Wer sich heutzutage mit den noch vor 25 Jahren geltenden Ladenschlusszeiten befasst, der meint, einen Blick in die Steinzeit der Dienstleistungsgesellschaft zu tun: Über die Mittagszeit geschlossen, dann wieder, aber nur bis 18.30 Uhr, geöffnet. Länger nicht. Und alle hatten sich dran gewöhnt. Die Ladenschlusszeiten galten wie in Stein gemeißelt.

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Bis zum 5. Oktober 1989. Es war der Tag des bundesweit ersten Dienstleistungsabends, den Kunden und Geschäftsleute auch am Hochrhein mit Spannung erwarteten. Denn Geschäfte wie auch Behörden konnten ab jetzt jeden Donnerstag bis 20.30 Uhr und damit zwei Stunden länger geöffnet haben. Die große Frage dabei war: Wie viele Läden zwischen Bad Säckingen und Tiengen machen tatsächlich mit, wie viele Kunden frequentieren bis 20.30 Uhr die Städte?

Glaubenskrieg unter den Einzelhändlern

Was schon Wochen zuvor zu einer Art Glaubenskrieg unter den Einzelhändlern geführt hatte. Die einen sahen eine Chance, die anderen nur Probleme mit den bis dahin festgezurrten Arbeitszeiten ihres Personals. Während die Einzelhandelsorganisationen in Tiengen, Laufenburg und Bad Säckingen den Dienstleistungsabend grundsätzlich ablehnten, wagte der Werbe- und Förderungskreis Waldshut den Sprung ins kalte Wasser. Mit Zeitungsinseraten „Waldshut nimmt sich Zeit für Sie“ propagierte der W+F den Dienstleistungsabend, obwohl klar war, dass nicht alle Geschäfte mitmachen würden – auch nicht die damaligen zwei Kaufhäuser in der Kaiserstraße.

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Und dann kam er, dieser erste Dienstleistungsabend. Tatsächlich beteiligte sich in Waldshut etwa die Hälfte der Geschäfte und die Kundenfrequenz stellte die meisten von ihnen zufrieden. Wobei ein Händler meinte: „Ein neugeborenes Kind kann auch noch nicht laufen.“

Heute kann täglich Dienstleistungsabend sein

Das Kind ist inzwischen erwachsen. Seit Aufhebung der Ladenschlusszeiten, die auch die Öffnung der Geschäfte über die Mittagszeit und bis spätabends mit sich brachte, kann jetzt sogar täglich Dienstleistungsabend sein. Und auch das hat sich eingespielt: Jeder Händler öffnet sein Geschäft, wie er es für richtig hält – für sich und seine Kunden.

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