In Matthäus 14, 22-33, berichtet die Bibel von Jesus, der auf dem See Genezareth wandelt, zu seinen in Wind und Wellen treibenden Jüngern ins Boot steigt, worauf der Sturm sich legt. Teil eins dieses Beispiels nacheifern wollte Anfang September vor 30 Jahren ein 28-jähriger Mann am Rheinübergang zwischen Waldshut und Koblenz/Schweiz.

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Wie allen sich an diesem Wunder versuchenden Menschen vor ihm gelang ihm das Wasserwandeln jedoch nicht. Der 28-jährige Mann tauchte an einem Samstag eine Stunde vor Mitternacht von Waldshut kommend ohne Ausweispapiere vor den Schweizer Zöllnern auf. Er hatte lediglich eine Wohnortbescheinigung der Hansestadt Hamburg in der Tasche – und eine Bibel in der Hand.

Zum zweiten Mal auf der Erde

Die verdutzten Beamten überraschte er mit der Schilderung, bereits zum zweiten Mal auf Erden zu weilen und von Jesus in die Schweiz gesandt worden zu sein. Hier gedenke er rund drei Wochen Ferien zu machen. Diesen Wunsch wollten die Schweizer dem 28-Jährigen jedoch nicht erfüllen, zumal es ihm auch an Geld mangelte. Sie begleiteten ihn zurück über die Brücke und übergaben ihn den deutschen Kollegen.

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Denen erklärte der Mann, inzwischen „noch einmal mit Gott gesprochen“ zu haben. Wenn man ihn nicht über die Brücke lasse, so werde er wie Jesus übers Wasser wandeln. Sprach‘s und verschwand. Keiner konnte sich vorstellen, der Mann würde mit der von ihm angekündigten Reiseroute ernst machen.

Vor 30 Jahren wollte ein 28-Jähriger von Waldshut nach Koblenz wie Jesus über das Wasser des Rheins wandeln.
Vor 30 Jahren wollte ein 28-Jähriger von Waldshut nach Koblenz wie Jesus über das Wasser des Rheins wandeln. | Bild: Schlichter, Juliane

Bibel schützt bei der zweiten Rheinüberquerung

Doch genau das tat er. Kurz nach Mitternacht alarmierten Passanten den Schweizer Zoll über einen 100 Meter unterhalb der Rheinbrücke am Schweizer Ufer herumirrenden Mann, tropfnass und nur mit Unterhose bekleidet. Die über den Kopf gehaltene Bibel habe ihn beschützt, klärte der Rheinüberquerer die Zöllner auf, die ihn ein zweites Mal ihren deutschen Kollegen übergaben.

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Und alle waren sich einig: Bei seiner „göttlichen Mission“ muss dem geistig verwirrten Mann ein äußerst aufmerksamer Schutzengel zur Seite gestanden haben. Krankenhaus und Psychiatrie waren dann die letzten beiden Stationen der Odyssee.