Frau Schäuble, Sie kandidieren wieder für die Pfarrgemeinderatswahl der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena am 22. März. Bereits vor fünf Jahren haben Sie sich zum ersten Mal als Kandidatin aufstellen lassen. Warum hatten Sie sich damals dazu entschlossen?

Ich bin schon längere Zeit in der Pfarrgemeinde engagiert, dabei vor allem im Bereich Musik aber auch als Gottesdienstleiterin. Es ist ja in vielen Bereichen so, dass man Ehrenamtliche sucht und dabei fängt man in der Regel bei Leuten an, die man kennt und die sich schon engagieren. Und so bin ich angesprochen worden und habe mich dann aufstellen lassen.

Und das erfolgreich. Wie haben Sie die vergangenen fünf Jahre erlebt?

Es war spannend, weil die Pfarrgemeinden 2015 ja in eine große Seelsorgeeinheit zusammengelegt wurden. Da musste man sich erst einmal ein wenig zusammenfinden und zusammenwachsen, um eine Einheit zu bilden. Und das hat sehr gut funktioniert.

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Hatten Sie das Gefühl als Pfarrgemeinderätin etwas bewirken zu können?

In unserer Seelsorgeeinheit ist es so, dass aus jeder der sechs Pfarrgemeinden jeweils drei Pfarrgemeinderäte gewählt werden. Das ist auch gut so, denn ein Pfarrer hat den Überblick über das Große, wir als Pfarrgemeinderäte stellen eine Art Bindeglied zwischen Pfarrer und den Mitgliedern der Pfarrgemeinde. So haben wir in Lauchringen beispielsweise nachgefragt, weshalb es kein Osterfeuer bei der Auferstehungsfeier mehr gab. Das sind zwar nur Kleinigkeiten, aber den Menschen ist es wichtig. Jede Pfarrei hat ja seine eigene Dynamik und das ist auch unser Ziel, diese zu bewahren – auch in diesem Großen.

Wie viele Wahlberechtigte gibt es in der Seelsorgeeinheit?

In Oberlauchringen sind es etwa 1200 und in der gesamten Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena sind es circa 11200 Wahlberechtigte.

Wie schwer war es, Kandidaten zu finden?

Das war ziemlich schwierig. Viele Menschen haben keine feste Bindung mehr zur katholischen Kirche. Gerade Jüngere gehen nicht mehr regelmäßig jeden Sonntag zur Kirche. Somit wollen sie sich auch nicht im Pfarrgemeinderat engagieren. Aber gerade diese Personen wären wichtig in diesem Gremium, um die Zukunft mitzugestalten. Wir brauchen junge Menschen, die bereit sind ihre Sichtweise und ihren Glauben mit einzubringen.

Woran liegt es, dass die Bindung zur katholischen Kirche schwächer wird, selbst hier auf dem Land?

Ich denke, das liegt vielleicht an der Individualisierung des Einzelnen. Man hat einfach nicht mehr das Bedürfnis, in die Kirche zu gehen, schläft am Sonntag auch mal gerne aus oder frühstückt mit der Familie. Die junge Generation ist mehrheitlich auch nicht mehr so erzogen worden, dass es Pflicht ist, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Hinzu kommt der gesamtkatholische Zustand mit seinen Skandalen. Aber wir leben ja hier vor Ort und versuchen hier, unsere Gemeinde zu gestalten und unseren Glauben. Und dafür ist eben auch der Pfarrgemeinderat mitverantwortlich.

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Wann kam der intensive Kontakt zur Kirche bei Ihnen dann zustande?

Mein Engagement kam vor allem über meine Kinder und die Musik. Als es in einem Erstkommunionsgottesdienst außer den klassischen Liedern mit Orgelbegleitung keine Musik gab, habe ich Leute zusammengesucht und eine kleine Musik-Gruppe gebildet. Daraus sind regelmäßig gestaltete Gottesdienste entstanden und später der Kinder-und Jugendchor Soleil.

Was bedeutet Musik für Sie?

Musik begleitet mich schon mein gesamtes Leben. Gesungen habe ich immer schon gern, und als Kind habe ich dann Gitarre spielen gelernt. Inzwischen habe ich eine Ausbildung der Erzdiözese als Kinderchorleiterin absolviert. Heute bin ich Leiterin vom Kinder- und Jugendchor Soleil, und arbeite mit an der Singschule DoReMi. Ich singe auch gerne im Kirchenchor. Für mich gehört die Musik mit zum Glauben.

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Jetzt gab es speziell in Lauchringen Gläubige, die sich für Maria 2.0 eingesetzt haben. Sie auch?

Ich stehe da voll dahinter und finde, dass auch Frauen für alle Ämter in der Kirche zugelassen werden sollten. Wir sprechen immer von Gleichberechtigung und das alle Menschen vor Gott gleich sind, nur unsere katholische Kirche sieht das anscheinend anders.

Glauben Sie, dass ein Umdenken in absehbarer Zeit stattfinden wird?

Das ist schwer zu sagen, denn ein Wandel braucht Zeit. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche. Deshalb kann ein Wandel vermutlich nicht in allen Ländern gleich schnell stattfinden.

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Welches Projekt steht für die Seelsorgeeinheit in diesem Jahr noch an?

Wir werden zum ersten Mal einen Stand an der Hochrhein-Messe in Tiengen haben. Wir haben uns im Gesamtpfarrgemeinderat dazu entschlossen, weil in unsere Kirchen immer weniger Menschen kommen. Deshalb wollen wir zu den Menschen gehen. Und die Hochrhein-Messe ist ein Ort, an dem wir viele erreichen können. Wir wollen zeigen, dass die katholische Kirche nicht nur aus Gottesdiensten und Skandalen besteht, sondern aus vielem mehr, wie zum Beispiel den karitativen Einrichtungen. Das ist heute vielen Menschen nicht mehr bewusst. Gebe es keine Steuereinnahmen, würde auch eine Caritas irgendwann nicht mehr funktionieren. Wir haben während der Messe-Tage unterschiedliche Mottos, wie zum Beispiel die Pflegenden Hände, am zweiten Tag steht die Musik im Fokus und am dritten Tag geht es um die Familie. Das ist ein großes Projekt für uns, aber wir freuen uns sehr darauf.