Ein Patient sitzt im Wartezimmer und schaut ungeduldig auf die Uhr. Seine Parkzeit läuft in wenigen Minuten ab. Er weiß genau, wenn er jetzt aufsteht, um weitere Münzen in die Parkuhr zu werfen, wird er ins Sprechzimmer gerufen. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als einen Strafzettel zu riskieren.

Eine Szene wie diese könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn die Stadt Waldshut-Tiengen bietet ab November dieses Jahres das sogenannte Handyparken an. Damit wird es unter anderem möglich sein, die Parkzeit per SMS oder App von jedem beliebigen Ort aus zu verlängern. Welche Funktionen der neue Dienst außerdem bietet und wo er erhältlich ist, erläuterte Jürgen Wiener, Leiter der Ortspolizeibehörde, im Gemeinderat.

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1. Wie funktioniert das Handyparken?

Wer den neuen bargeldlosen Service nutzen möchte, kann sich die App „Pay by Phone“ kostenlos aufs Smartphone laden. Der Nutzer wählt in der Anwendung einen Parkplatz aus und gibt sein Kennzeichen über die Tastatur ein. Daraufhin zeigt das Smartphone die zu zahlenden Parkgebühren für die gewünschte Parkdauer an. Nun muss der digitale Parkschein nur noch bestätigt werden.

2. Kann man auch ohne Smartphone digitale Parkscheine anfordern?

Ja, das ist möglich. Wer noch ein älteres Handy ohne Internetzugang besitzt oder die App auf dem Smartphone nicht herunterladen möchte, kann einen Parkschein per SMS anfordern. Die entsprechende Nummer und eine Anleitung werden auf den Parkscheinautomaten angebracht.

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3. Wie werden die digitalen Parkscheine bezahlt?

Die Parkgebühren werden entweder über die Mobilfunkrechnung abgerechnet oder gehen vom Prepaid-Guthaben des Handys ab. „Wer sich über die App registriert, kann zusätzliche Bezahlmethoden wählen“, sagt Jürgen Wiener auf Nachfrage dieser Zeitung und zählt das Pay-Pal-Verfahren, Kreditkarten und den Einzug per Lastschrift auf.

4. Welche Vorteile hat das Handyparken?

Neben dem Umstand, dass man künftig kein Kleingeld parat haben muss, bietet das neue Angebot laut Jürgen Wiener einen weiteren Vorteil: „Die App erinnert einen 15 Minuten vorher daran, dass die Parkzeit abläuft.“ Dann könne man bequem nachlösen, ohne zurück zum Auto gehen zu müssen. In der Zukunft soll es auch möglich sein, dass die App die Wahrscheinlichkeit auf einen freien Parkplatz anzeigt.

In Bad Säckingen gibt es die Zusatzfunktionen am Parkautomat bereits.
In Bad Säckingen gibt es die Zusatzfunktionen am Parkautomat bereits. | Bild: Justus Obermeyer
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5. Wie kontrolliert der Gemeindevollzugsdienst das Handyparken?

Bisher zeigten Papierzettel hinter der Windschutzscheibe an: Hier wurde ein Parkticket gelöst. Durch Eingabe des Kennzeichens in ein mobiles Datenerfassungsgerät können die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung künftig prüfen, ob ein gültiges Handyparkticket vorliegt. Wenn nicht, folgt wie bisher ein Knöllchen.

6. Auf welchen Parkflächen ist der Service nutzbar?

Während der Testphase von November 2019 bis Februar 2020 ist der Service auf Parkflächen in der Waldshuter Innenstadt beschränkt. „In den Parkhäusern wird der Service nicht angeboten“, sagt Jürgen Wiener. Nach der dreimonatigen Testphase soll er auf das gesamte Stadtgebiet von Waldshut-Tiengen ausgeweitet werden.

7. Warum gibt es zunächst einen Testlauf?

Da die Vertragslaufzeit mit dem Anbieter sehr lang wäre und da die mobilen Datenverbindungen mit dem Handy in Waldshut schlecht sind, wolle man den Service zunächst drei Monate testen, sagte Wiener im Gemeinderat.

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