Spaß." | Bild: Peter Rosa

Aus medizinischer Sicht spricht eigentlich nichts dagegen. „Wenn man gesund ist, ist körperliche Betätigung bis etwa -15 Grad Celsius unbedenklich“, bestätigt der Allgemein- und Sportmediziner Volker Hildebrand aus Wutöschingen. Es sei sogar gesund, da das Immunsystem gestärkt und durch das Tageslicht die Vitamin-D-Produktion angeregt werde. Nur wer krank ist, sollte unbedingt im Warmen bleiben. Hier drohen aufgrund des bereits angeschlagenen Immunsystems Lungenentzündung oder Bronchitis. Schleichende Virus-Infektionen können im schlimmsten Fall sogar zu Herzmuskel-Entzündungen führen. „Man sollte auf das eigene Innere hören und im Zweifel auf Sport verzichten“, sagt Hildebrand. Das A und O ist laut dem Experten die richtige Ausrüstung für die sportliche Aktivität im Winter. Das heißt: Zwiebelprinzip. Thermo-Unterwäsche, Fleece sowie wind- und wasserabweisender Anorak. Dazu Mütze oder Stirnband. Mountainbikern rät er zu einem Brustschutz, um sich vor dem Fahrtwind zu schützen.

Der Bibertreff fährt auch im Winter regelmäßig seine Touren, wie hier beim Halt am Bikepark in Gurtweil.
Der Bibertreff fährt auch im Winter regelmäßig seine Touren, wie hier beim Halt am Bikepark in Gurtweil. | Bild: Peter Rosa

Nicht nur dem Fahrtwind, auch heftigem Schneefall trotzen die Mountainbiker um Olav Jarusel und Robert Haberer beim „Bibertreff“. Die lose Gemeinschaft leidenschaftlicher Freizeit-Mountainbiker macht bei 0 Grad Celsius am Bikepark Gurtweil halt. „Wir fahren bei jedem Wetter aus“, sagt Haberer und lacht, unbeeindruckt vom Schmuddelwetter. Man trifft sich samstags und macht gemeinsame Touren. Start ist bei einem hiesigen Baumarkt (deshalb „Bibertreff“). „Wer Lust hat, kommt. Und der langsamste bestimmt das Tempo“, erklärt Haberer. Auch sie sind mit wetter- und windfesten grünen Winter-Biber-Trikots und teilweise sogar Neopren-Socken ausgestattet. Heute geht es in Richtung Tiengener Städtle.

Robert Haberer, 55, aus Oberlauchringen, fährt mit dem Bibertreff fast jeden Samstag aus. "Von unserer Truppe ist immer jemand zum Fahren da. So hat man es auch im Frühjahr nicht so schwer, wenn man den Winter über die Grundkondition hält, und so sind wir auch auf unsere längeren Touren im Sommer vorbereitet."
Robert Haberer, 55, aus Oberlauchringen, fährt mit dem Bibertreff fast jeden Samstag aus. "Von unserer Truppe ist immer jemand zum Fahren da. So hat man es auch im Frühjahr nicht so schwer, wenn man den Winter über die Grundkondition hält, und so sind wir auch auf unsere längeren Touren im Sommer vorbereitet." | Bild: Peter Rosa

Die Stadt und ihre Umgebung bieten zahlreiche Möglichkeiten, auch im Winter in Bewegung zu bleiben. Neben den Bikeparks in Gurtweil und Homburg empfiehlt die Tourist-Information den Trimm-dich-Pfad beim Waldshuter Wildgehege und den Vitaparcours im Tiengener Bürgerwald. Auch Rhein und Wutach sind beliebte Ziele für Jogger, Biker und Walker. Zu diesen gehören auch Brigitte und Bernhard Walde aus Weilheim. Bei 3 Grad Celsius starten sie heute mit ihren Stöcken eine Tour entlang der Wutach in Tiengen. Die Sonne scheint, aber der Wind ist noch immer frostig. „Wir laufen eigentlich täglich“, sagen sie. „Wir ziehen uns halt gut an.“

Brigitte Walde, 68, aus Weilheim, ist mit ihrem Mann Bernhard oft beim Nordic-Walking an der Wutach in Tiengen unterwegs. "Der Sport macht uns Spaß, es ist uns wichtig, auch im Alter in Bewegung zu bleiben und so gehen wir fast täglich raus. Nur wenn es vereist ist, verzichten wir darauf. Es kann gefährlich sein, wenn man ausrutscht."
Brigitte Walde, 68, aus Weilheim, ist mit ihrem Mann Bernhard oft beim Nordic-Walking an der Wutach in Tiengen unterwegs. "Der Sport macht uns Spaß, es ist uns wichtig, auch im Alter in Bewegung zu bleiben und so gehen wir fast täglich raus. Nur wenn es vereist ist, verzichten wir darauf. Es kann gefährlich sein, wenn man ausrutscht." | Bild: Peter Rosa

Fazit: Viele Waldshut-Tiengener trotzen der Kälte, auch über den üblichen alpinen Wintersport hinaus. Die Region bietet ausreichend Gelegenheiten und hat man sich erst einmal in Bewegung gesetzt, ist es gar nicht so schwer, fit zu bleiben – selbst bei Frost.

Volker Hildebrand, Allgemein- und Sportmediziner aus Wutöschingen.
Volker Hildebrand, Allgemein- und Sportmediziner aus Wutöschingen. | Bild: privat

 

Tipps vom Sportmediziner

  • Sport bei Frost: Bis etwa -15 Grad Celsius ist körperliche Betätigung im Freien unbedenklich. Achten Sie darauf, durch die Nase zu atmen und sich nicht zu verausgaben. Optimal ist eine moderate, gleichbleibende Bewegung. Leichtes Andehnen genügt, aber nicht zu lange, ansonsten droht schon vor der Bewegung das Auskühlen.
  • Vorteile: Bewegung tut grundsätzlich gut und hat in meinen Augen nur Vorteile. Das Immunsystem wird gefordert und gestärkt. Das Tageslicht, welches im Winter ohnehin knapp ist, fördert zudem die Vitamin-D-Produktion des Körpers, welche sich positiv auf den Kalzium-Stoffwechsel der Knochen und das Wohlbefinden im Allgemeinen auswirkt.
  • Gefahren: Verzichten Sie bei grippalen Infekten oder anderen Krankheiten unbedingt auf Sport bei Kälte. Das Immunsystem ist dann bereits geschwächt und es drohen Reizhusten oder im schlimmsten Fall sogar Bronchitis, Lungen- und Herzmuskelentzündungen. Achten Sie auch auf Vereisungen. Hier droht Sturzgefahr. Wer Piercings oder Ohrringe trägt, sollte diese entfernen oder abdecken. Durch den Kontakt der Haut mit dem kalten Metall kann es zu punktuellen Erfrierungen kommen.
  • Ausrüstung: Verwenden Sie das Zwiebelprinzip. Schweiß- und feuchtigkeitsabweisende Funktionsunterwäsche als Innenschicht, darüber ein Fleece, das Feuchtigkeit aufsaugt und darüber wind- und nässeabweisende Anoraks als Außenschicht. Bis zu 50 Prozent der Körperwärme wird über den Kopf abgestrahlt, deshalb sind Mütze oder Stirnband zu empfehlen, Handschuhe zum Schutz der Hände und festes Schuhwerk. Außerdem empfiehlt sich bei strengem Frost ein Tuch oder Schal vor dem Mund und bei schnellerem Tempo ein Brustschutz. (ros)