Frau Klaas, Sie haben als neu gewählte Stadträtin die ersten Sitzungen des Gemeinderates Waldshut-Tiengen erlebt. Haben Sie sich die Arbeit so vorgestellt?

Ja, denn ich wusste, was auf mich zukommt. Es war nicht das erste Mal, dass ich eine Stadtratssitzung erlebt habe. Nur aber eben in einer anderen Position.

Warum haben Sie sich als Kandidatin aufstellen lassen? Was war Ihre Motivation? Haben sich Ihre Erwartungen bisher erfüllt?

Die Tatsache, dass wir Frauen seit 100 Jahren das aktive und passive Wahlrecht in Deutschland haben, und ich im gesamten Landkreis Frauen mit Veranstaltungen und im persönlichen Gespräch motiviert habe, zu kandidieren, hat mich dazu bewogen, mich selbst zur Wahl zu stellen. Ich möchte Transparenz und Bürgerfreundlichkeit. Das heißt auch, Zielgruppen wie Familien mit Kindern, Seniorinnen/Senioren und Menschen mit Einschränkungen oder Menschen, die keine klare Lobby haben, gut in den Blick zu nehmen. Ich sehe, dass da kontrovers diskutiert wird und noch Handlungsbedarf besteht. Unsere Stadt soll für alle lebenswert sein.

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Was war bisher für Sie als Stadträtin die größte Herausforderung?

Die Welt ändert sich und mit ihr die Anforderungen an eine Stadtpolitik. Die vielen verschiedenen Interessenslagen unter einen Hut zu bringen, finde ich eine Herausforderung. Umweltschutz, Verkehrspolitik und Infrastruktur sowie Digitalisierung sind Schlagworte, die gerne verwendet werden, hinter denen sich jedoch die unterschiedlichsten Vorstellungen verbergen. Es ist wichtig, bei jeder Maßnahme zu überlegen, was deren Auswirkungen für die verschiedenen Zielgruppen bedeutet.

Welche Themen waren für Sie bisher besonders spannend und warum?

Ich habe in Waldshut-Tiengen über Jahrzehnte Entscheidungen miterlebt, die irreversible Schäden verursacht haben im Stadtbild und für den Nutzen der Bürgerinnen und Bürger. In Zukunft vorausschauend und nachhaltig zu agieren, finde ich spannend. Bisher waren auch die Kosten für Projekte und somit die Verteilung der finanziellen Mittel für mich interessant.

Welches Thema/Projekt liegt Ihnen für die Zukunft am Herzen?

Die Verkehrs- beziehungsweise Mobilitätsplanung inclusive der Parksituation, der öffentlichen Raum für Kinder, Fußgänger und Menschen mit Behinderung sowie das Radwegenetz, die Sicherheit in unserer Stadt, die ökologische Bewirtschaftung von Grünflächen und die Grundversorgung der Bergstadt und der Ortsteile, die Sanierung des Waldshuter Freibades und das Tourismuskonzept.

Welche Herausforderungen kommen nach Ihrer Sicht noch auf den Gemeinderat zu?

Es müssen immer auch Abstriche und Verluste in Kauf genommen werden, um Veränderung zuzulassen. Veränderungen benötigen wir, um beispielsweise die ärztliche Versorgung und die Mobilität zu verbessern. Entwicklungen und Gegebenheiten haben jedoch oft zwei Seiten und können nicht jeder Interessensgruppe gerecht werden. Die Nähe zur Schweiz und unsere topographische Lage sind solche Fakten. Sie bieten Vor- und Nachteile und stellen uns vor Herausforderungen.

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Wie hoch ist der Zeitaufwand, um sich für die Sitzungen vorzubereiten?

Sprechen wir vom Durchschauen der Sitzungsunterlagen, so ist das überschaubar. Es ist jedoch oft nötig, sich zeitnah und umfassend erweiterte Informationen einzuholen. Ich möchte zudem parteiunabhängig und sachorientiert entscheiden können. Hierzu bedarf es immer wieder zusätzlicher Kommunikation und Abstimmung.

Könnten Sie sich schon jetzt vorstellen, in vier Jahren erneut als Stadträtin zu kandidieren?

Weil ich jetzt unbefangen und frei meine Arbeit tun will, ohne den doch hemmenden Anspruch, wiedergewählt zu werden, werde ich diese Entscheidung erst dann treffen, wenn die Zeit dazu reif ist.

Die neuen Stadträte im Interview

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