Die Waldshuter Glasgroßhandlung und Glasschleiferei Bornhauser + Schmid schließt 125 Jahre nach ihrer Gründung für immer. 61 Mitarbeiter verlieren zum 31. Mai ihre Jobs. Mit der strategischen Geschäftsaufgabe reagiere man auf das sich stark verändernde Marktumfeld bei Glasanwendungen im Innenbereich, so ein Sprecher des Schweizer Mutterkonzerns Glas Trösch, zu dem B+S seit 2012 gehört. Trotz großer Anstrengungen sei es nicht gelungen, ein nachhaltig positives Resultat zu erwirtschaften, so ein Unternehmenssprecher.

„Faszination Glas“ bald nicht mehr in der Schmittenau: Zum 31. Mai schließt nach 125 Jahren die Firma Bornhauser und Schmid.
„Faszination Glas“ bald nicht mehr in der Schmittenau: Zum 31. Mai schließt nach 125 Jahren die Firma Bornhauser und Schmid. | Bild: Bornhauser und Schmid

Zahlreiche Investition helfen nicht

Das Waldshuter Traditionsunternehmen habe bereits seit dem Kauf im Jahr 2012 ausschließlich negative Ergebnisse erzielt und das trotz umfangreicher Investitionen: Im Sommer 2017 wurde die Produktpalette durch die Anschaffung eines Facetten- und eines Sandstrahlautomaten erweitert. Im April 2018 wurde in zwei einseitige Schleifmaschinen investiert.

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Durch die Übernahme der Logistik für Freiburg konnten Synergieeffekte genutzt und Ergebnisverbesserungen erzielt werden. Die Lieferfrequenz wurde durch die Anschaffung eines zusätzlichen Lastwagens erweitert. Das Unternehmen konzentrierte sich mit der Einstellung eines zusätzlichen Außendiensts zudem verstärkt auf den Vertrieb.

Geschlossen wird die Glasgroßhandlung Bornhauser und Schmid, hier eine Aufnahme aus der Lagerhalle.
Geschlossen wird die Glasgroßhandlung Bornhauser und Schmid, hier eine Aufnahme aus der Lagerhalle. | Bild: Bornhauser und Schmid

Unternehmen schreibt weiter rote Zahlen

Doch auch der seit Anfang 2017 tätige neue Geschäftsführer und die im Jahr 2018 erreichten Ergebnisverbesserungen konnten den Betrieb am Ende nicht aus den roten Zahlen holen. Und auch für die Zukunft sieht man die wirtschaftlichen Voraussetzungen für Bornhauser + Schmid bei Glas Trösch alles andere als gut – trotz der nahen Schweiz als Exportziel. Zum einen seien in den vergangenen Jahren viele deutsche, aber auch internationale Mitbewerber der Glas-Branche auf den profitablen Export-Zug Richtung Schweiz aufgesprungen.

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Firmen aus Asien beherrschen zunehmend den Markt

Viele von ihnen – zum Beispiel Hersteller aus Fernost – haben geringere Produktionskosten als die Konkurrenten hierzulande. So können sie ihre Produkte günstiger anbieten. Auch der Wechselkurs habe sich laut Trösch seit Jahren sehr ungünstig für das Unternehmen entwickelt, trotz, dass mit der Aufhebung der Euro-Franken-Bindung im Jahr 2015 Importe in die Schweiz grundsätzlich günstiger und damit attraktiver wurden.

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Mit dem besseren, aber nicht genügend guten Ergebnis 2018 ist die Entscheidung für die Geschäftsaufgabe gefallen. Grundstück und Gebäude gehören Glas Trösch und sollen verkauft werden.

125 Jahre „Faszination Glas“

Die Ursprünge von Bornhauser + Schmid liegen im Jahr 1894. Damals gründet Rudolf Bornhauser die „Glaserei Bornhauser“. 1933 entwickeln Anna Bornhauser, Karl Schmid und Josefine Schmid (geb. Bornhauser) das Unternehmen mit einer Neugründung zu „Bornhauser + Schmid“ weiter. Im Jahr 1953 zieht das Unternehmen in seine neuen Produktionsgebäude im Gewerbegebiet Schmittenau

. 1962 übernimmt Werner Schmid die Geschäftsführung. Er übergibt das Unternehmen 1992 seinem Sohn Frank Schmid. 1997 entsteht der Neubau der Glasschleiferei mit spezieller Wassertechnik. Anschließend, im Jahr 1998, wird die alte Schleiferei zur Ausstellung „Faszination Glas“ umgebaut. Gleichzeitig werden Empfangsbereich und Büroräume umgebaut und modernisiert. Im Jahr 2001 wird die Kapazität des Glaslagers verdoppelt. 2002 wird ein CNC-gesteuertes Bearbeitungszentrum für Großformate Glas in Betrieb genommen und eine weitere Halle neu gebaut.

Aufgrund des Wachstums wird das Glaslager bereits 2003 erneut ausgebaut. Zusätzlich entsteht ein Magazin für Zubehör und es wird eine Schleifstraße für die Produktion von Serien in Betrieb genommen. 2012 verkauft Frank Schmid das Unternehmen, welches mittlerweile rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, an seinen Hauptlieferanten Glas Trösch mit Stammsitz in Bützberg bei Bern, bzw. an deren deutsche Holdinggesellschaft mit Sitz in Bad Krozingen. Trösch beschäftigt heute nach eigenen Angaben rund 5000 Mitarbeiter in 60 Betrieben in Europa und Übersee, 1836 von ihnen in Deutschland.