Frau Schätzle, als ausgewiesenes Merkel-Double haben Sie derzeit vermutlich alle Hände voll zu tun, um ihr Programm dem Verlauf der Koalitionsverhandlungen anzupassen. Oder machen Sie auf der Bühne Ihre eigene Politik?

Ja, es ist wirklich grade eine spannende Zeit. Selbstverständlich werden die aktuellen politischen Ereignisse immer ins Programm aufgenommen. Aber Kabarett will natürlich auch zuspitzen, belustigen und die Dinge neu beleuchten.

Wenn die Bundestagswahl anders ausgegangen wäre – hätten Sie eine Alternative zu Angela Merkel als Alter Ego, wenigstens im Geiste?

Das Programm besteht ja nicht nur aus Merkel-Parodie. Das neue Programm „Früher war nix to go“ wird von Marianne Schätzle gespielt und ist nur am Rande politisch. Frau Merkel hat nur einen kleinen Anteil am Programm.

Ihr Programm zeigt mehr als Raute und farbenfrohe Jacketts. Laut Programmtitel sind Sie der Meinung „Früher war zwar vieles besser – heute ist dafür alles lustiger!“ Können Sie dafür Beweise anführen?

Ja schauen Sie, wir sind doch immer am Jammern, aber noch nie ist es uns so gut gegangen wie heute, zumindest den meisten. Wir jammern auf hohem Niveau. An vielen Stellen im neuen Programm wird der Bogen zur heutigen Zeit auf sehr lustige und witzige Art gespannt. Lassen Sie sich überraschen.

Die Kabarettistin Marianne Schätzle baut auch in ihr neues Programm einen Auftritt von "Angela Merkel" ein. Hier die Kabarettistin im farbenfrohen Jackett vor dem Reichstag in Berlin.
Die Kabarettistin Marianne Schätzle baut auch in ihr neues Programm einen Auftritt von "Angela Merkel" ein. Hier die Kabarettistin im farbenfrohen Jackett vor dem Reichstag in Berlin. | Bild: Marianne Schätzle

Der moderne Zeitgeist weht durchs Programm. Was regt Sie heutzutage am meisten auf?

Es wird von uns allen eine schnelle Anpassung in allen Lebensbereichen gefordert. Da hat man manchmal das Gefühl nicht mehr Schritt halten zu können. Aber wir sollten uns davon nicht verrückt machen lassen, sondern den Veränderungen positiv entgegensehen. Schon immer in der Geschichte gab es große Veränderungen, mit denen die Menschen klar kommen mussten.

Und was möchten Sie nicht mehr missen?

Die Freiheit, dass ich heute die Möglichkeit habe, als Kabarettistin durch die Lande zu ziehen. Meine Mutter hätte diese Möglichkeit nicht gehabt.

Sie treten auch an Fastnachtsveranstaltungen auf. Wo kann man Sie im kommenden Jahr sehen?

Momentan sind Bühnenauftritte auf vielen Kleinkunstbühnen in ganz Baden-Württemberg und einige Firmenevents bundesweit geplant.

Sie sind ja ursprünglich aus dem Klettgau. Da ist eine Laufbahn als Kabarettistin nicht unbedingt vorprogrammiert. Wie kam es zu dieser Berufswahl?

Da haben Sie wohl recht. Aber auch in Grießen gab es immer an Dreikönig eine Theateraufführung. Das hat mich als Kind immer sehr beeindruckt. Es war wohl eher ein Zufall, dass ich zu einer Kabarettgruppe in Konstanz gestoßen bin, mit welcher ich über zehn Jahre auf der Bühne gestanden habe. Es ist aber auch die Freude an immer neuen Texten und Ideen, um die Leute zu unterhalten.

Zur Person

Marianne Schätzle ist im Klettgau aufgewachsen und lebt seit dreißig Jahren im Hegau. Sie liebt es immer wieder neue Stücke zu schreiben und diese dann auf der Kabarettbühne zu präsentieren, sehr gerne auch in Mundart. Sie ist seit vielen Jahren auf der Kabarettbühne in verschiedenen Rollen zu sehen. Seit über zehn Jahren schlüpft sie als „Angela die Zweite“, in die Rolle der Bundeskanzlerin und erzählt Geheimes und Amüsantes direkt aus Berlin. Auch in ihrem neuen Programm „Früher war nix to go“ hat die Kanzlerin einen Auftritt. Am 20. Januar, 20 Uhr, im Ali-Theater in Tiengen, Infos: www.ali-theater.de