Nicht nur der morgendliche Berufsverkehr, auch die Sorge vor der drohenden Klimakatastrophe zwingt die Menschen im Kreis Waldshut zur Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Verkehrssituation. Kein Wunder also, wenn mehr als 50 Menschen aus allen Alters- und Berufsgruppen zum Vortrag des international anerkannten Verkehrsexperten Winfried Wolf strömten. Eingeladen dazu hatte der Offene Treffpunkt Aktuell Waldshut. Der selbstredend mit dem Zug von Berlin angereiste Autor plädierte im Waldshuter „Stellwerk“ für eine umfassende Verkehrswende.

Spätestens seit dem Dieselskandal in der Automobilindustrie sei klar, dass die Mobilität, wie wir sie bislang kennen, in der Krise steckt. Es gebe die menschengemachte Klimaerwärmung. Der wachsende Auto- und Flugverkehr (auch hier regional erlebbar) und die globalisierte Schifffahrt seien für gut ein Viertel der Treibhausgasemissionen verantwortlich.

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Wolf warnte vor der unter grünem Etikett daherkommenden „e-mobility“. Diese von der Autolobby propagierte Scheinlösung sei eine Sackgasse. Denn bei Elektroautos seien die klimaschädigenden Emissionen, bezogen auf den gesamten Produktions- und Lebenszyklus, ähnlich schlecht wie bei Benzin- und Dieselautos. Eine Mobilitäts-Alternative verlange mehr als nur die Änderung der Antriebsart. Sonst bleibe es beim Status quo.

Besonders für die Menschen am Hochrhein lohne sich ein Blick zum Nachbarn. Die Schweiz sei beim Thema Verkehr Musterland, besonders was Busse und Bahnen betrifft. Die Eidgenossen hätten vor Jahren begonnen, viel Geld für den Ausbau ihres Öffentlichen Personenverkehrs auszugeben.

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Angefangen bei der Bahn über Linienbus bis hin zu Schiff und Seilbahn ist im Nachbarland inzwischen alles miteinander vertaktet, legte der Referent dar. Die Schweiz habe, was in Deutschland und im Landkreis Waldshut noch fehle: Ein öffentliches Verkehrssystem aus einem Guss, das sämtliche Verkehrsmittel integriert und im Takt aufeinander abstimmt. Vom IC in den Regionalzug, dann in den Bus umsteigen, mit passenden Anschlüssen und einem einzigen Billet. Die SBB fährt jede größere Stadt im Halbstundentakt an, manche sogar im Viertelstundentakt, fast jedes Dorf auch im entlegensten Alpental ist an das Netz angeschlossen. Als Beispiel für ein preiswertes ÖPNV-System empfahl der Referent Wien, wo man pro Tag nur einen Euro bezahlen müsse.