Früher war nicht alles besser, aber auch nicht alles schlechter als heute. Eines aber war es früher: kälter, wesentlich kälter. Saukalt sogar wie in jenem Ausnahmewinter des Jahres 1864, als im Januar die Wutach völlig zugefroren war. Dann setzte Tauwetter ein, das Eis der Wutach kam allmählich in Bewegung, staute sich aber unterhalb von Grimmelshofen in einer Flußbiegung.

Man schrieb den 27. Januar 1864. Um 17 Uhr setzte plötzlich ein ohrenbetäubendes Donnern und Krachen ein. Das ganze Eis aus Richtung Blumegg, Wutachmühle und Bad Boll setzte sich durch den angeschwollenen Wasserdruck in dem engen Flussbett in Bewegung und schob alles bis an die Flussbiegung unterhalb Grimmelshofen vor sich her. Die Eisblöcke türmten sich fast haushoch auf, alles mitreißend, was in den Weg kam.

Einige kleine Häuser, die in der Nähe der Wutach standen, wurden vom Eis einfach zusammengedrückt oder weggeschoben. die Wutachbrücke in Grimmelshofen beim Gasthaus zum Hirschen war innerhalb von zehn Minuten verschwunden und damit der Verkehr der Dorfbewohner vom rechten und linken Ufer unterbrochen. Das nachschiebende Eis türmte sich hoch auf, das Wasser trat über die Ufer. In einem Haus wurden die Fenster eingedrückt, Eisblöcke schoben sich in die Stube und Wasser brach in die Wohnräume.

Einige Tage später kam das unterhalb von Grimmelshofen aufgetürmte Eis durch den dahinter lastenden enormen Wasserdruck in Bewegung und ging unter fürchterlichem Getöse die Wutach abwärts gegen Weizen und Stühlingen zu. Die tonnenschweren Eismassen krachten gegen mehrere Wutachbrücken, knickten sie wie Streichhölzer und wirbelten den Schutt flussabwärts, wo er sich allmählich an den Rändern des Flussbetts verfing oder manchen Brückenrest bis in den Rhein zwischen Tiengen und Waldshut spülte.

Noch im Mai des Jahres 1864 lagen mächtige Eisblöcke auf Wiesen entlang des Flussbetts, die nur allmählich in der Frühlingssonne schmolzen. Das Ereignis wurde fortan als "Eisbruch zu Grimmelshofen" bezeichnet.