Herr Müller-Bornemann, warum haben Sie im Ruhestand wieder angefangen, zu rudern und was gibt es Ihnen?

Als ich in Rente ging, sagte ich mir, ich muss mehr für meine Gesundheit und Fitness tun und rudern ist hierfür ideal. Außerdem bin ich gern sportlich aktiv. Ich mache zum Beispiel jedes Jahr das Sportabzeichen, 30 goldene habe ich sicher schon. Die zwölf Jahre, die ich jetzt schon rudere, haben mich fitter und widerstandsfähiger gemacht und wie damals als Jugendlicher in der Schülermannschaft, macht es mir großen Spaß. Rudern ist für mich ein Stück Lebensqualität. Außerdem habe ich es nicht weit von meinem Zuhause aus bis zu unserem Bootshaus.

Sind Sie der älteste Ruderer im Verein?

Ja, ich bin im Moment der älteste im Kreis der aktiven 70plus-Ruderer, das sind einige, sowohl bei den Männern wie den Frauen. Insgesamt sind wir rund 250 Mitglieder, darunter auch ein paar, die älter als ich sind, aber nicht mehr rudern.

Sie sagen, Rudern ist ideal für die Gesundheit und Fitness, warum?

Der ganze Körper, alle Muskeln werden beansprucht: Arme, Oberkörper, Hände, Beine, Zehen, mit denen zieht man sich auf dem Rollsitz nach vorne. So einfach wie es aussieht, ist es aber nicht. Man muss viele Bewegungen koordinieren. Man braucht Konzentration, Ausdauer, Kraft und auch Gleichgewichtsgefühl, weil die Boote schmal sind. Und abgesehen vom Einer, braucht man auch Teamgeist. Wenn man nicht harmonisch als Team rudert, ist man nie schnell und das Boot wird unruhig.

Ist Ihnen schon einmal etwas passiert?

Im Zweier war ich schon ein Mal auf Kollisionskurs mit einem anderen Boot und bin ins Wasser gefallen, man lernt aber, auch wieder rein ins Boot zu kommen. Wenn man in einem ungesteuerten Boot, also ohne Steuermann unterwegs ist, sieht man nicht, wohin man fährt. Wenn viele Boote auf dem Wasser sind, können Kollisionen deshalb schon mal passieren. Wir müssen im Sommer besonders auf die Motorboote aufpassen und die Fähre, die immer Vorfahrt hat. Es ist auch schon vorgekommen, dass die Schwinge eines Schwans von Ruderblättern einen leichten Klaps bekommen hat. Grundsätzlich sind Unfälle aber eher selten.

Und Verletzungen?

Die kommen auch selten vor. Man kann es höchstens beim Boot Heben im Kreuz bekommen. Anfänger bekommen vielleicht etwas Muskelkater und, bis sich Hornhaut gebildet hat, ein paar Schwielen und Blasen an den Händen.

Wo rudern Sie denn gewöhnlich?

Das Gebiet des Wassersport-Vereins Waldshut ist zwischen der Aaremündung und dem Stauwehr Dogern. Das sind die Strömung rauf und runter rund zwölf Kilometer. Man braucht dafür im Schnitt rund eineinhalb Stunden, einschließlich Pause zum Durchatmen und Nase putzen.

Ich habe gelesen, Sie stehen mit 2600 Ruderkilometern im Vereinsjahr 2018 an der Spitze, einmal die Woche rudern reicht da aber nicht, oder?

Nein, aber es macht mir so viel Spaß, dass die Kilometer von ganz alleine kommen. Ich bin drei bis vier Mal die Woche ein bis zwei Stunden auf dem Rhein. Es sind feste Termine, meistens zwischen 8 und 9 Uhr morgens, zu denen jedes Mitglied kommen kann. Wir rudern das ganze Jahr über auf dem Rhein. Im Sommer auch abends. Nur bei Hochwasser oder extremen Wetterbedingungen wie Sturm ist es nicht möglich. Rudern in Waldshut ist ein Ganzjahressport.

Erzählen Sie noch ein bisschen vom Wassersport-Verein Waldshut.

Wir haben rund 20 Boote im Breitensport, alle Größen, Einer, Zweier, Dreier, Vierer, Achter, einige Mitglieder haben auch Privatboote. Man kann rudern oder paddeln als Hobby oder in einer Rennmannschaft. Wir können sportlich gut mithalten, letztes Jahr hatten wir sogar einen Vizemeister. Wer aus dem Rennalter hinaus gewachsen ist, kann bei Masterrennen mitmachen. Ich habe mit 75 noch bei einem Master im Achter mitgerudert. Wir machen auch Wanderfahrten, zum Beispiel auf dem Zürichsee, und Mondscheinfahrten, die immer sehr schön sind.

Und wie man bei Ihnen sieht – es ist nie zu spät, um neu oder wieder anzufangen.

Ja, einzige Bedingung ist, man muss ins Boot kommen. Anfangen kann man so mit 13, 14 Jahren. Man braucht eine gewisse Körpergröße. Jedes Jahr finden Anfängerkurse statt. Und günstig ist es auch. Für 180 Euro im Jahr darf man alles mitmachen, in meinem Münchner Verein zahle ich deutlich mehr.

Ans Aufhören verschwenden Sie keine Gedanken?

Solange die Natur mich nicht ausbremst und meine Fitness reicht, rudere ich. Solange ich noch ins Boot komme, mache ich weiter.

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