„Der Beste muss mitunter lügen, zuweilen tut er‘s mit Vergnügen“, das empfahl schon Wilhelm Busch. Und an diesem Abend wurde gelogen, dass sich die Balken bogen. Im neuen, großen Raum der Stoll-Vita-Stiftung verfolgten rund 120 Besucher gespannt das jährliche musikalisch-literarische Konzert, diesmal rund ums Thema „Lüge“. In einem geistvollen Streifzug durch die Weltgeschichte hatte die Vorsitzende der Stiftung Adelheid Kummle viele anschauliche Lügenbeispiele zusammengestellt. Mit dabei wie immer die junge Moderatorin Anne Lindenberg, der Sänger Jan-Martin Mächler und am Flügel Christian Seidler.

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Dieser Abend war intensiv, höchst kurzweilig und amüsant. Das lag zum Teil an einer gekonnten Choreografie: Im Wechsel streiften die vier Mitwirkenden durch das Reich der Lügen – im Märchen, in der Bibel, im Tierreich, in der Literatur, im Theater, bei der Rechtssprechung und schließlich sogar bei der Werbung, bei Fake News und – wen wundert‘s – auch bei Donald Trump. Sie taten das mit Texten, Gedichten, Eigenkompositionen und Gesang mit vielen Musikbeispielen aus Musicals, Opern und Schlagern. Besonders der Tenor Jan-Martin Mächler und Christian Seidel musizierten hier mit oft frechem Witz, Theatralik und großer Musikalität. Köstlich auch das selbstverfasste „Ammenmärchen“ von Adelheid Kummle, in dem schließlich auch die Kinder lernen, was ihnen da bisher so alles – angefangen bei Storch und Osterhasen – vorgelogen wurde.

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Richtig geistvoll waren dann die von Adelheid Kummle verfassten Texte, die Anne Lindenberg mit viel Charme, Ironie und Temperament vortrug: Da kamen Augustinus und Immanuel Kant zu Wort, Sokrates und Martin Luther, der Maler Toulouse-Lautrec, Don Quichotte, der Lügenbaron Münchhausen oder der notorische Lügner Pinocchio, dem beim Lügen immer die Nase länger wurde. Aber auch Karl May oder Heinrich Heine oder gar das Lügen bei Aprilscherzen und Leichenreden, um nur einiges zu nennen.

Also ist die Lüge ein verwerflich Ding? Ganz im Gegenteil: Als versöhnlichen Abschluss fand Anne Lindenberg zum Lob der Lüge: Sie diene als Schmieröl der sozialen Gemeinschaft und mache das Leben leichter. Und lässt schließlich Udo Jürgens zu Wort kommen mit seinem Lied „Ein jeder lügt so wie er kann“. Da heißt es: „Selbst der Bravste braucht sie dann und wann, und dann lügt auch er so gut er kann.“ Viel begeisterten Beifall ernteten alle vier Akteure, vor allem aber die Initiatorin und Macherin Adelheid Kummle. Das Publikum freut sich auf ein Neues im nächsten Jahr.