Oben, im Schmitzinger Gemeindesaal, geht es wieder rund. Schon an der Eingangstür hört man die Regieanweisungen. Auf dem Programm steht „Die unwürdige Seniorin“ nach einer Kalendergeschichte von Bertolt Brecht. Daraus hat die Gruppe in eigener Regie ein Theaterstück geschrieben, den Inhalt und das Vokabular aktualisiert und das Stück mit abwechslungsreichen und humorvollen Passagen in Szene gesetzt. Premiere ist am Samstag, 27. Oktober, 18 Uhr, im Schlosskeller Tiengen.

Brecht (1898 bis 1956) nannte seine Geschichte die unwürdige „Greisin“, eine Vokabel, die den älteren Menschen in der heutigen Zeit in keiner Weise mehr gerecht wird. „Das Ganze läuft auf die Erkenntnis raus, dass das Alter auch eine Chance bedeutet, seinem Leben eine neue Richtung zu geben und einiges nachzuholen, was bisher nicht möglich war“, so interpretiert Rita Maier das Stück. Für die Senioren ihrer Gruppe sei es eine große Herausforderung gewesen, auszuloten, was noch geleistet werden kann und was nicht mehr geht. Daher dürften die, die noch eine Stütze brauchen, ihr Rollenheft in den Händen halten.

„Für uns ist außerdem ein Anliegen zu zeigen, dass man auch im Alter noch gefordert werden kann und auch noch einiges zu leisten vermag“, so die Regisseurin. Der Inhalt des Stückes: Den größten Teil ihres Lebens erfüllt die „unwürdige Seniorin“ ihre Rolle als Frau, Ehefrau und Mutter. Erst in ihrem dritten Lebensabschnitt besinnt sie sich neu auf ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche, kostet das Leben aus – und verursacht damit in ihrem Umfeld einen gewaltigen Eklat.

Gerlinde König spielt die Hauptrolle, die Seniorin, Bärbel Ziess die vorlaute Enkelin, Konstanze Siebler die Lieblingstochter, Walter Rüttimann den kränklichen Sohn, Marlies Biema die überforderte Schwiegertochter, Franz Matt den erfolgreichen Unternehmersohn, Eva von Netzer die verrufene Jenny, Lore Hüppi die aufmerksame Wirtin und Irmgard Deichel die einfühlsame Erzählerin. Zum Finale stimmt die Gruppe eine Persiflage auf das Alter an, pantomimisch untermalt werden dabei die großen und kleinen Beschwerden der älteren Generation.