Waldshut-Tiengen Ein halber Liter Blut für die Region: Das erwartet Sie bei der Blutspende

78,5 Liter Blut floss in der Waldshuter Waldtorschule bei der Spendenaktion des Deutschen Roten Kreuzes. SÜDKURIER-Volontär Julian Kares nahm zum ersten Mal an einer Blutspende teil – ein Erfahrungsbericht.

„Achtung, das pikst jetzt ein bisschen“, sagt Krankenschwester Monika Ebner, bevor sie die Nadel mit dem Schlauch in meine Vene steckt. Die Hand zur Faust ballend und wieder öffnend pumpe ich zehn Minuten mit, damit der halbe Liter Blut aus meinem Körper schneller seinen Weg in den sich rot füllenden Beutel findet.

15 Erstspender sind erschienen

Ich bin einer von 157 Menschen, die an diesem Tag in der Waldshuter Waldtorschule erschienen sind, um Blut zu spenden. 15 Freiwillige liegen zum ersten Mal auf der blauen Liege. Sie sind Erstspender, genau wie ich.

Es ist eine von sechs jährlich stattfindenden Blutspendeaktionen in Waldshut-Tiengen, initiiert vom Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Bereit für die Spende: SÜDKURIER-Volontär Julian Kares bekommt in der Sporthalle der Waldshuter Waldtorschule von Krankenschwester Monika Ebner zum ersten Mal in seinem Leben einen halben Liter Blut abgenommen.
Bereit für die Spende: SÜDKURIER-Volontär Julian Kares bekommt in der Sporthalle der Waldshuter Waldtorschule von Krankenschwester Monika Ebner zum ersten Mal in seinem Leben einen halben Liter Blut abgenommen. | Bild: Privat/Julian Kares

In der kleinen Sporthalle der Schule stehen acht Liegen. Dort sitzen sechs ausgebildete Schwestern, die sich mit ruhiger Hand um die Freiwilligen kümmern. Ehrenamtliche Mitarbeiter des DRK-Ortsverbandes Waldshut nehmen im ersten Stock die Spender in Empfang und beantworten Fragen. Hinter undurchsichtigen Vorhängen sitzen vier Ärzte zur medizinischen Voruntersuchung.

Blut wird auf Infektionen untersucht

Bevor es losgeht, muss jeder Freiwillige Papierkram erledigen. Mit einem Fragebogen kann jeder selbst herausfinden, ob seine Blutspende zur Transfusion freigegeben werden darf. Die Fragen zielen auf die Virusinfektionen Aids und Hepatitis ab, durch das Aufkleben eines Strichcodes ist die Beantwortung anonymisiert. Jedoch werden bei allen Blutkonserven zur Sicherheit Infektions-Tests vorgenommen, ehe das Blut verwendet werden darf.

„Es gibt wohl wenige Ärzte, die sich für die Aktion bereit erklären“

Bei der ärztlichen Kontrolle empfängt mich Michael Schipulle. Der Arzt aus Tuttlingen ist seit sechs Jahren im Ruhestand. Seit zwei Jahren hilft er gegen Vergütung ein bis zwei Mal in der Woche als untersuchender Mediziner beim Blutspenden. „Ich bin oft hier in der Nähe. Es gibt wohl wenige Ärzte, die sich für die Aktion bereit erklären“, sagt er. Zwei weitere Ärzte seien extra aus Radolfzell und Freiburg angereist. Schipulle misst meinen Blutdruck, den Puls und die Körpertemperatur.

Elf Personen werden aussortiert

Bei älteren Menschen sei der niedrige Blutdruck ein häufiges Ausschlusskriterium, junge Menschen können oft wegen früherer Reisen in Malaria-Gebiete kein Blut abgeben. „Bei Ihnen ist alles im grünen Bereich, Sie dürfen spenden“, lautet sein Fazit, ehe er mich zur Untersuchung meines Eisen-Gehalts leitet. Elf Personen dürfen an diesem Tag nicht spenden, entweder aus gesundheitlichen Gründen oder weil der Eisenwert nicht innerhalb der Vorgabe lag.

Schmerzfrei bei der Abnahme

Schließlich liege ich bei Monika Ebner, die beim DRK als Teilzeitkraft zum mobilen Einsatzteam bei Blutspenden gehört. Auf einem digitalen Messgerät neben meiner Liege sehe ich, wie viel Blut schon in die Konserve geflossen ist. Bei 500 Millilitern stoppt die Anzeige. Die Nadel wird entfernt, danach ziert ein weißer Verband meinen linken Arm. Schmerzen habe ich in keinem Moment empfunden.

78,5 Liter Blut werden gespendet

Mein Blut lande nun zur Aufbereitung im Institut in Ulm, erklärt Christina Hohner, die Werbe- und Organisationsreferentin des DRK: „Das Ziel ist, dass die Konserven zurück in die Region gelangen, damit dort Patienten versorgt werden können.“ In der Waldtorschule wurden an diesem Tag 78,5 Liter Blut entnommen.

Nach der Entnahme ruhe ich mich aus. Als Neuling lege ich mich lieber hin, anstatt zu sitzen. Die Menschen um mich herum wirken alle ein wenig stolz. Zu Recht, schließlich gibt man freiwillig zehn Prozent seines Lebenssaftes ab. Die Belohnung: Ein Herz aus Nougat, ein ausgiebiges Mahl am kalten Buffet und das Gefühl etwas Gutes getan zu haben.

 

Drei Fragen an einen Dauerspender

72 Frauen und 85 Männer spendeten in der Waldtorschule ihr Blut. Waldemar Werner aus Gurtweil ist einer der Freiwilligen, für ihn war es die 57 Blutspende.

Waldemar Werner aus Gurtweil hat zum 57 Mal in seinem Leben Blut gespendet.
Waldemar Werner aus Gurtweil hat zum 57 Mal in seinem Leben Blut gespendet. | Bild: Julian Kares

Herr Werner, wie kam es dazu, dass Sie zu einem dauerhaften Blutspender wurden?

Ich denke, dass mein erstes Mal Blutspenden ungefähr 30 Jahre her ist. Am Anfang habe ich nicht regelmäßig gespendet, in den letzten Jahren bin ich dann aber drei bis vier Mal im Jahr bei den Aktionen dabei. Eigentlich hat es keinen tieferen Grund. Es ist vielleicht die Einsicht, dass Blutspenden eine ganz wichtige Sache ist, die man so in den früheren Jahren nicht hatte.

Wie informieren Sie sich über die Veranstaltungen?

Besonders fällt es durch die schöne Bannerwerbung auf, wenn man durch Waldshut oder Tiengen fährt. Und dann informiere ich mich noch selbst im Internet, wo genau die Spendenaktion stattfindet.

Gibt es für Sie bei den Blutspende-Aktionen Verbesserungsvorschläge in der Umsetzung?

Also heute hat es mir gut gefallen, da es in der Waldtorschule war. Letztes Mal war es in der Waldshuter Stadtscheuer, das habe ich als unglücklich empfunden. Dort standen nicht so viele Räume zur Verfügung, es war etwas gedrängt. Hier ist die bessere Örtlichkeit, es hat sich heute sehr gut verteilt. Ein Kompliment an die Helfer hier, die das zum Teil ja ehrenamtlich durchführen.

Fragen: Julian Kares

 

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