Ihr Beruf ist es, Eltern durch die wohl aufregendste Zeit ihres Lebens zu begleiten. Im Landkreis Waldshut werden Menschen wie sie gesucht, denn es zeichnt sich ein Engpass in der Hebammenversorgung ab. „Es äußert sich dadurch, dass Frauen in den Tagen nach der Geburt zu Hause sind, und nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen“, sagt Gudrun Römer. Sie selbst ist seit 2001 freiberufliche Hebamme, im Frühjahr wurde sie im Hebammenverband zur Vorsitzenden im Kreis Waldshut gewählt. Im Jahr 2016 nahmen 1306 Frauen die Hilfe bei der Vor- und Nachsorge in Anspruch. Über das Jahr fanden 1618 Geburten statt, damit erhielten 80 Prozent der Familien Beistand durch eine Hebamme. Aufgeteilt ist der Landkreis in sechs Bezirke, insgesamt bieten 18 freiberufliche Hebammen eine Betreuung an.

Abdeckung schwankt je nach Bezirk

Ob die Unterstützung tatsächlich gewährleistet werden kann, schwankt je nach Bezirk. Sogar in den Stadtteilen gibt es Unterschiede. In Waldshut West und Dogern sei die Abdeckung schwach und liege bei 60 Prozent, so Römer. Im Bezirk St. Blasien und Bernau liegt die Betreuungsrate knapp unter 70 Prozent. Demgegenüber stehen Gemeinden, in denen eine fast hundertprozentige Abdeckung gegeben ist. Beispielsweise im Klettgau, begründet durch die in Lauchringen ansässige Hebammenpraxis.

Besonders in der Nachsorge nimmt der Umfang einer Betreuung zu. Das liegt an den kürzer werdenden Verweilzeiten nach der Geburt im Krankenhaus. Nach einer normalen Geburt ist eine Entlassung am dritten Tag, nach einem Kaiserschnitt am fünften Tag vorgesehen. Ein paradoxer Zustand: Mütter werden früher nach Hause entlassen, während in manchen Gebieten die häusliche Versorgung kaum gewährleistet werden kann. „Nicht nur freiberufliche Hebammen werden gesucht, auch in den Kliniken werden mehr Geburtshelfer benötigt“, sagt Römer.

Gudrun Römer ist für den Landkreis Waldshut die Vorsitzende im Hebammenverband. Für sie ist es wichtig, dass die Auszubildenden immer einen Ansprechpartner zur Seite gestellt bekommen.<sup></sup><em>Bild: Julian Kares</em>
Gudrun Römer ist für den Landkreis Waldshut die Vorsitzende im Hebammenverband. Für sie ist es wichtig, dass die Auszubildenden immer einen Ansprechpartner zur Seite gestellt bekommen. | Bild: Julian Kares

„Es gibt nicht nur schöne Geburten"

Der Gesundheitsausschuss im Kreistag nahm sich der Problematik an. Mit einem finanziellen Beitrag zur Ausbildung will der Landkreis junge Frauen ermuntern, in den Beruf einzusteigen. Die nächstgelegenen Hebammenschulen befinden sich an Kliniken in Freiburg und in Villingen-Schwenningen. Ein Fahrtengeld soll gewährleisten, dass die Verbindung zum Landkreis während der Ausbildungszeit bestehen bleibt. Verknüpft ist damit die Hoffnung, dass sich der Nachwuchs später im Kreis Waldshut niederlässt.

Die dreijährige Ausbildung zur Hebamme wird vergütet. Gudrun Römer freut sich über den Zuschuss und sieht einen weiteren Schlüsselpunkt in der persönlichen Berührung von tätigen Hebammen und Auszubildenden: „In der Klinik gibt es hohe Belastungen im Kreißsaal, es gibt nicht nur schöne Geburten. Wir wollen Erfahrungen austauschen und Rat geben, daher gibt es eine Hebamme als Mentor in den Bezirken.“ Welche dramatischen Folgen eine Unterversorgung haben kann, hat Römer selbst schon erlebt.

Durch die zufällige Ansprache einer Nachbarin wurde sie auf eine Frau aufmerksam, die keinen Beistand durch eine Hebamme in Anspruch nahm. Die 39-Jährige bot ihre Hilfe an und stellte beim Baby eine bedrohliche Form der Gelbsucht fest. Es sei ein Beruf, der eine solche Verantwortungsbereitschaft verlange, sagt Römer. Sie selbst hat sich aus diesem Grund den Beruf der Hebamme ausgesucht.

Die Hebammenförderung

Der Landkreis stellt 400 Euro pro Auszubildende und Halbjahr für die Fachliteratur und die Fahrkosten zur Verfügung. 2018 für zwei, ab dem Jahr 2019 für vier angehende Hebammen. Das Geld soll bis zum Ende der dreijährigen Ausbildung bezahlt werden. Der Hebammenverband will dafür sorgen, dass die jungen Frauen einen Teil der praktischen Ausbildung im Landkreis absolvieren können. Die wichtigste Fördervoraussetzung besteht darin, dass die Auszubildenden aus dem Landkreis Waldshut stammen oder eine andere feste Verbindung zum Kreis besteht.

Für Informationen zum Beruf der Hebamme oder zur Auszubildendenförderung steht Gudrun Römer, Kreisvorsitzende des Hebammenverbands Waldshut, zur Verfügung: hebamme.gudrunroemer@gmail.com