Wenn Fernando Zinnecker ins Mikrofon spricht, um die Menschen im Fahrgeschäft Freak auf dem Chilbi-Rummel auf die bevorstehende Fahrt einzustimmen, klingt seine Stimme tief und kräftig. Dabei ist Fernando Zinnecker erst 16 Jahre alt, doch statt Sommerferien gibt es für den Jugendlichen – wie erst kürzlich bei der Waldshuter Chilbi – viel zu tun.

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Er gehört zur Schaustellerfamilie Zinnecker aus Forchheim (Bayern), die mit ihren beiden Fahrgeschäften Freak und T-Rex-Tower zum ersten Mal auf der Waldshuter Chilbi waren. Beim Geschäft mit der Rummel-Attraktion ist Sohn Fernando aber nicht nur Aushilfe. Zwar hat Vater Alexander Zinnecker noch die Fäden in der Hand, doch bereits im Laufe des nächsten Jahres soll Fernando das Ruder beim Schaustellergeschäft übernehmen. Dies sei, trotz des jungen Alters, so üblich, erklärt Alexander Zinnecker.

Schaustellerkinder müssen in die Schule

Nichtsdestotrotz braucht auch Fernando einen Schulabschluss und muss wie jeder andere Jugendliche in die Schule gehen. Da er und seine Familie aber viel unterwegs sind, unterscheidet sich der Schulalltag des 16-Jährigen von dem seiner Altersgenossen. "Überall, wo ich bin, gehe in die Schule", erklärt Fernando das bayrische Schulkonzept für Kinder beruflich Reisender. Dieses sieht vor, dass Jugendliche wie Fernando in der Zeit, wo sie nicht unterwegs sind, in eine Stammschule gehen. Sind sie unterwegs, gehen sie am jeweiligen Ort in die Schule. "Die Lehrer notieren sich dort was ich mache und schicken es an meine Stammschule", erklärt Fernando. Für ihn bedeutet das viel selbstorganisiertes Lernen. "Ich habe immer einen richtig dicken Ordner mit allen Fächern wie Mathe, Deutsch und Physik dabei", sagt der 16-Jährige und rollt mit den Augen. Unterwegs schreibt er dafür wenigstens keine Klausuren, sagt er. Prüfungen legt er nur an seiner Stammschule ab.

„Es muss immer schneller, weiter und höher sein“

Die Familie sind Schausteller in der siebten Generation und sechs Monate im Jahr auf Achse, erzählt Fernando von seinem Alltag. Die Schaustellerei sei ihm in die Wiege gelegt worden. „Es ist schon eine harte Aufgabe, aber es macht Spaß“, erklärt der 16-Jährige, während er nebenher immer wieder Fahrkarten an Rummelbesucher verkauft, die mit dem Freak in 42 Meter Höhe steigen wollen. Zwei lange Arme breiten sich von dem Fahrgeschäft in entgegengesetzte Richtungen aus, und an jedem Ende ist eine Gondel befestigt, in die jeweils vier Personen passen. Wenn der Freak startet, werden die Fahrgäste mit hoher Geschwindigkeit durch die Luft gewirbelt.

Der Freak war mit einer Höhe von 42 Metern das höchste Fahrgeschäft auf der Waldshuter Chilbi und bei den Besuchern beliebt. Betrieben wird er von der Familie Zinnecker, eine Schaustellerfamilie in der 7. Generation aus Forchheim (Bayern). Die Zinneckers waren zum ersten Mal auf der Waldshuter Chilbi. Bild: Maximilian Halter
Der Freak war mit einer Höhe von 42 Metern das höchste Fahrgeschäft auf der Waldshuter Chilbi und bei den Besuchern beliebt. Betrieben wird er von der Familie Zinnecker, eine Schaustellerfamilie in der 7. Generation aus Forchheim (Bayern). Die Zinneckers waren zum ersten Mal auf der Waldshuter Chilbi. | Bild: Halter, Maximilian

Zweieinhalb Minuten dauert die Fahrt. „Es muss immer schneller, weiter und höher sein“, beschreibt Fernando die heutigen Ansprüche der Rummelplatzbesucher an die Geschäfte der Schausteller. Die Menschen suchen den Adrenalinkick, ist er sich sicher.

Alle drei Jahre ein neues Fahrgeschäft

Den Freak hat die Familie in den Niederlanden gekauft. „In Deutschland kann man solche Fahrgeschäfte nicht kaufen“, sagt Fernando. 700 000 Euro hat der Freak gekostet – ohne Lackierung und ohne Kassenhäuschen. Lange wird er nicht im Besitz der Familie sein, denn etwa alle drei Jahre werden die alten Fahrgeschäfte verkauft und neue angeschafft. „Die Zeit bleibt ja nicht stehen, es muss immer etwas Neues her“, erklärt der 16-Jährige. Über die neusten Trends und Fahrgeschäfte informieren er und seine Familie sich in einer extra Schaustellerzeitschrift namens "Kirmes". "Da machen die Firmen Werbung und stellen alles Neue vor", sagt Fernando.

Vom Fahrgeschäft zum Glühweinstand

Zum Familiengeschäft gehören jedoch nicht nur die Fahrgeschäfte, klärt Andreas Auth, seit 17 Jahren Geschäftsführer bei der Schaustellerfirma der Zinneckers, auf. Auf dem Weihnachtsrummel kommt nämlich nicht der Freak, sondern ein Glühweinstand zum Einsatz. Auch dort hilft Fernando fleißig mit. "Ich nehme aber eher Geld entgegen und wasche Tassen, da es die Menschen nicht so gerne sehen, wenn ein Jugendlicher Alkohol ausschenkt", sagt der 16-Jährige und lacht. Vielleicht sehen ihn die Waldshuter bereits im nächsten Jahr als Chef seines eigenen Fahrgeschäfts wieder.