Vor allem aber gibt es „die Post“ gar nicht mehr. Diese bittere Pille musste jüngst auch ein Schweizer Kunde schlucken, als er die Waldshuter Post-Fili... – äh ganz falsch, es heißt nämlich hoch-offiziell „Postbank Finanzcenter“ – aufsuchte. Der Mann wollte 500 Druck-Sendungen zum Lauf durch eine Frankiermaschine abgeben. Doch von der anderen Seite des Schalters tönte es: „Das geht nicht. Da müssen Sie jeweils Briefmarken im Wert von 1,55 Euro drauf kleben.“

Der Eidgenosse war sprachlos: „Ja bin ich denn hier nicht bei der Post????“ Und fühlte sich ob der Auskunft „Nein, die Post gibt es nicht mehr!“ komplett im falschen Film. Er hatte drei Anrufe bei der Auskunft hinter sich, wo man ihm den Gang mit seinen 500 Drucksachen in die vermeintliche Post-Filiale Waldshut empfohlen habe. Doch nach dem Ausflug über den Rhein war er in Sachen Frankiermaschine dennoch auf dem falschen Dampfer. „So was gibt es bei uns nicht“, so die Auskunft von jenseits des Schalters. Auf Schweizer Seite kippte die Fassungslosigkeit in Wut um. Die wurde durch das gut gemeinte Angebot von DIN-A-4-Formularen für die Anmeldung von Sonder-Frankierungen dann noch mehr befeuert: „Ganz sicher nehm‘ ich jetzt nicht noch Post-Formulare mit heim – die deutsche Post kann mich mal!“ Sprachs, schnappte die 500 Drucksachen und stapfte aus der Filiale „von was auch immer“.

In diesem Fall ist die Post leider nur verbal abgegangen. Das schwarze Posthorn auf gelbem Quadrat ziert zwar auch heute noch die Fassade der Filialen, doch besser ist der postalische Service nach der Privatisierung nicht geworden. Und ganz ehrlich: Dass sich ein Eidgenosse 551 Jahre nach der erfolglosen Belagerung der Waldstadt hier erneut eine Abfuhr eingehandelt hat, wird selbst eingefleischte Waldshuter nicht wirklich glücklich machen...